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87459 Pfronten
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Pfrontar Spinnar

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Pfrontar Spinnar, aufgenommen Anfang/Mitte 1990er-Jahre. V.r.n.l. (nur teilweise sichtbar ist Hilde Stich am r. Bildrand): Rosl Schneider, Luise Krautwurst, Hans Mayer, Gustl Hörmann, Hilde Heer, Manfred Hartmann (verdeckt Gast, Willy Hörmann und vorne ebenfalls ein Gast) © Willy Hörmann, Privatarchiv

Die Pfrontar Spinnar sind eine lose Vereinigung von Mundartlyrikern aus Pfronten im Allgäu, die von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis ins frühe 21. Jahrhundert die Tradition der heimatverbundenen Dialektdichtung pflegten.

Geschichte

Als Urväter der Pfrontar Spinnar, einer losen Gemeinschaft von Mundartlyrikern aus Pfronten, gelten Anton Eberle, (1868-1917, genannt  Fidölar) und Franz Xaver Raiser (1879-1948, genannt Scholze Vere), die bereits ab Ende des 19. Jahrhunderts Gedichte schreiben und veröffentlichen.

Der gebürtige Pfrontner Pius Lotter und weitere heimatverbundene Mundartlyriker führen diese Tradition fort und schließen sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu einer losen Literatenver­einigung zusammen. Sie geben sich den Namen Pfrontar Spinnar. Selbstbewusst reagieren sie damit auf ihre Kritiker innerhalb der Pfrontner Bevölkerung, die sie wegen ihres Hobbys als Spinner bezeichnen. Einmal monatlich finden ab Anfang der 1950er-Jahre Treffen statt für das gegenseitige Vorlesen von Gedichten und den Gedankenaustausch. Am 3. Oktober 1956 gründen neun heimatverbundene Pfrontner den Heimatverein Pfronten; unter den Gründungsmitgliedern Ludwig Eberle, Ursula Förster, Gustl Hörmann, Luis Keller, Pius Lotter, Thomas Osterried, Richard Lotter, Adolf und Annemarie Schröppel sind auch einige Mundart­lyriker aus der Gruppe der Pfrontar Spinner. Der Heimatverein veranstaltet alljährlich den großen Pfrontner Hoigarte und unterstützt das Schaffen der Mundartliteraten. Neben Musikern und Sängern aus dem Ort treten an diesem Abend stets auch Pfrontar Spinnar auf.

Von Pius Lotter, der sich selbst als Oberspinnar bezeichnet hat, stammt der Entwurf für das Pfrontar-Spinnar-Abzeichen, eine Auszeichnung, die ab 1988 vom Heimatverein Pfronten verliehen wird. Die Silberbrosche zeigt eine Spinne, die ein feines Netz über den Pfrontner Kirchturm und einen Topf mit vergoldeten Bohnen webt. Dieser Bohnentopf (Boahnehafe) referiert auf eine alte Pfrontner Sage, die von Gustl Hörmann im 73 Strophen umfassenden Gedicht Dr Pfrontar Boahnehafe literarisch verarbeitet worden ist. 

Zum Anlass für hitzige Diskussionen innerhalb der Gruppe wird die Frage nach der „richtigen“ Ver­schriftung der Pfrontner Mundart. Gustl Hörmann drängt auf eine einheitliche Mundartschreibweise. Auch Pius Lotter macht sich im Anhang seines Buches Pfrontar Spinnar und Originale (1985) für eine bestimmte Schreibweise der Dialekte von Pfronten und Umgebung stark. Mit diesem Buch Pfrontar Spinnar und Originale setzt Pius Lotter der Vereinigung ein literarisches Denkmal. Es sind Fotos, Bräuche und Anekdoten aus vergangener Zeit abgedruckt, darüber hinaus zahlreiche Gedichte der Gruppenmitglieder Ludwig Eberle, Anton Eberle, Maja/Maya Büchner, Cilla Georgi, Manfred Hartmann, Hilde Heer, Gustl Hörmann, Luise Krautwurst, Ernst Lotter, Pius Lotter, Hans Mayer, Franz Xaver Raiser (Scholze Vere), Anton Rist, Erna Schmid, Rosa/Rosl Schneider und Veronika Schneider.

1990 wird der Ostallgäuer Mundartpreis Korbinian vom Mundartkreis Ostallgäu e.V. an die Gruppe der Pfrontar Spinnar verliehen. 1993 entsteht die Idee, Tonbandaufnahmen der Pfrontner „Versles-Mächlar“ zu machen. Anlass ist ein (zum Glück glimpflich abgelaufener) Autounfall der Mundart­dichterin Luise Krautwurst und das mittlerweile hohe Alter vieler Gruppenmitglieder. Der technisch versierte Willy Hörmann erstellt die Aufnahmen und fertigt 1996 daraus zunächst Musikkassetten mit 33 Gedichten der 12 damals noch aktiven Autoren Luise Krautwurst, Anton Rist, Hilde Heer, Pius Lotter, Maja/Maya Büchner, Gustl Hörmann, Rosa/Rosl Schneider, Hans Mayer, Erna Schmid, Manfred Hartmann, Hilde Stich und Willy Hörmann. Willy Hörmann erstellt zusätzlich das Beiheft zur CD „A Hoigarte zwische Pfrontar Spinnar“ mit Fotos und Werkverzeichnissen dieser 12 Autoren. 2015 erfolgt die Digitalisierung der Musikdaten zu einer Doppel-CD.

Mittlerweile ist die Gruppierung nicht mehr aktiv. Der engagierte Mundartdichter Manfred Hartmann, der den Pfrontner Hoigarte jahrelang moderiert hat, ist im November 2018 verstorben. Willy Hörmann verwahrt in seinem Privatarchiv viele Erinnerungs­stücke an die Pfrontar Spinnar. 

Verfasst von: Digitaler Literaturatlas von Bayerisch Schwaben DigiLABS / Rosmarie Mair, M.A.
Sekundärliteratur:

Hartmann, Manfred: Spinnfäde (CD 1994, 2016): Aufnahme und Herstellung der CD durch Willy Hörmann.

Hörmann, Willy und Gustl: Heiteres und Besinnliches vo de „Barthlar“, Doppel-CD, Aufnahme und Herstellung der CD durch Willy Hörmann.

Hörmann, Willy (Doppel-CD, 2013): Aufnahme und Herstellung der CD durch Willy Hörmann.

Ders. (CD, 2013): Original Sealg'strickte mit Allgäuer Hoimat-Versla, Aufnahme und Herstellung der CD durch Willy Hörmann.

Ders. (CD): Iaz red i, Aufnahme und Herstellung der CD durch Willy Hörmann.

Verschiedene CDs von Willy Hörmann, z.T. sind die gleichen Gedichte auf mehreren CDs.

Lotter, Pius (1985): Pfrontar Spinnar und Originale, Verlag für Heimatpflege Kempten im Heimatbund Allgäu e.V.

Pfrontar Spinnar: A Hoigarte (Doppel-CD; 1996, 2015) mit Original-Tonaufnahmen von selbst gelesenen 33 Gedichten der 12 Autoren Luise Krautwurst, Hilde Heer, Pius Lotter, Hildegard Stich, Gustl Hörmann, Hans Mayer, Manfred Hartmann, Anton Rist, Erna Schmid, Maja Büchner, Willy Hörmann und Rosl Schneider. Aufnahme und Herstellung der Doppel-CD durch Willy Hörmann.

Rist, Anton: Hoize Done (CD, 1998) mit Original-Tonaufnahmen von Anton Rist, sieben Gedichte, Aufnahme und Herstellung der CD durch Willy Hörmann.