Info
Geb.: 1. 8.1893 in Altenstadt a.d. Waldnaab
Gest.: 5. 1.1955 in Amberg
Anton Wurzer am 24. Mai 1953 beim Besuch des Pleysteiner Heimatfestes © privat

Anton Wurzer

Der Lehrer, Mundart- und Heimatdichter Anton Wurzer (1893-1955) hat während der NS-Zeit zahlreiche Funktionärstätigkeiten inne, darunter als Kreiskulturstellenleiter Vohenstrauß. Er publiziert Lyrik, Erzählungen und Novellen, einige von ihnen lassen sich der NS-Heimatliteratur zuordnen. 

Werdegang

Zwar in Altenstadt a.d. Waldnaab als Sohn eines Eisenbahn-Beamten geboren, kommt Anton Wurzer bereits mit zwei Jahren in das benachbarte Weiden: „Die alten Giebel, Gassen, Mauern und Schanzen der damals noch sehr beschaulichen Stadt Weiden i.d. Opf. umranken meine Kindheit [...], wo mein Vater, einem Bürgerhause entstammend, als kleiner Beamter lebte und starb. [...] Hart ist der Dienst am gefahrenumwitternden Rande unseres Volkes, doch er muß getan werden…“

In Weiden besucht Anton Wurzer die Volksschule und die Präparandenschule. 1909 legt er in Amberg die erste Lehramtsprüfung ab. 1912 kehrt er in die „Max-Reger-Stadt“ Weiden zurück und zieht als Freiwilliger eines bayerischen Feldartillerie-Regiments 1914 in den Ersten Weltkrieg. Er dient als Offizier in Flandern, vor Arras und Verdun, in Rumänien, am Schwarzen Meer und in Bessarabien. Schwer verwundet kehrt Anton Wurzer in seine Oberpfälzer Heimat zurück. 1919 wird Wurzer Lehrer in der „Rosenquarzstadt“ Pleystein/Lkr. Neustadt a.d. Waldnaab, wo er die nächsten Jahre bleiben soll.

Der Nationalsozialismus kommt, Anton Wurzer wird NSDAP-Mitglied, tritt als Redner auf und nimmt an den Treffen des Bamberger Dichterkreises (1936-1943) teil, wo er sich eher im Hintergrund hält. Die nationalsozialistische Blut-und-Boden-Mystik kann er nicht verhehlen. 1939 schreibt er: „Soweit ich dem Blutstrom meiner Ahnen folgen kann, bin ich Ostmärker und in allem dem geheimnisvollen Waldgebirge an der bayerisch-böhmischen Grenze versponnen [...] Es ist schwer wie diese Erde, einsam wie ihr Himmel und im Worte karg gleich dem Menschenschlag, der hier haust [...] und in den entlegenen Dörfern die Grenze entlang sein Tägliches tut und um die deutsche Scholle, deutsches Blut und Wort einen verbissenen Kampf führt.“

Während der NS-Zeit hat Wurzer zahlreiche Funktionärstätigkeiten inne, darunter als Kreiskulturstellenleiter Vohenstrauß (1935-1938). 1939 siedelt Anton Wurzer nach Amberg über. Die Jahre 1945 bis 1948 verbringt Wurzer in US-Internierungslagern Hersbruck, Plattling, Nürnberg und Regensburg. Von der Lagerspruchkammer wird er in Regensburg nach einem Berufungsverfahren als Mitläufer eingestuft. Am 5. Januar 1955 verstirbt Anton Wurzer auf dem Weg zu einer Dichterlesung nach Beilngries im Bahnhof Amberg. Seit Allerheiligen 1980 befindet sich sein Ehrengrab auf dem Friedhof nahe der historischen alten Pfarrkirche in Altenstadt a.d. Waldnaab.

Wichtige Werke (Auswahl)

Ein erster Versband Zwischen Steinen und Sternen (Weimar) erscheint 1932. Es folgt der Novellenband Im Dornbusch des Lebens und der Lyrikband Herz der Heimat. Anton Wurzer bezeichnet Hermann Hesse selbst als seinen „Dichtervater“, der ihm aus der Schweiz schreibt: „Die Melodie Ihrer Verse und die Gesinnung des Herzens, aus der sie kommen, sind so schön und haben mir so viel Freude gemacht, daß ich wenigstens mit diesen Zeilen danken möchte.“ Die Lyrik Wurzers kommt ohne die in der NS-Zeit obligatorischen Lob- und Preisgedichte an Führer, Volk und Vaterland aus. So ist die öffentliche Beachtung seiner Gedichte auch eher gering. Zur Zeit des Nationalsozialismus veröffentlicht Wurzer in Zeitungen und Zeitschriften sowie in Anthologien der NS-Heimatliteratur.

