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23.06.2016, 10:00 Uhr
Harald Beck
Text & Debatte

Elise Beck: Der Niederbayer in seinen Sprüchen und Redensarten II

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Trachten aus Niederbayern: "Der Bauer hat unter dem Hute die unentbehrliche Zipfelmütze und in der Hand den hagebuchenen Stecken". Aus: Franz Joseph Bronner: Bayerisch' Land und Volk (diesseits des Rheins) in Wort und Bild), Holzschnitt 1903 (Bayerische Staatsbibliothek/Porträtsammlung)

Die niederbayrische Dialektdichterin Elise Beck veröffentlichte 1902 in der Zeitschrift Das Bayerland einen dreiteiligen Beitrag mit dem Titel „Der Niederbayer in seinen Sprüchen und Redensarten“. Die Münchner Presse kommentierte die Abhandlung anlässlich einer Veranstaltung im Bayerischen Verein für Volkskunst und Volkskunde im April 1905:

„Die Dialektdichterin Frau Elise Beck hielt über das Thema ‚Der Niederbayer in seinen Sprüchen und Redensarten‘ einen Vortrag, der kulturgeschichtlich und psychologisch viel Anziehendes bot im Rahmen eines Charakterbildes der niederbayerischen Bevölkerung nach ihren Sprüchen und Redensarten. Wenn man bei diesem auch manchem begegnet, was Gemeingut der süddeutschen Stämme ist, so hob doch eine Reihe völlig ursprünglicher Redensarten die Besonderheit des niederbayerischen Schlages plastisch heraus, umso mehr als es die Rednerin verstand, nicht allein mit wahrem, echten Humor ihre Ausführungen zu würzen, sondern diese auch wirklich meisterhaft zu einem geschlossenen Bilde der Sitten, Lebensart und Gebräche der Niederbayern zusammenzufügen.“

Über hundert Jahre nach seiner Veröffentlichung ist Becks Aufsatz ein Dokument einer nahezu verschwundenen Kultur, deren Sprache und dörflicher Lebensraum hier wieder ans Licht kommen. Wir bringen ihn in den folgenden Wochen in drei Teilen. Anmerkungen finden sich am Schluss des Textes. Herrn Professor Dr. Ludwig Zehetner (UniversitätRegensburg) sei an dieser Stelle für seine Unterstützung gedankt.

 

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Der Niederbayer in seinen Sprüchen und Redensarten (Zweiter Teil)

Eine junge, verheiratete Bäuerin, die sich in ihrem Manne getäuscht sieht und Fehler an ihm entdeckte, die ihr unausstehlich sind, die klagt ihrer Mutter: „O Muatta! Mir is mei‘ Mo‘ scho‘ so zwida, wia a kolte Erdäpfelsuppen“.

Während in einer glücklichen Ehe „er ihr aus da Hand frißt“.

Mancher heiratet nur „um dö oig’n Bänk“, d.h. um Haus, Niedersitz und Feld mehr als um ein Weib. Kommen in einer jungen Ehe öfters Streitigkeiten vor, so wirkt das weder auf die Eltern des Paares noch auf die Umgebung beängstigend, denn „dö müss’n sö halt erst z’sammaraffa wia dö Taub’n, dös gibt spöta dö best‘ Eh‘!“

Ein junger Ehemann klagte einst seinem Freunde: „As is halt dengerscht net wia voneh‘, ma‘ ko‘ halt nimma aso aus, wia ma will!“ „Ja mei‘,“ tröstet ihn dieser, „muaßt’s halt erst g’wöhna, schau, ‘s Roß kummt aa net mit’m Kummat af d’Welt.“

Kleine Differenzen kommen selbst in der glücklichsten Ehe vor, „gibt‘s do selt’n a Kapell’n, wo net ‘s Joahr oamal a Meß g’les’n wird“, und „d’Liab muaß zum Zanka hab’n (zu zanken haben).

Aber „a Haus in dem a guat’s Wei‘ is, geht net unta!“

Der Leibspruch einer sparsamen Niederbayerin ist: „Um a Feda soll ma sö d’Kniascheib’n ausfall’n“. Nämlich die Gänse verlieren im Frühjahr auffallend viele Federn, und jedes häusliche Weib geht nach, liest sie auf und sammelt so manches Säckchen voll, die sonst der Wind verwehen würde, daher obiger Spruch.

