Dr. Lorenz Matthäi

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Karl Klimsch: Ludwig Thoma, 1909.

Vorbild für Dr. Lorenz Matthäi ist Ludwig Thoma. Feuchtwanger machte aus seiner Abneigung gegen den Schriftsteller keinen Hehl. Er bezeichnet ihn als „gierigen Köter“ und erwähnt sein „bösartiges Mopsgesicht“. Eine Beleidigungsklage war nicht zu befürchten, da Ludwig Thoma beim Erscheinen des Romans schon einige Jahre tot war.

Jemand knurrte ihm einen Gruß entgegen, blieb stehen, sprach ihn an. Ein breiter Mann in graugrüner Joppe, kleine Augen in dem runden Schädel, der Dr. Matthäi, der Schriftsteller, den seine Darstellungen oberbayrischen Lebens weithin bekannt gemacht hatten.

(Lion Feuchtwanger: Erfolg, a.a.O., S. 35)

1937 schrieb Lion Feuchtwanger in seinem Aufsatz Der Abgrund, der in der Zeitschrift Das Wort erschien, über „drei Darsteller zeitgenössischer oberbayrischer Menschen“: Ludwig Thoma, Ludwig Ganghofer und Oskar Maria Graf. Ganghofer sei es gelungen, mit seiner „geschickten, reißerischen Technik“ über die „Rührseligkeit und Verlogenheit seiner Romanhelden“ hinwegzutäuschen.

Ludwig Thoma seinesteils wirkte gerade auf dem Hintergrund des Ganghoferschen Zuckerbackwerks wie die schiere, reine Natur. Es bedurfte der Bücher Oskar Maria Grafs, um die Verlogenheit der Thomaschen Welt aufzudecken. Vor Grafs Treue in der Wiedergabe des wirklichen Oberbayern, vor der brutalen Sachlichkeit seiner Geschehnisse, seiner Menschen und vor allem seiner Sprache wirkt nun wieder Thomas Welt als verlogenes Theater, süßlich und arrangiert. Bei Oskar Maria Graf ist alles so erschreckend echt, dass er sich zu Thoma verhält wie Thoma zu Ganghofer.

(Lion Feuchtwanger: Centum Opuscula, a.a.O., S. 531ff.)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Gunna Wendt

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