https://www.literaturportal-bayern.de/images/lpbplaces/2016/klein/Rueckert_Steckbrief_164.jpg
Friedrich Rückert auf einer Zeichnung seines Freundes Carl Barth, 1818

Coburg-Neuses, Goldberg: Rückerts Dichterhäuschen

https://www.literaturportal-bayern.de/images/lpbplaces/2016/klein/Goldberghaeuschen_Aufmacher500.jpg
Das Goldberghäuschen, Rückerts Rückzugsort zum Dichten und Schreiben in Neuses (c) Literaturportal Bayern

Einen Kilometer von der Rückert-Gedenkstätte entfernt liegt der Goldberg, eine sanfte Erhebung mit Blick auf Schloss Callenberg, den langjährigen Hauptwohnsitz der Herzöge von Sachsen-Gotha auf der einen Seite, auf die Veste Coburg auf der anderen Seite. Der Weg dorthin führt sanft bergauf, die Goldbergstraße entlang, dann leicht rechts durch eine wunderschöne Allee.

Bereits 1837 erteilte Friedrich Rückert seiner Frau Luise den Auftrag, ein Sommerhaus auf dem Goldberg bauen zu lassen. 1846 konnte das Dichterhäuschen eingeweiht und bezogen werden.

Juni 50

Condit quisque diem collibus in suis   Horat.

Auf meinem Goldberg fand mich mancher
   Abend,
Den langen Sommertag in Fried und Ruh
   begrabend.

Auf meinem Goldberg finde mich ein Abend,
Den langen Lebenstag in Fried und Ruh begrabend.

Das Goldberghäuschen im Schweizer Stil auf einer Sepia-Zeichnung von Max Heyder, 1892 (c) Literaturportal Bayern

Hierhin zog sich der Dichter in der Folgezeit regelmäßig zurück, hier entstanden die über 8.000 Gedichte seines Alterswerks Liedertagebuch. Er veröffentlichte nur noch Weniges, zuletzt 1846 in Stuttgart „Hâmasa oder die ältesten arabischen Volkslieder“. Sein Alterswerk sammelte er im Zettelkasten des Arbeitszimmers. Alle Gedichte und Notizen sind Teil eines kontinuierlich geführten Liedertagebuchs:

Diese Sprüche sind der Welt nicht not,
Doch sie sind mein täglich Brot;
Wäre nicht dem Tag sein Spruch gegeben,
Möchte‘ ich diesen Tag nicht leben.

Das Liedertagebuch wird erst lange nach seinem Tod erscheinen: Hans Wollschläger und Rudolf Kreutner haben es 2001 erstmals in einer historisch-kritischen Ausgabe in zehn Bänden im Wallstein-Verlag herausgeben. Inhaltlich behandeln die Gedichte Rückerts Lebenswelt von Natur über Altern bis Familie, aber zunehmend schrieb er auch sozialkritische Gedichte (Der Arbeit Theilung bringt auf Erden immer weiter / Die Arbeit selber wohl, nicht aber den Arbeiter….) und gegen die fortschreitende Industrialisierung:

Eure Naturbezwingungskünste,
Die ihr den Hütten und Palästen,
Der lieben Menschheit gebt zum Besten -
Explosionen, Feuersbrünste
Sind ihr Gefolge, und giftige Dünste,
Die Gottes reine Luft verpesten.

Wollschläger schreibt im Liedertagebuch (S. 375 ff.): „Rückerts Alterswerk Liedertagebuch, vor anderthalb Jahrhunderten privat geführt, könnte, nach anderthalb Jahrhunderten erstmals als Ganzes veröffentlicht, nicht nur als das größte geschlossene Poesiewerk des Neunzehnten Jahrhunderts erkannt werden, sondern auch als ein Alterswerk exemplarischer Art. (…) Als Großkompendium objektiver menschlicher Weisheit tritt Rückerts späte Dichtung dem Hauptwerk, der Weisheit des Brahmanen, als ein zweites gleichrangiges an die Seite.“

Der Weg zum Goldberghäuschen führt über eine Allee mit Blick zu Schloss Callenberg über den Goldbergsee. (c) Literaturportal Bayern


Zur Station 3 von 3 Stationen


 

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Veronika Schöner

Kommentar schreiben