Info
Geb.: 30. 8.1926 in Münster
Gest.: 7. 5.1994 in Anterskofen-Reisbach (Lkr. Dingolfing-Landau)
Foto: Jürgen P. Wallmann © Dr. Anneliese Bieber-Wallmann

Hans Dieter Schwarze

Der Schauspieler, Theaterintendant, Regisseur und Schriftsteller Hans Dieter Schwarze wird als Sohn eines Kaufmanns im westfälischen Münster geboren, das er zeitlebens in seinem Herzen trägt und unzählige Male literarisch festhält – letztlich auch geprägt durch sein intensives gutes Verhältnis zur Schwester Gisela (1932-2015). Er besucht das dortige Ratsgymnasium und macht 1944 das „Kriegsabitur“. Bereits mit 16 Jahren ist er Flakhelfer, wird Soldat der Deutschen Wehrmacht und beginnt nach seiner russischen Kriegsgefangenschaft – schwerkrank entlassen –  seine angestrebte Theaterlaufbahn am Stadttheater Münster. Bald macht sich Hans Dieter Schwarze einen Namen als Dramaturg, Schauspieler und Regisseur für Hörfunk, Film und Fernsehen. 1957 und 1959 inszeniert er an den Münchner Kammerspielen.

1961 entsteht mit Willy Fritsch sein erster Kinofilm, ein Schlager-Lustspiel Was macht Papa denn in Italien?. 1966 spielt Hans Dieter Schwarze selbst die Hauptrolle im Spielfilm Alle Jahre wieder an der Seite von Sabine Sinjen (Regie: Ulrich Schamoni – Produktion: Peter Schamoni). Schwarze arbeitet von 1960 bis 1968 als Regisseur und Dramaturg bei der Bavaria Atelier GmbH in München. Er dreht Tatorte nach den Büchern von Hansjörg Martin sowie zahlreiche Episoden der BR-Vorabendserie Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger. In den 1970ern leitet er als Direktor das „Nürnberger Volkstheater“ (Schauspiel der Städtischen Bühnen in Nürnberg). Später arbeitet Schwarze als freiberuflicher Regisseur. Unvergessen bleibt seine Wallenstein-Inszenierung am 27. Juni 1986 auf der Naturbühne „Luisenburg“ im fränkischen Wunsiedel in Anwesenheit des Bayerischen Kultusministers Prof. Dr. Hans Maier. 17 weitere Aufführungen folgen.

Aber auch als Autor, der von Hans Werner Richter persönlich zu Treffen der Schriftstellervereinigung Gruppe 47 eingeladen wird, hat sich Hans Dieter Schwarze einen Namen gemacht. Er avanciert mit seinem literarischen Oeuvre zu einem Hoffnungsträger der neuen deutschen Literatur. Schwarzes frühe literarische Texte sind geprägt von den Themen Krieg, Tod und Vereinsamung. Sie erscheinen Ende der 1940er-/Anfang der 1950er-Jahre zunächst in Zeitungen und Zeitschriften, u.a. in Die Zeit. 1952 wird seine Gedichtsammlung Quersumme, 1954 Flügel aus Glas veröffentlicht. 1957 erscheint die abenteuerliche Lebensgeschichte des spätromantisch-naturalistischen Autors Peter Hille Heimweh nach den Weiten, über den Schwarze folgende „Variationen“ dichtet:  

Hille-Variationen

Indifferent bleiben.
Sich nicht ins Genaue treiben
lassen.
Aus Bechern und Tassen
das trinken
was sich ergibt.
Selten den Damen winken.
Achtsam vermeiden
speziell: was man liebt.
Und: über keinen Menschen entscheiden.

Es folgen 1980 Die Brandebusemanns. Eine Familie, die man mögen muss und 1981 der Roman Ludwig Leiserer. 1986 ediert Schwarze Kurz vorm Finale: Prosa und Verse aus vierzig Jahren. Autobiografisch ist Geh aus mein Herz. Erinnerungen an eine Jugend (1990). 1993 erscheinen die Manteltaschen-Notizen Fuß für Fuß. Realistisch offen geht Hans Dieter Schwarze in Rote Vogelschwärme. Aufzeichnungen aus meiner Krebszeit (1994) mit seiner Krankheit um.

Bereits 1973 hat er sich „nach Jahren der Selbstverleugnung“ nach Niederbayern auf den „Batzelhof“ (Anterskofen 3, Reisbach/Lkr. Dingolfing-Landau) zurückgezogen, wo er seine schriftstellerische Arbeit – Erzähl- und Lyrikbände, Theaterstücke, Kinderbücher, Krimis, Kurzgeschichten, Hörbücher sowie Aphorismen – intensiviert. Über 30 Bücher erscheinen so, zumeist im Münchner Schneekluth-Verlag.  Seinen Vorbildern Joachim Ringelnatz, Wilhelm Busch, Peter Hille und Annette von Droste-Hülshoff widmet Schwarze eigene Veröffentlichungen. Schwarzes Schreiben ist einerseits geprägt vom künstlerischen Anspruch, andererseits von einer nie überwundenen Distanz, auch der eigenen Person gegenüber (Walter Gödden).

