Schriftstellerische Anfänge in München

Nachdem sich Lion Feuchtwanger gegen eine Universitätslaufbahn entschieden hatte, begann er seine schriftstellerische Tätigkeit als Journalist und Kritiker und wandte sich bald der Literatur – Prosa und Dramen – zu. Im Jahr 1935 gibt er unter dem Titel Der Autor über sich selbst Auskunft über diese Arbeit:  

Der Schriftsteller L. F. konnte in der Stunde bis zu 7 Seiten Schreibmaschine schreiben, bis zu 30 Zeilen schriftstellern und bis zu 4 Zeilen dichten. Während der Stunde Dichtens nahm er um 325 Gramm ab.

(Lion Feuchtwanger: Centum Opuscula, a.a.O., S. 377)

Im Text Wie ich meine erste Dichtung schrieb, erschienen am 20. April 1928 in der Zeitschrift Die literarische Welt, schildert Lion Feuchtwanger ein Schlüsselerlebnis:

Früh in fremden Sprachen zu Haus, geübt in Verkleidungen des Geistes, hatte ich mir sehr jung eine formale Meisterschaft angeeignet, die das Erstaunen meiner Lehrer und meiner Altersgenossen war. Ich war etwa zwölf Jahre alt, als ein älterer Junge, der für sprechfaul, dumm, schwer zugänglich galt, mir neidisch sagte, die Dinge, die ich da machte, seien Dreck. Ein ungehobelter Satz über das winzigste wirkliche Erlebnis, die Verulkung eines Lehrers, eine bessere oder schlechtere Zeit beim Schwimmen habe mehr Sinn als meine ganzen schönen deutschen und lateinischen Verse. Wir waren in der Badeanstalt, es war früh im Jahr, ich war blau vor Kälte und wusste, noch ehe er zu Ende war, dass er recht hatte.

(Ebda., S. 382)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Gunna Wendt

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