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06.02.2026, 10:00 Uhr
Redaktion
Spektakula

Die Verleihung der Ernst-Hoferichter-Preise 2026 an Narges Kalhor und Quint Buchholz

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Quint Buchholz (links), Kulturreferent Marek Wiechers (rechts) © Literaturportal Bayern

Die seit 1975 alljährlich verliehenen, renommierten Ernst-Hoferichter-Preise – eine Auszeichnung für Münchner Kunstschaffende, die in ihren Werken im Sinne Ernst Hoferichters „Originalität mit Weltoffenheit und Humor“ verbinden – werden in diesem Jahr an die iranische Filmemacherin Narges Kalhor und den Buchillustrator Quint Buchholz verliehen. Die Redaktion des Literaturportals war bei der feierlichen Verleihung im Literaturhaus München vor Ort. 

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Beim Anblick des menschenvollen Saals konnte man den Ausspruch von Kulturreferent Marek Wiechers, dass es sich beim anwesenden Publikum um eine „Hoferichter-Gemeinde“ handele, durchaus nachvollziehen. Der, so Wiechers, „weltbeste Preis, den München zu vergeben hat“, erfreut sich sichtlich großer Beliebtheit. 

Und die beiden diesjährigen ausgezeichneten Künstlerpersönlichkeiten, die iranische Filmemacherin Narges Kalhor und der Buchillustrator Quint Buchholz, entsprachen nicht zuletzt mit ihren spürbar authentischen warmen Dankesreden ganz sicher den Erwartungen des sie feiernden Publikums.

Prof. Heiner Stadler (HFF) versah die Laudatio auf Narges Kalhor mit liebenswerten persönlichen Erinnerungen, stellenweise wirkte sie allerdings etwas ausufernd und unfokussiert: Bei der Phalanx an Filmgrößen, die er aufrief, kommentierte und teilweise recht lose mit dem Werk von Narges Kalhor verknüpfte, fragte man sich teilweise, wer genau hier eigentlich den Preis verliehen bekam. Dagegen fasste sich die Preisträgerin selbst angenehm kurz. Sie verband ihre Freude über diese Auszeichnung aus gegebenem, aktuellem Anlass mit dem Hinweis auf die akuten Menschenrechtsverletzungen in Iran, wo jüngst so viele friedliche Demonstranten ihr Leben ließen und auch weiterhin um ihr Leben fürchten müssen. 

„Wir hoffen, dass Europa nicht weiter schweigt“, appellierte Kalhor. „Die Menschen in Iran wollen den Sturz. Meine Mutter wollte bleiben, obwohl sie jetzt hätte ausreisen können, um den Sturz des Regimes zu erleben.“ Kalhors filmische Narrative setzen sich, so die Jury, auf ebenso kreativ-originelle wie kritisch-humorvolle Weise mit weiblichen Identitätsentwürfen im Exil sowie mit bayerischem und iranischem Kulturgut auseinander; dabei bricht sie tradierte Sehgewohnheiten auf höchst kunstvolle Weise auf.

„Wer bist du?“ – lautete die Leitfrage von Laudator Niels Beintker (BR-Kulturredakteur) auf Quint Buchholz. Eine feinfühlige, erhellende Würdigung, die den Zuhörenden eingängig vermittelte, auf welche besondere Weise Buchholz mit seinen Bildern Geschichten zu erzählen vermag. Jostein Gaarders berühmtes Werk Sofies Welt etwa bleibt sicherlich nicht nur für Beintker, sondern auch für zahlreiche Leserinnen und Lesern untrennbar mit dem Coverbild von Quint Buchholz verbunden.

Beintker lobte die enorme, poetische wie grafische Tiefe von Buchholz' Bildern. „Malen heißt für ihn [Buchholz] auch ergründen.“ Als ein Erzählen in die Tiefe, ein Suchen nach den Dingen hinter den Dingen beschrieb der Laudator dessen künstlerischen Ansatz. Dieser „Sammler von Augenblicken“ und „Beschwörer des Schönen“ schmückte seine eigene Dankesrede dann mit einer Auswahl seiner Bilder, die im Hintergrund projiziert wurden – sehr zur Freude des Publikums, aus dessen Reihen jeweils „Ahs“ und „Ohs“ aufraunten. Je nachdem, wer gerade eines seiner Lieblings-Buchholz-Bilder dort auf der Leinwand vor sich entdeckte. 

Buchholz' warme, bewegende Rede barg einige wunderschöne Bonmots, die hier erinnernd zitiert werden sollen, da sie keinerlei weiterer Kommentierung bedürfen:

„Es müsste ein Menschenrecht sein, seine Dinge immer wieder im eigenen Tempo zu tun.“

„Wir brauchen gerade jetzt unsere Träume als produktive Kraft. Auch um uns die unglaubliche Farbigkeit des Daseins auszumalen.“

„Kreativität, so John Cleese, hat nichts mit einem bestimmten Talent zu tun; es geht vielmehr um die Bereitschaft zu spielen.“

Und: „Die Menschen wissen gar nicht, zu welcher Schönheit sie fähig sind.“

Die Musikerin Marja Burchard trug mit ihrer ebenso virtuosen wie sensiblen Interpretation des Vibraphons auf jeden Fall dazu bei, dass diese von Buchholz beschworene Schönheit an diesem Abend erfahrbar wurde. Sie entführte einen für den Moment ihres Spiels in andere Sphären.

Eine rundum gelungene Preisverleihung.