Auch: „Ma‘ soll koa trüab’s Wasser weggaschütt’n, bevor ma a saubas hat“, stellt der fürsorglichen Bäuerin ein gutes Zeugnis aus, ebenso wenn sie sagt: „Mit dem Alt’n ko ma‘ ‘s Neue dahalt’n“.

Eheleute, die sich gut verstehen, recht zusammen hausen und sparen, „dö halt’n z’samma wia zwirnt“. Gezwirntes Gewebe hält, wia man weiß, sehr fest.

Die zweitgrößte Sorge ist einem guten Bauern stets das Vieh. Denn gleich nach dessen erster Sorge für und um seine Familie kennt er nichts Wichtigeres als sein Vieh, so daß man von solch einem sagt: „Oa Ludl [14] da Baua, dö anda Ludl da Bock“.

Es gibt Hühner, die sich auf einmal in ihrem gewohnten Neste nicht mehr wohl fühlen und sich irgendwo, oft weit entfernt von dem dazugehörigen Hofe, ein Nest machen und dorthinein ihre Eier legen, manchesmal 14 Tage, 4 Wochen lang, so daß man befürchtet, sie hätten zu legen aufgehört, denn meist nur zufällig findet man so ein Nest auf, aber sie bleiben dann wieder daheim und legen im alten Nest fleißig weiter, nachdem sie solange Zeit ihre Eier verlegt haben. Daher stammt der Spruch, den eine sonst sehr kluge Bäuerin, wenn sie einmal eine Dummheit begeht, hören kann: „As valegt oft dö g’scheidast Henn‘ ihre Oar“.

Manche Hühner bleiben in keinem bestimmten Neste, sondern wechseln häufig, schon zum einmaligen Legen gleich drei- bis viermal den Platz; so, wenn man eine beobachtet, meint man z.B. jetzt bleibt sie in dem selbstgegrabenen Neste sitzen und legt; nein, sie sitzt vielleicht drei Minuten, steht auf, kratzt wenige Schritte davon entfernt eine neue Vertiefung in die Erde, setzt sich da nieder – und so wiederholt sich das, wie gesagt, drei- bis viermal; von diesen Hühnern und sehr unschlüssigen Leuten sagt man dann: „Heint woaß s‘ wieda net, wo’s ihrane Oar hileg’n soll“.

Ein mürrisches Weib beantwortet eine wiederholte Frage gewöhnlich mit „Af da Mühl sagt ma’s zwoamol!“ Diese läßt man am besten allein, denn „die gunt oam’s Maul net“, d.h. ihr ist jedes Wort zu schade, das sie zu einem spricht.

Kommt einmal ausnahmsweise eine Unbemittelte auf einen großen Bauernhof zu sitzen durch Heirat, und sie gibt sich aufgeblasen und hochmütig, so zeigt sie, daß sie dumm ist, und man sagt: „‘s is hat a Schützling von St. Leonhardt“.

Der heilige Leonhardt ist nicht nur der Schutzpatron fürs Vieh, sondern auch die Dummen sind seinem Schutze unterstellt.

Ein anderer Spruch sagt: „An jedem is eppas Guat’s b’schaffa, oba nachgeh‘ muaß ma eahm“.

Läßt sich einer beim Einkauf leicht übervorteilen, so kann der Verkäufer lachen, denn, „wenn ma‘ an Es’l am Mark‘ schickt, lös’n d‘ Krama a Geld“, oder „der kaft da Katz d‘ Schmer ob“. (Schmer = Speck.)

Bei aller Sparsamkeit liebt es die Niederbayerin, bei festlichen Gelegenheiten schönes und gutes Geschmeide zu tragen, und eine Großbäuerin hat gar manchesmal ein kleines Vermögen an Geschnür, Halsketten, Brochen und Tuchnadeln an sich, nicht zuletzt des silbergefaßten Rosenkranzes und des silberbeschlagenen Gebetbuches beim Kirchgang zu erwähnen.

