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16.09.2026, 09:00 Uhr
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#MünchenIstKultur: Ein Gespräch mit Monika Pfundmeier

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von links: Sinem Gökser, Robert Spitz, Monika Pfundmeier, Florentina Tautu, Inge Engel, Corbinian Böhm, Kathleen Daniel, Verena Regensburger © MünchenIstKultur

Kulturkürzungen belasten den gesamten Kunstsektor, erschweren auch die Lebensbedingungen von Autorinnen und Autoren. Das 2024 gegründete, institutionsübergreifende Bündnis #MünchenIstKultur (MiK) setzt sich dafür ein, die elementare Bedeutung von Kultur in den Fokus des gesellschaftlichen und politischen Bewusstseins zu rücken. Das Literaturportal sprach mit der Autorin und Vorsitzenden des VS Bayern/RG München-Oberbayern, Monika Pfundmeier, die für den Bereich Literatur im Vorstand von MiK tätig ist. 

LITERATURPORTAL BAYERN: Liebe Monika, heute traf sich die Sektion Literatur von #MünchenIstKultur ja das erste Mal live. Wie war’s aus deiner Sicht?

MONIKA PFUNDMEIER: Ernüchternd. Jede*r schultert viele, teilweise zu viele individuellen Heraus- und Überforderungen, was sicher auch eine grundsätzliche, systemischen Ursache hat. Besonders die, die sich ohnehin schon engagieren kämpfen mit Überlastung und schlechtem Gewissen. So viele Gründe es gibt, so oft fehlt es an der Energie, sich für etwas, das nicht unbedingt schnellen Erfolg oder Ertrag oder persönlichen Nutzen bringt, einzusetzen. Es fehlt an Menschen, die sich auch hier und insbesondere im Bereich Literatur einsetzen – für eine Zukunft, für Rahmenbedingungen, für Teilhabe allgemein, damit wir, die wir schreiben wollen, die Voraussetzungen schaffen, um langfristig schreiben und leben zu können. Ich hadere mit der Frage und Antwort, ob es in anderen Zeiten, in anderen politischen und kulturpolitischen Konstellationen eine geringere Rolle spielen würde. Ein*e einzelne*r kann nicht alles ändern, aber viele zusammen, bewirken etwas.

LPB: Um gleich aufs Bewirken zu kommen. Für diejenigen, die noch nicht ganz so im Thema drinnen sind: was sind eure Ziele?

PFUMDMEIER: Für #MünchenIstKultur ist das Ziele spartenübergreifend, d.h. in Zusammenarbeit aller kulturellen Disziplinen die Bedeutung von Kultur in den Fokus zu rücken und eine langfristige, nachhaltige Finanzierung mit zu erarbeiten. Die Detailziele von München ist Kultur gibt es hier: https://www.muenchenistkultur.de/mik/ 

LPB: Danke. Jetzt kann niemand mehr behaupten, er wüsste nicht, wo er sich informieren könnte. Wo siehst du die größten Widerstände, Herausforderungen?

PFUNDMEIER: Schreiben ist etwas sehr Individuelles. Politische Arbeit hingegen benötigt Teamarbeit. So gern Bücher gelesen werden, so sehr fehlt die Transferleistung, dass menschliche Autor*innen diese schreiben, die Arbeit leisten und dafür faire Vergütung verdienen, dass wir Teil der gesamten Kulturlandschaft sind. Dass einige auch deswegen Einkommen haben, weil wir am Anfang einer ganzen Wertschöpfungskette stehen. Als Autor*innen, als Schreibende sind wir schlecht bis gar nicht organisiert. Im Bereich Literatur gibt es kaum bis wenige (immergleiche, überarbeitete) Engagierte, die kulturpolitische Arbeit versuchen zu stemmen. Es sind oft dieselben Namen, dieselben, die im Spotlight stehen, die „das schon machen werden“. Das verführt dazu, die Überlegung und Verantwortung abzuschieben, was man selbst machen könnte oder sollte. Da zu stehen und alleine zu sein, oder etwas zu tun und nicht gesehen zu werden, ist unfassbar demotivierend.

