Literatur Update 2014 beim Erlanger Poetenfest

Was ist Heimat? Wie lebt es sich in Bayern? – das waren die Grundfragen des diesjährigen Wettbewerbs der Literaturstiftung Bayern LITERATUR UPDATE 2014. Unter dem Titel „Heimatklänge. Heimat klänge“ waren Liedtexte, Lyrik oder Slam-Poetry-Texte gefragt, die einen aktuellen Blick auf die bayerische Gesellschaft werfen und nach dem Gefühl von Heimat fragen.

Die Texte der fünf ausgezeichneten Autoren beschäftigten sich auf unterschiedlichste Weise mit der Thematik:

Paul Klambauer wurde für seinen Mundart-Text Grenzgegend mit dem ersten Preis ausgezeichnet. In dem Liedtext geht es um die Prostitution an der deutsch-tschechischen Grenze. Hier wird nichts verklärt; die Trostlosigkeit der Situation wird deutlich und Heimat erscheint, im Sinne einer Liebesbeziehung, als unerfüllbarer Traum.

Nora Gomringer, die Vorsitzende der Jury, beschreibt dies so: „Leser und Hörer des Textes erleben die Trostlosigkeit, die in der Situation der Frauen und Freier liegt. Der Text von Paul Klambauer ist unaufgeregt und präzise gearbeitet, er ist romantisch und weltlich, seinem Thema nah und poetisch fern. Eine Heimatperspektive, die nichts mit Lob auf die Umstände, das Sehnsuchtsziel zu tun hat, aber an Menschen festgemacht ist. Heimat ist da, wo du, Geliebte, bist. Damit fällt der Text wohl in die zweite Definition von Heimat: ein unerfüllbarer Traum. Hier stehen Konventionen, gelebtes Leben, Entscheidungen und Länderverfassungen zwischen Zweien. Gut, dass sie ein Lied haben, das ihnen eine Heimat in diesem „Zwischen-Ort“, der „Grenzgegend“ von Paul Klambauer  schenkt.“

Vier weitere AutorInnen überzeugten die Jury und werden als nominelle Preisträger der Literaturstiftung ausgezeichnet: Antonia Spohr wirft mit Kleiner Bruder einen schonungslosen Blick auf die bayerische Stadt Neu-Ulm – aus der Perspektive des großen baden-württembergischen Bruders Ulm. Alke Stachler dagegen ließ sich von Werken und Texten von Paul Klee inspirieren und setzt dessen künstlerische Auseinandersetzung mit den Lech-Auen rund um Augsburg wiederum in ihre eigene lyrische Sprache um. Gwydion Enbarr setzt sich mit dem Thema Heimat in seinem Liedtext Hoam inhaltlich und sprachlich auseinander: Der Wald steht hier für die Heimat, weicht allerdings vom oft positiv konnotierten Heimatbegriff  ab und wirkt eher bedrohlich. Enbarr schrieb den Text in seiner Muttersprache, dem Waidlerbairisch, und fügte so eine persönliche und emotionale Heimatkonnotation hinzu. Tobias Roth schließlich nähert sich der Heimat, der Natur und den dort lebenden Menschen in seinem Zwiefacher auf ebenso ambivalente und abstrakte Weise.

Die Texte sind sehr unterschiedlich: Eine einheitliche Definition von bayerischer Heimat gibt es nicht. Heimat ist individuelle Erfahrung und Wahrnehmung.

LITERATUR UPDATE 2014 fand im Rahmen des bayernweiten Musikfestes LOKALKLANG statt, das sich den Klängen in Bayern widmete, die mit einem Gefühl von Heimat verbunden werden. Auf der Festivalhomepage wurden die ausgezeichneten Texte und kurze Porträts der AutorInnen veröffentlicht. 

Am Sonntag, den 31. August 2014, um 15.30 Uhr findet die Preisverleihung auf dem Erlanger Poetenfest statt. Im Lichthof des Palais Stutterheim wird Nora Gomringer die Laudatio auf den 1. Preisträger Paul Klambauer halten. Sein ausgezeichneter Liedtext wird von den Musikern Stefan Leonhardsberger und Martin Schmid präsentiert und die nominellen Preisträger werden im Gespräch mit Nora Gomringer vorgestellt – anwesend sind Gwydion Enbarr, Antonia Spohr und Alke Stachler. 



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