Es kommt nie vor, daß solch eine reiche Bäuerin ein falsches Schmuckstück an sich hat, da ist alles solid, gediegen. Will aber eine Kleinbäuerin, eine sogenannte Güatlerin, eine, die nur eine kleine Ökonomie besitzt, ebenso geputzt dahergehen, da „happert’s“ natürlich, und der scharfe Spott fällt rasch über diese her, wozu sich nach dem Festgottesdienst, da alle Besucher desselben vor und in der Nähe der Kirche noch einige Zeit in Gruppen beisammen stehen, um teils die Bekannten besser sehen und begrüßen zu können, aber auch um diesem und jenem „a Klamperl“ [15] anzuhängen, wenn auch nur im Scherz, die beste Gelegenheit bietet.

Kommt nun eine also Aufgeputzte „schö stad“, im Gefühl ihres Schmuckes daher, sofort ruft eine Stimme mit Beziehung: „Gold! han?“, und die rasche Antwort aus der Gruppe heraus lautet: „Ja, oba mit Blei überrennt, daß ma’s Gold net a so kennt!“ die also Getroffene trachtet möglichst schnell außer Sehweite zu kommen, das Nachlachen hört sie freilich noch länger. Doch hat dieser Spott meist zur Folge, daß sie mit immer weniger solchem Zeug behangen zur Kirche kommt. So etwas hilft schneller als eine Predigt des Herrn Pfarrers.

Ein Bauerndeandl, das von ihrer herkömmlichen Tracht abgeht und in Stadtkleider schlüpft und gar in einem modernen Hut daherkommt, “dö schaugt raus wia d‘ Maus aus da Schütt Stroh“.

Kommt ein sauberes Deandl, das sehr wählerisch in Bezug auf ihren Zukünftigen ist und schon manchen Korb ausgegeben hat, so kommt sie, weder rechts noch links blickend, durch diese übermütige Lästerallee; da erblickt sie ein Zurückgewiesener und ruft ihr zu Gehör: „In dö schönst’n Kloada kemma aa d‘ Schab’n“.

Ein Bursch, auch als wählerisch bekannt, geht an einer Gruppe lebfrischer Deandln vorüber und zuckt die Achseln, als wären sie ihm alle gleichgültig, aber sofort ruft eine: „dir schlogt aa no‘ Die Stund!“ und eine andere: „Af Deina Hochzat tanz‘ i aa no‘!“

Ein sauberes Bürschchen, doch mit sogenannten O-Beinen ausgestattet, schlängelt sich an die Deandln heran, und möchte sie hänseln, doch da kommt er gerade recht. Sogleich hört er: „Du! Geh af’s Feld auße zum Mah’n mit dö Füaß! Mit oam maht er’s Troad o, mit dem andern wirft er’s eina“.

Hat einer aber X-Beine, „der taugt guat zum Schafwasch’n“, weil die Schafe fest zwischen den Knien gehalten werden müssen, wenn sie gewaschen werden.

Der stolze Besitzer eines flotten Schnurrbärtchens wird von seinen Kameraden sofort mit darauf bezüglichen Witzen und Spöttereien empfangen. Er läßt es sich eine Weile lachend gefallen, endlich sagt er: „Laßt’s ma do‘ mein Schnauza geh, dös is ja in der jetzinga Zeit dös oanze hypothekfreie Bauernfleck’l!“

Ein anderer geht sinnend an der auch ihn anlachenden Gruppe vorbei, ohne sie zu beachten, da sagt einer auf ihn deutend: „Jiatzt sinniert er wiada, wo er morg’n seine Scheita hinricht‘.“

Und so kriegt jedes „sei Klamperl“, doch es ist nicht bös gemeint und wird auch nicht bös aufgenommen. Ein jedes weiß, „wer ausgibt, muaß aa ei’nehma“, oder „wer Keg’lscheib’n will, muaß aa afsetz’n kinna“.

Ein alter Bauer wurde einmal stark aufgezwickt, doch schmunzelte er nur still vor sich. Da sagte ein Nachbar: „Dös liaß i mir oba do bet g’falln, do‘ that i mi rühr’n“. Worauf dieser ganz ruhig antwortete: „As is ja dersell, der eppas ei’schiabt aa no‘ a Mo‘“.