LPB: Das ist sehr nachvollziehbar. Und wir als Redaktion hoffen, etwas durch unsere Arbeit beizutragen. Was richten denn die Kürzungen konkret für die Literatur an? Gibt es hier vielleicht ganz  spezifische Probleme, die die anderen Künste nicht so betreffen oder sind alle Sparten gleichermaßen betroffen?

PFUNDMEIER: Die Kürzungen sind für alle Sparten und für unsere Demokratie als Gesamtes kritisch. Kultur ist der Raum, in dem wir uns begegnen und Demokratie verhandeln können. Kürzungen bedeuten: weniger Teilhabe. Weniger Personen können sich leisten, am kulturellen, gesellschaftlichen und, weil es zusammenhängt, am politischen Diskurs teilzunehmen. Wenn nur noch diejenigen Kultur gestalten und besprechen, die es sich leisten können, verschiebt sich gesellschaftliche Teilhabe, Einkommens- und Machtverhältnisse. Wenn uns nicht gelingt, demokratische Teilhabe zu ermöglichen, werden antidemokratische Kräfte diese Räume übernehmen und haben dies bereits getan.

LPB:  Da direkt nachgefragt: Was kann (Kultur-)Politik heutzutage denn eigentlich überhaupt noch ausrichten? 

PFUNDMEIER: Kultur ist so ziemlich alles, was uns umgibt. Daher sind vor allem Demokratiefeinde so engagiert, dieses Feld zu besetzen.
Wir erleben live, wie antidemokratische, nationalistische, extreme Kräfte die Kulturdebatte für sich nutzen und Kulturpolitik in ihrem Sinne gestalten. 
Kultur kann viel – Vielfalt und die Schönheit in der Unterschiedlichkeit unserer Gesellschaft zeigen, Fragen stellen, Humor und Freude gleichermaßen inspirieren, wie Kritik. Kultur ermöglicht eine Veränderung des Blickwinkels. Kultur beeinflusst. 

LPB: Von den Problemen zu den Möglichkeiten. Worin siehst du eure größten Chancen und das Potenzial etwas zu erreichen? Und wie kann man euch unterstützen?

PFUNDMEIER: Die größte Chance, die wir noch haben, ist: sich zu interessieren, sich zu engagieren, sich zu vernetzen, dem Bündnis #MünchenIstKultur beizutreten. Zu verstehen, dass wir gemeinsam etwas bewirken können. Wenn möglich: Unterstützung anbieten. Angefangen vom Teilen von Beiträgen bis zu aktiver Unterstützung.

LPB: Was würdest du als Autorin in Zeiten von KI und Kulturkürzungen anderen Schreibenden also raten?

PFUNDMEIER: Austauschen, engagieren, vernetzen, einem Verband beitreten, der sich für die Rechte von Autor*innen und Kultur einsetzt.

LPB: Nun bist du neben deinem intensiven kulturpolitischen Engagement auch Autorin. Hast du gerade selbst ein neues Schreibprojekt? Und wenn, wie hat dich dein Schaffensprozess entwickelt? Inwiefern die gesellschaftlichen Entwicklungen Einfluss darauf?

PFUNDMEIER: Mein neues Projekt erfüllt mich zugleich mit Freude über das Schreiben, als auch mit der beständigen Frage, wie ich mehr bewirken und andere inspirieren könnte; und natürlich: was aus dem Projekt wird. Im Rahmen der gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen sehe ich es umso wichtiger, daran zu arbeiten und nicht einfach aufzugeben – weder das Schreiben, noch mein politisches Engagement, selbst wenn ich manchmal wünschte, ich könnte mehr schaffen, auch wenn mir manchmal die Kraft fehlt. Selbst wenn ich manchmal gern nur Schreiben wollen würde.
Aber ganz gleichgültig wie ein Erfolg oder Sichtbarkeit sein wird: vorauseilend aufzugeben, überlässt jenen den Raum, die von der Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und Ausbeutung profitieren.

LPB: Das war eigentlich schon ein schönes Schlusswort. Dennoch zum Abschluss: wie würdest du den Satz weiterführen: „Man darf Kultur keinesfalls kürzen, weil…“

PFUNDMEIER: Ich würde das weil streichen ;). 

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