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25.10.2018, 16:29 Uhr
Harald Beck
Text & Debatte

Über den richtigen Gebrauch des 'Watschenbaums'

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1950er-Jahre: Ein Watschenmann am Wiener Wurstelprater

„Wer dauerhaft hier leben will, soll motiviert werden, im täglichen Leben deutsch zu sprechen“, wünscht sich eine Partei, die nur noch ein Drittel der Wähler in Bayern vertritt. Das Süddeutsche aber hat seine Tücken für die Zuagroastn, also die Neuhinzugekommenen. Dies sei am Beispiel des Wortes Watschenbaum verdeutlicht. So könnte ein enttäuschter Migrant oder Saupreiß leicht auf den Gedanken kommen zu sagen: Nochmal mache ich einen Watschenbaum nicht!

Im Folgenden werden deshalb aus gegebenem Anlass einige Beispiele für den richtigen Gebrauch des Watschenbaums aufgeführt:

So lesen wir in einem humoristisch-satirischen Journal des Jahres 1859:

„I sag dir's, wann du net aufhörst der Resi nachzuschleichen, so kriagst von mein Watschenbaum a paar Birn, daß du mit an blauen Abdruck davon, in der Visage, drei Monat umahatschen kannst – da schaut's den an!“

1867 heißt es in einem Witzblatt:

Der Assekuranzbeamte L. und der Kaufmann G. haben sich im Stadtparke geohrfeigt. Es blüht also jetzt im Mai dort neben dem Flieder auch der „Watschenbaum.“

1876 wird in einer Wiener Volksschrift „das schöne alte Lied“ gesungen:

O Watschenbaum! o Watschenbaum!
Wie grün sind Deine Blätter,
Wenn Einer also stürmt und schreit,
Da ist’s grad die rechte Zeit
Zu einem Donnerwetter.

Seit Längerem aber fällt der Watschenbaum meist nur noch um. Georg Queri erläutert das schon 1917 in seinem ausgerechnet in Berlin erschienenen Büchlein Der bayerische Watschenbaum recht ausführlich:

Was aber Watschenbaum heißt, das wissen die wenigsten Leut'. Da muß man sich schon gut umgesehen haben in der Welt: bis Sankt Barthlmä, bis Chieming, bis Rottach und bis in die Scharnitz muß man gekommen sein, dann kann man reden über Land und Leut'.

Dann kann man auftrumpfen: der Watschenbaum, das ist kein Baum, er tut nur so. Der Watschenbaum ist ein fester Arm, und was fünffingerig dranhängt, daraus macht man die Watschen.

Wenn der Arm, quasi Baum, umfällt, dann ist eine Watschen reif geworden und muß weg.

Und was g'scheidte Leut' sind, die gehen da nicht hin, wo die Watschenbäum' umfallen.

Oder sie stehn ein bissel weiter weg, schauen zu, nichts anderes, schätzen den Mann ein, der haut, messen die Watschen und taxieren den, der sie abnehmen muß. Es ist ja weiter nix dabei – is halt ein Watschenbaum umgefallen.

Is er halt umg'fallen!

Jetzt (alle miteinander laut mitsagen): Der – Watschenbaum – ist – umgefallen.

Man macht also niemandem den Watschenbaum, sondern allenfalls den Watschenmann, aber das ist etwas ganz anderes, wie uns die Wikipedia verklamüsert:

Eine solche Figur hatte meist einen großen ballonartigen, mit Leder überzogenen Kopf. Man versetzte ihr eine Watsche (Ohrfeige), wobei sie einen charakteristischen brummenden und klappernden Laut ausstieß. Die Stärke des Schlages wurde mit einem Zeigerinstrument oberhalb des Kopfes gemessen. Sie galt als „etwas für Kraftmeier/Angeber oder für jedermann zum Abreagieren“.

Und weiter:

Das Wort Watschenmann ging im Sinne von Prügelknabe in die Umgangssprache ein. Eine dieser Wendungen ist, „sich nicht zum Watschenmann machen lassen“.

Aber freilich einem echten Bayern – womöglich gar mit ballonartigem Kopf – muss man das nicht erklären.


Externe Links:

Der Bayrische Watschenbaum bei gutenberg.spiegel.de


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