Einen gewissen Stolz besitzt jeder gutsituierte Niederbayer auf seinen selbsterrungenen und erarbeiteten Wohlstand, doch kannte ich einen Großgrundbesitzer, der ging darin etwas zu weit, denn er war mit niemandem freundlich und dankte selten auf einen ihm gegebenen Gruß. That er es doch einmal, so sagte der Betroffene: „I hob heint an Ablaß g’wunna, denn mi hot der Herr H. grüaßt“. Man sah ihn auch nie lachen; die Leute sagten: „Wenn der lacht, geht er am Bod’n affi“. Dabei war er streng gegen sich selbst wie gegen andere, und leichtsinniges Geldhinauswerfen tadelte er in den scharfen Worten: „Dös is a Lump! Und zwar a ganza! Und a ganza Lump, wenn oana is, dös kost’ ’s mehrst‘ Geld!“

Einen Freund, der sich nicht bewährt, vergleicht der Niederbayer mit einem „zug’spitzten Rohrstock, der oan in d‘ Händ sticht, sobald ma sö draf stütz’n will“.

Hat ein „Güatler“ das Glück, daß die Bahn durch seine paar Äcker und Wiesen gebaut wird, so daß er ein nettes Sümmchen dabei herausschlägt, wird er nicht selten übermütig und macht Auslagen, wie sie sich der reichste Bauer nicht erlaubt, und kopfschüttelnd sagt man: „Wenn halt da Bettler af’s Roß kummt, konn ’n der Teuf’l dareit’n“. Und, „wenn er da so furtmacht, kummt er vo‘ dö Federn af’s Stroh“. Doch er sagt übermütig: „Soll’s fei’n (fehlen), wenn fei’n ko‘!“ Merkt er aber später, daß es mit dem Vermögen doch stark rückwärts geht, und er besitzt noch etwas Humor, d.h. schon mehr Galgenhumor, so kann man wohl zu später Nachtstunde im Wirtshaus den Volksspruch von seinen Lippen hören: „Geht’s, wia’s geht, Hans, geig zua!“ Und so lebt er flott weiter, bis er nicht nur alles durchgebracht, sondern sogar noch Schulden hat, die er dann „am St. Nimmermehrstag“ bezahlt.

Übereilung gehört nicht zu den vorstechenden Eigenschaften des Niederbayern. Bei ihm heißt es nur: „Nur schö‘ stad, kumme heint net, kumme morg’n; zuwas a so renna und treib’n, do macht ma nix bessa, und wenn d‘ Birn‘ zeiti san, fall’n s‘ von selm oba“.

Doch es gibt auch hierin Ausnahmen, die sich nicht dieser Ruhe erfreuen, sondern rechte „Hitzkoller“ sind und wegen jedem „Katzenschwanz“ prozessieren. Das sind die echten Streit- und Prozeßhanseln. Die, wenn sie zehn Prozesse verloren haben, sofort den elften anfangen, und handelt sich’s auch nur um ein Wertobjekt von 50-60 Mk.; „oba g’winna muaß i, und wenn’s mei’n ganz’n Hof kost‘!“ ist deren Morgen- und Abendgebet. Wenn solch einer bei seinem Advokaten nicht rasch genug ans Ziel kommt, so hat er schon einen Menschen an der Seite, der ihn anleitet, geheime Wege zu gehen. Man kennt diese Sorte, und ein solider Bauer weicht ihnen auf Meilen aus. Solch einer vermittelt in der Stadt bei Winkeladvokaten von vornherein unsichere Prozesse, vermittelt noch Gelder auf schon überschuldete Bauernhöfe und treibt verschiedenes, was das Tageslicht scheut: „Kurzum, er lauft so lang unterm Galgen durch, bis er dro‘ hänga bleibt“. Jeder anständige Bauer warnt vor solch einem Unterhändler mit den Worten, „dös is oana, wo ma dö andern fangt damit“, „dem is unsa oana net g’wachsn“, „der vakaft di‘ zeh’mal, Du mirkst nix davon“; „hüat Di‘ vor dem, der hat Läus im Balg!“

Ein junger Bursch bekam schon beizeiten den Hof über, war aber auffallend bald mit dem gediegenen Wohlstand seines Vater zurückgekommen, da fragte ihn einmal ein zu Besuch kommender Vetter, wie es ihm gehe, und leichtsinnig antwortete dieser: „Mei‘ Vota hot a finstera Waldung g’habt und a liachte Hypothek, und sei Suh‘ hat a liachte Waldung und a finstere Hypothek“.

