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Lockdown-Lyrik 2.0! Gedichte von Fitzgerald Kusz

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DAS GEDICHT BLOG, das multimediale Online-Forum der Zeitschrift DAS GEDICHT, ist eine zentrale Anlaufstelle für alle Freunde der Poesie: www.dasgedichtblog.de publiziert Netz-Anthologien, Lyrik für Kinder, Rezensionen, Interviews, Dichterporträts und Hintergrundberichte zum Literaturbetrieb. Eine Rubrik bildet die Online-Sammlung von Gedichten, die sich mit der aktuellen Corona-Krise befassen: „Lockdown-Lyrik 2.0! Quarantäne poetisch ausleuchten – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen“. In loser Folge erscheinen hier neue Episoden der nun von Sabine Schiffner, Anton G. Leitner, Alex reppec und Fritz Deppert herausgegebenen Anthologie (Dank an Jan-Eike Hornauer für die Mitherausgeberschaft bei Folge 1-154). Aus dieser Reihe stellen wir zwei Gedichte des fränkischen Autors Fitzgerald Kusz vor. Mit freundlicher Genehmigung des Autors.

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Lockdown-Lyrik 2.0!

gedichte von fitzgerald kusz

 

loggdaunkrouhä

wos machn di krouhä
di krouhä im loggdaun?
hoggn däi alle immä nu
aff iäm bamm rum?
haldn däi werkli
di abschdandsregln ei?
droong däi bamm fläing
mund-und nosn-schudz?
derfns di maskn abnehmä
wenns affm buudn landn
und wos zum fressn soung?
wos machn di krouhä
di krouhä im loggdaun?
derfn si däi ibähabds nu
in dä nähe
vo menschn aufhaldn?

 

lockdownkrähen

was machen die krähen
die krähen im lockdown?
sitzen die alle immer noch
auf ihrem baum herum?
halten die wirklich
die abstandsregeln ein?
tragen die beim fliegen
mund- und nasenschutz?
dürfen sie die maske abnehmen
wenn sie auf dem boden landen
und was zu fressen suchen?
was machen die krähen
die krähen im lockdown?
dürfen sie sich überhaupt noch
in der nähe
von menschen aufhalten?

 

 

schlussapplaus

nach der theaterschließung

es deoodä is leer
di bühne dunkl
ä nachfaldä zabbld
innerm schbinnänedz
kummd nimmä raus
wou bleibdn dä hamlet?
sein oddä nichtsein
wos isn des fiärä frouch?
dä ledzde vuähang is gfalln
dä nachdfaldä zabbld nu
kannä wadd aff godot
deä is scho lang
in quarantäne

das theater ist leer
die bühne dunkel
ein nachtfalter zappelt
in einem spinnennetz
kommt nimmer raus
wo bleibt denn hamlet?
sein oder nichtsein
was ist das für eine frage?
der letzte vorhang ist gefallen
der nachtfalter zappelt noch
keiner wartet auf godot
der is schon lange
in quarantäne

Aus dem Fränkischen vom Autor
© 2020 Fitzgerald Kusz, Nürnberg
(Redaktion: Anton G. Leitner)

 

Fitzgerald Kusz (* 1944 in Nürnberg), aufgewachsen im mittelfränkischen Forth (heute: Eckental), ist ein Pionier der fränkischen Mundartdichtung. Sein 1976 uraufgeführtes Theaterstück Schweig, Bub!, das in 30 Jahren über siebenhundertmal in Nürnberg gespielt wurde, machte ihn im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt. 1992 wurde Kusz mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 1998 erhielt er die Verdienstmedaille „Pro Meritis“ sowie den Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. 2017 wurde er mit dem Bayerischen Dialektpreis und dem Bayerischen Poetentaler geehrt.