1940 erscheint Gottes Orgel durch den Wald (in: Das Gedicht, 6. Jg., 9. Folge, Hamburg). 1952 erscheint sein wohl bekanntestes Werk, der kurzweilige und ergötzliche Steinpfälzer Schelmenspiegel in 48 Kurzgeschichten und sechs Mundartgedichten mit Holzschnitten von Michael Matthias Prechtl (4. Aufl. 1998). Eine empfindsame Max-Reger-Hommage ist seine Erzählung Die unterbrochene Nachtfahrt (in: Die Oberpfalz, H. 2/Februar 1953 und H. 3/März 1953). Es erscheinen noch die Amberger Mär (o.J.) und, dem alten Amberger Pfalzgrafenschloss gewidmet, Spuk im alten Schlößl.

Stil / Rezeption

Straßenbenennungen in verschiedenen Orten der Oberpfalz erinnern an den versierten Heimatschriftsteller und Mundartdichter. Eine Gedenktafel befindet sich seit 2003 an Wurzers Geburtshaus in Altenstadt a.d. Waldnaab. Der dortige Heimatverein bemüht sich um das literarische Erbe. Der Nachlass Anton Wurzers befindet sich im 1967 begründeten Stadtmuseum Pleystein.

Preise & Auszeichnungen

Die Stadt Pleystein verleiht ihm 1939 – für seine Verdienste um den Fremdenverkehr und den Entwurf des Kriegerdenkmals – das Ehrenbürgerrecht. 1953 verleiht ihm die Stadt Weiden die Max-Reger-Medaille.

Mitgliedschaften

1952 wird der in Amberg wohnende Oberlehrer und Heimatdichter in den dortigen humoristischen Männerbund Schlaraffia („des Reyches Am Eysenhammer“) als „Ritter Bardenbaß van der Weyden“ mit 23 Gleichgesinnten aufgenommen. Der Ritter – sein Name basiert auf seiner Freude zu Gesang und Spiel mit dem Kontrabass – übernimmt auch das Amt des Hofmalers sowie Wappen- und Adelsmarschalls.

Verfasst von: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Dörner, Dieter (2019): Anton Wurzer alias „Ritter Bardenbaß“. In: Oberpfälzer Wochenzeitung (OWZ), Weiden i.d. OPf., Amberg, 10./11. August.

Müller, Karlheinz (1980): Vor 25 Jahren starb Anton Wurzer. In: Die Oberpfalz, Nr. 68, Kallmünz, S. 15.

Neubauer, Hermann (1958): Begegnungen mit einem Dichter. In: Die Oberpfalz, Nr. 46, Kallmünz, S. 6-8.

Romeis, Jutta (1985): Anton Wurzer. In: Der Bamberger Dichterkreis 1936-1943. Ausstellungskatalog der Staatsbibliothek Bamberg. Hg. von Wulf Segebrecht. Bamberg, S. 225-229.

Rothballer, Marc (2022): Keine Amberger Mär oder Der Dichter Anton Wurzer im Nationalsozialismus. In: Täter, Helfer, Trittbrettfahrer. NS-Belastete aus der Oberpfalz (THT Bd. 14), hg. von Wolfgang Proske, Kugelberg-Verlag. Verlag für historische Sozialforschung, Gerstetten/Baden-Württemberg, S. 335-342.

„wh“ (1993): Gedenken an Anton Wurzer und Georg Hartwich. Fremdenverkehrsverein gestaltet Abend mit Dichtung, Gesang, Musik. Fremdenverkehr viel gegeben. In: Oberpfälzer Nachrichten, Weiden, 15. April 1993, S. 30.

Winkler, Karl (1940): Literaturgeschichte des oberpfälzisch-egerländischen Stammes. Bd. 1. Kallmünz, S. 348-350.


Externe Links:

Literatur von Anton Wurzer im BVB

Literatur über Anton Wurzer im BVB

Anton Wurzer in der Wikipedia