Ein anderer Bauer verlor viele Prozesse, erzählte aber trotzdem im Wirtshaus: „den hob i wieda fei‘ g’wunna!“ Einmal aber war ein Nachbar in seiner Nähe, ohne daß er es wußte, als er gerade wieder verlor. Dieser fragte ihn sogleich abends beim Wirt: „No heint host oba schö‘ valor’n!“ „Nix do,“ rief er schnell zurück, „g’wuna hob i, und fei‘ aa no!“ „Ja,“ sagt der Nachbar, „üba d Achs’ln naus und in d‘ Kirm eini!“

Dann gibt es auch solche Streithanseln, die wegen jeder Geringfügigkeit ihren Nebenmenschen sofort mit gerichtlicher Klage drohen. Es geschieht das aber nur, um den anderen einzuschüchtern, denn „Hund‘, die viel bell’n, beiß’n net“. „und as wird nix so hoaß g’ess’n, wia’s kocht wird“, oder „Wos der sogt, dös thuat er net, und wos er thuat, dös sogt er net“.

Unter den unverheirateten alten Bauern trifft man manchen Geizigen, sogenannten Lausdöitta [15], weil er selbst „d‘ Laus um an Balg schindt“. Im Winter sitzt dieser tagelang im Wirtshaus, nur um daheim die Heizung zu sparen, aber nicht daß er den ganzen Tag trinken würde, o nein, höchstenfalls drei Halbe den ganzen Tag. Kommt aber einmal ein Freibier zum Aufwurf, da ist er einer der eifrigsten, und wenn es ginge, würde er sich auf Wochen hinaus vortrinken. Wird er aber einmal durch irgend eine Gelegenheit, z.B. einer Taufe oder Hochzeit moralisch gezwungen, eine größere Zeche zu machen, da äußert sich sein Katzenjammer schon beim Bezahlen, und während er schweren Herzens die Zeche begleicht, seufzt er: „Um dös kriagat i ‘s schönste Levit’namt“. Nämlich ein teueres Levitenamt läßt er sich nach seinem Tode schon halten, denn dann thut es ihm nicht mehr wehe, sondern es müssen es die Verwandten von der Erbschaft bezahlen und dieser Gedanke hat sogar noch etwas Beruhigendes für ihn. Überhaupt für „a schöne Leich“ sorgt er schon beizeiten, „af das i net varicht‘ wer‘ wia a Hüata“, sagt er. Damit meint er die geringe Beteiligung beim Begräbnis eines armen Hirten. Religiös ist er aber trotz allem und „Mein Glaub’n hob i vom Papst z‘ Rom, und dabei bleibt’s“, ist seine stehende Rede.

„Ein Pfarrer,“ erzählt Jos. Schlicht unter anderem, „wollte einmal einem Bauern begreiflich machen, daß es außer den sieben Todsünden noch mehrere Sünden gibt, so daß z.B. …“ „Halt’n S‘ Hochwürden!“ unterbricht ihn dieser, i bleib bei meine sieben Todsünd’n, für die leb i und stirb‘ i“.

Im Frühjahr macht jeder die „Bittgäng um d‘ Felda“ mit. Ein besonders eifriger stand einst vor seiner Hausthür, im Begriff sich dem Bittgang anzuschließen, da legt er seinen Stock noch einmal weg, spuckt in die Hände, und ruft: Heint bet‘ ma, daß olln teufelt!“ Dabei denkt er nicht, wie er Gebet und Satan nebeneinander stellt, sondern er zeigt nur seine helle Freude, so recht nach Herzenslust beten zu können. Bei diesen Bittgängen sind noch die ältesten Weiblein dabei, das läßt sich keine nehmen, so lange sie „no‘ a wengerl hatsch’n ko‘“. Ich sah einmal eine 80jährige, am Stocke gehend, als letzte im Zuge den zweistündigen Weg mitmachen.

[...]

Fortsetzung und letzter Teil nächste Woche

 

Anmerkungen:

[14] Ludl: bayerische Nudel

[15] ein Klamperl anhängen: jemandem etwas Beißendes im Vorbeigehen sagen

[16] Lausdoitta: Laustöter