Karl Valentin – Der Kampf mit der Sprache: Sichverhören

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"The Sensational Stammering Song Success Sung by the Soldiers and Sailors". Werbeankündigung des populären Lieds "K-K-K-Katy" von Geoffrey O'Hara während des Ersten Weltkriegs, 1917.

Eine andere sprachliche Fehlleistung bei Karl Valentin ist das Sichverhören. In dem Stück Tingeltangel wird die Überlagerung von Redeabsicht und unbewusstem Wunsch, etwas Unangenehmes nicht hören zu wollen, offengelegt, wenn der Kapellmeister dem eher arbeitsscheuen Musiker mitteilt, er habe am Anfang des Musikstücks „acht Takt Pause“, während dieser nur „Acht Tag??“ versteht. Auch kann das Sichverhören einen unterschwelligen (längeren) Spannungszustand enthüllen, der dann eintritt, wenn der Redepartner die Worte seines Gegenübers sofort bewusst zur Fehlinterpretation umdeutet: „Ja, schau Roserl“, so der Schreinermeister zu seiner Frau, was diese als „Sauroserl“ sogleich missversteht (In der Schreinerwerkstätte). Oftmals führt es zu erheblichen kommunikativen Missverständnissen mit ungeahnten Folgen: In dem Stück An Bord (1930) versucht der Dicke der Kellnerin Resi beizubringen, dass die Sanitäter sofort kommen und einen Verletzten holen sollen – ohne Erfolg allerdings:

Resi: „Also Sie brauchen ihn erst am Letzten holen.“
Dicker: „Nein, einen Verwundeten sollen sie holen...“
Resi: „Sie, bittschön einen Verwunderten.“
Der andere bessere Herr: „Verwundeten – deten, deten, deten...!“
Resi: „Ja, den solln S‘ dann deten – der hat’s gsagt“ (S. 381)


Verfasser: Dr. Peter Czoik / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Karl Valentin: Gesammelte Werke. München 1961.

Schwimmer, Helmut (1977): Karl Valentin. Eine Analyse seines Werkes mit einem Curriculum und Modellen für den Deutschunterricht (Analysen zur deutschen Sprache und Literatur). R. Oldenbourg Verlag, München, S. 32f.



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