Erfolg

In seinem Aufsatz Was bedeutet der Weltkrieg dem deutschen Romancier?, der am 10. Mai 1931 in der Neuen Freien Presse, Wien, erschienen ist, nennt Lion Feuchtwanger die Intention seines 1930 erschienenen Romans Erfolg:

Als moderner deutscher Romanschriftsteller habe ich an einem Helden oder einer Heldin kein Interesse. Ich wählte für diesen Roman Gruppen von Charakteren und nicht Einzelindividuen. Acht der eine Gruppe bildenden Personen stehen, wenn man will, ein wenig höher als die anderen, ihnen folgen dreißig Gestalten, die ihnen an Wichtigkeit fast gleichkommen, und nach diesen weitere hundert, die unbedeutend sind, jedoch dem Werk jene Lebensfülle verleihen, die ich suche. Unter diesen – den acht, den dreißig und den hundert – rangiert die große Masse, das bayrische Volk. Das Land Bayern ist der eigentliche Held meines Romanes. 

(Lion Feuchtwanger: Centum Opuscula, a.a.O., S. 397)

In seinem Roman Erfolg widmet sich Lion Feuchtwanger Drei Jahren Geschichte einer Provinz, wie es im Untertitel des Buches heißt. Sein Blick richtet sich auf seine Geburtsstadt München in den Jahren 1921-1923. Es ist die Zeit des Aufstiegs von Adolf Hitler, der im Roman als Maler Rupert Kutzner erscheint.

Der Mann mit den blassen Lippen, den pomadigen Haaren und dem kleinen Schnurrbart betritt am 8. November den vollgesetzten Bürgerbräukeller, in dem Franz Flaucher – so das Alter Ego des Regierungspräsidenten von Oberbayern Ritter Gustav von Kahr – gerade eine Rede hält.

Den bestürzten, erbitterten Flaucher leicht beiseit schob Rupert Kutzner. Dem totenstillen Saal mit schmetternder Stimme verkündet er: „Die nationale Revolution ist ausgebrochen. Der Saal ist von sechshundert Schwerbewaffneten umzingelt. Reichswehr und Landespolizei unter unsern Fahnen sind im Anmarsch. Die bayrische Regierung und die Reichsregierung sind abgesetzt. Eine provisorische Reichsregierung unter meiner Leitung wird gebildet. Der Morgen findet entweder eine deutsche nationale Regierung oder mich tot.“

(Lion Feuchtwanger: Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz. Aufbau Verlag, Berlin 2013, S. 774)

Der Roman Erfolg gibt das tatsächliche Geschehen genau wieder, hält sich an die historischen Fakten, die zeitgeschichtlichen Personen sind allerdings verfremdet, darunter Karl Valentin (der Komiker Balthasar Hierl), Bertolt Brecht (Ingenieur Kaspar Pröckl), Ludwig Thoma (Schriftsteller Dr. Lorenz Matthäi), Adolf Hitler (Maler Rupert Kutzner). Marta Feuchtwanger ist Vorbild für Johanna Krain, sein eigenes Alter Ego nennt Feuchtwanger Jacques Tüverlin.


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Gunna Wendt

Sekundärliteratur:

Stephan, Michael: Feuchtwanger, Lion: Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz, 1930. In: Historisches Lexikon Bayerns, URL: http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44374, (16.07.2013).



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