Info
Geb.: 13. 5.1985 in München
© HMH
Namensvarianten: Lisa Jay Jeschke

LJ Jeschke

LJ Jeschke, geboren 1985 in München, schreibt Gedichte, macht Performances, lektoriert und übersetzt aus dem Englischen. Jeschkes Texte sind eine Kampfansage an alles, was gesellschaftlich und politisch eindeutig scheint und sprengen laut und lustvoll jegliche lyrische Formvorgaben.

Werdegang

LJ Jeschke studiert in Cambridge, Berlin und München Anglistik, Theaterwissenschaft und Literarisches Übersetzen und schließt 2017 in Cambridge eine Promotion zum Thema Theatricality and J.H. Prynne’s Work ab. Während der Promotion arbeitet Jeschke intensiv mit Lucy Beynon an Performance-Arbeiten und beginnt zugleich ernsthafter Gedichte zu schreiben. Zu dieser Zeit tritt Jeschke häufig im Kontext des Judith E. Wilson Drama Studios in Cambridge auf und ist Teil der losen Lyrik-Gruppierung um J.H. Prynne, die in der Nachfolge des British Poetry Revivals arbeitet. 2016 kehrt LJ Jeschke von Großbritannien nach München zurück, findet schnell Anschluss an die unabhängige Lyrik-Szene der Stadt und veröffentlicht in der Lyrik-Reihe hochroth München, die von Tristan Marquardt, Tim Holland und Hannes Munzinger herausgegebenen wird. Mit Lyrik- und Performancearbeiten tritt LJ Jeschke vielfach in München, deutschlandweit und international auf. Neben LJ Jeschkes Tätigkeiten als freie*r Lyriker*in, Übersetzer*in und Lektor*in arbeitet they seit 2020 als wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in im Lyrik Kabinett in München.

Wichtige Werke (Auswahl)

2018 erscheint der Gedichtband The Anthology of Poems by Drunk Women als Chapbook im damaligen kollaborativen Eigenverlag Materials; die erweiterte, von LJ Jeschke selbst ins Deutsche übersetzte Fassung Die Anthologie der Gedichte betrunkener Frauen wird 2019 bei hochroth München veröffentlicht. Nach erneuten englischsprachigen Chapbook-Veröffentlichungen erscheint 2026 eine erweiterte deutschsprachige Sammlung bei hochroth: 1e*r schreibt sich in den Abgrund. Jeschke schreibt auf Englisch und Deutsch, wobei in späteren Jahren die Erstsprache der Texte zunehmend das Deutsche ist.

Im Bereich Performance arbeitet LJ Jeschke seit 2008 mit Lucy Beynon zusammen und kreiert unter anderem die Tory Trilogy (2013–2018). 2020 entwickeln LJ Jeschke, Theresa Seraphin und Marie-Kristin Burger die Audio-Performance Erika & Therese GAY AGAIN (Monacensia München), 2026 entsteht die queere Lyrikperformance feast machine (Pathos Theater München) von LJ Jeschke und Jan Geiger.

Jeschke übersetzt und co-übersetzt regelmäßig Sachtexte, Lyrik und Belletristik, insbesondere in den Bereichen Theorie und Kunst.

Stil / Rezeption

Immer wieder rekurrieren Rezensionen auf das „Schrille, Springende“ (Kristian Kühn, Signaturen) in LJ Jeschkes Gedichtbänden: Hier bietet die (Miss-)Achtung der lyrischen Form die Möglichkeit, eben jene durch den sprachlichen Schredder zu jagen. Die „Vielfalt der Schrifttypen“ (Maren Jäger, Deutschlandfunk) spiegelt das Atemlose, Performative der Texte wider. Tatsächlich ist es Jeschke ein Anliegen, die Hierarchie zwischen Schreiben und Vortrag aufzubrechen, wie they im Interview mit dem MON Mag verrät.

LJ Jeschke schreibe mit einem „Furor, der auch andere Gewissheiten hinwegfegt“, urteilt Antje Weber in der Süddeutschen Zeitung über Die Anthologie der Gedichte betrunkener Frauen. Gender, Identität, Arbeit, Freizeit und Neoliberalismus zählen zu den gesellschaftlichen und politischen Themen, die auf den Prüfstand kommen. Diesen werden wiederkehrende Motive wie „Roboter*innen, Tierkörperteile, Arschlöcher“ (Kerstin Stakemeier, Berlin Review) zugeordnet.

Überhaupt sind Jeschkes Gedichte reich an innertextuellen und intertextuellen Bezügen. Das Hinterfragen lyrischer Formvorgaben und das Hinterfragen der Sprachen, die für Gedichte zur Verfügung stehen, greifen hier gekonnt ineinander. So entsteht eine „Lyrik, die zwischen Bühne und gesprochenem Wort, also spoken word, genauso changiert wie zwischen Englisch und Deutsch und zwischen Wissenschaft und dem Poetischen“ (Christian Metz, Deutschlandfunk, über 1e*r schreibt sich in den Abgrund).

Preise & Auszeichnungen

2020 wird Die Anthologie der Gedichte betrunkener Frauen in die Lyrik-Empfehlungen aufgenommen. Im selben Jahr erhält Jeschke für den Band den Bayerischen Kunstförderpreis der Sparte Literatur, den they mit Lisa Frühbeis teilt. 2022/2023 ist Jeschke Forschungsstipendiatin des Instituts für moderne Kunst in Nürnberg. 2023 wird Jeschkes Übersetzung von Shola von Reinholds Roman LOTE im Rahmen des Förderprogramms „extensiv initiativ“ des Deutschen Übersetzerfonds gefördert.

Tätigkeiten im literarischen Betrieb

Von 2012 bis 2016 leitet Jeschke gemeinsam mit dem Lyriker David Grundy die gemeinsam gegründete Chapbook- und Lesereihe Materials in Cambridge. Von 2016 bis 2024 leitet they den deutschsprachigen Ableger Materialien (München).  Beide Projekte lassen sich im small press-Publishing kleiner Lyrikbroschüren und -hefte verorten.

2025 kuratieren LJ Jeschke und Chris Reitz für das Lyrik Kabinett gemeinsam die Münchner Schiene des Literaturfests München, den Festivalteil für die Freie Szene der Stadt.

Seit 2025 ist LJ Jeschke Teil der lyrix-Monatsjury.

Verfasst von: Bayerische Staatsbibliothek / Sophia Lindsey


Externe Links:

Literatur von LJ Jeschke im BVB