Hans Dieter Schwarze nimmt vom 3. bis 8. Mai 1985 an den 1. Weidener Literaturtagen „1945 – Wie war das eigentlich?“ teil, wo er am 4. Mai bei einer Lesung im Kulturzentrum Hans Bauer auftritt. Hier in Weiden begegnet er auch seinem langjährigen Autorenfreund Max von der Grün, dessen erste Kurzgeschichten („Feierabend“, „Schichtwechsel“) er für den WDR verfilmt.

Verheiratet ist Hans Dieter Schwarze von 1949 bis 1962 mit der Rostocker Schriftstellerin Ingrid Bachér (Jg. 1930), der Urenkelin von Theodor Storm, in zweiter Ehe von 1963 bis zu seinem Tod 1994 mit der Berliner Schauspielerin, surrealistischen Künstlerin und Verlegerin Karin von Wangenheim (Jg. 1937), der Urenkelin des theatergeschichtlich bedeutsamen Herzogs Georg II. von Sachsen-Meiningen, genannt „der Theaterherzog“. Darüber hinaus ist er Mitglied des P.E.N.-Zentrums Deutschland.

Das filmische, dramaturgische und literarische Werk Schwarzes wird mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen gewürdigt: Bereits 1957 erhält er den Förderpreis für Literatur der Landeshauptstadt Düsseldorf, 1967 den Deutschen Filmpreis in Gold und 1973 das Silberne Blatt der Dramatiker Union. Aber auch Internationale Ehrungen (1960 in Paris und 1965 in Prag) sind zu erwähnen. 1991 erhält er den Kulturpreis des Landkreises Dingolfing-Landau. Dazu Hans Dieter Schwarze: „Es ist deshalb so wichtig, weil es die Anerkennung von jenen Menschen ist, unter denen ich lebe.“ 1993 folgt das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Auch die Stadt Münster würdigt im gleichen Jahr Hans Dieter Schwarze mit der Paulus-Plakette.

Hans Dieter Schwarze erliegt 1994 einem Krebsleiden in Anterskofen-Reisbach. Seine letzte Ruhestätte befindet sich im Friedhof von Reisbach-Unterkünzkofen. Den Nachlass hat das Westfälische Literaturarchiv mit rund 600 Dokumenten erschlossen. In Schwarzes Lebensmotiv „Verwandlung ist mein Beruf“ spiegelt sich die Vielfältigkeit seines Künstlerlebens – es steht zugleich für sein multimediales Werk.

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Ettl, Hubert (Hg.) (1997): Niederbayern. Reise-Lesebuch. edition lichtung, Viechtach, S. 59f.

Gödden, Walter (2013): Hans Dieter Schwarze Lesebuch. Nyland Stiftung, Ahlen.

Kulturamt der Stadt Weiden (Hg.) (1994): 10x Weidener Literaturtage: 1985-1994. Eine Dokumentation [Red.: Bernhard M. Baron u. Otmar Schwarzer]. Weiden i.d. OPf., S. 10.

Lettau, Reinhard (Hg.) (1967): Die Gruppe 47 – Bericht. Kritik. Polemik. Ein Handbuch. Neuwied und Berlin, S. 527-547.

Oberhauser, Fred; Kahrs, Axel (2008): Literarischer Führer Deutschland. Mit einem Vorwort von Günter de Bruyn. Frankfurt a. Main, S. 333.

Richter, Hans Werner (Hg.) (1962): Almanach der Gruppe 47: 1947-1962 (Rowohlt Paperback 14). Reinbek bei Hamburg, S. 462.

Schwarze, Hans Dieter. In: Munzinger Online/Personen - Internationales Biographisches Archiv, URL: http://www.munzinger.de/document/00000014436, (16.07.2018).


Externe Links:

Literatur von Hans Dieter Schwarze im BVB

Literatur über Hans Dieter Schwarze im BVB

Autoreneintrag im Lexikon der deutschen Krimi-Autoren

Autoreneintrag im Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren

LWL-Archivamtblog zum Nachlass von Hans Dieter Schwarze

Theaterstücke von Hans Dieter Schwarze im Wangenheim Verlag

Hans Dieter Schwarze in der Wikipedia

Kommentare

Thomas Dobler am 31.07.2018 um 12:10

Das ist ein interessanter Bericht über einen Künstler, der mir nicht bekannt war. Allerdings nahm er 1985 an den Weidner Literaturtagen teil, wie ich gelesen habe - und das wäre für mich gar nicht so weit gewesen.



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