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Friedrich Rückert auf einer Zeichnung seines Freundes Carl Barth, 1818

Ebern, Rittergasse 1: Rückerts Elternhaus

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Tafel am Elternhaus Rückerts in Ebern (c) Literaturportal Bayern

Der Poet und geniale Übersetzer Friedrich Rückert (1788-1866) wurde in Schweinfurt geboren. Seine wichtigsten Lebensstationen liegen sämtlich in Franken: Schweinfurt, Oberlauringen, Ebern, Coburg und Erlangen.

Seine Eltern, der Hofadvokat Johann Adam Rückert und die Advokatentochter Maria Barbara Schoppach, heirateten 1787 in Schweinfurt. Am 16. Mai 1788 kam dort Friedrich Rückert zur Welt. Zu seinen Eltern pflegte der Dichter ein gutes Verhältnis. Der Vater schien seinen poetischen Neigungen zumindest tolerant gegenüberzustehen:

Meinem Vater muß ich’s danken,
Der nunmehr im Grabe ruht,
Daß er nie die kühnen Ranken
Stutzte meinem Jugendmuth.

Ihm im Grabe muß ich’s danken,
Daß er meine Poesie
Nie begriff, und gleichwohl Schranken
Des Verbots ihr setzte nie.

Nach beruflichen Stationen in Oberlauringen, Rügheim und Seßlach zog die Familie 1809 nach Ebern. Zu dem Zeitpunkt war der junge Dichter bereits 21 Jahre alt, studierte in Würzburg und Heidelberg Jura, Griechische Mythologie und Naturphilosophie. Trotzdem wurde Ebern zu einer wichtigen Station in Rückerts Leben, er fühlte sich dem Ort sehr verbunden. Ebern war ihm die Jugendjahre bis zu seiner Konsolidierung in der Ehe mit Luise Fischer 1821 in Coburg Heimat und Rückzugsort, den er immer wieder aufsuchte.

Die Stadt Ebern im unterfränkischen Landkreis Haßberge, langjähriger Wohnsitz von Friedrich Rückerts Eltern (Wohnhaus in der Mitte) (c) Literaturportal Bayern

In diese Zeit fallen auch Rückerts stürmische Jugendlieben, die er in Gedichtzyklen besang. Nach der Rentweinsdorferin Agnes Müller verliebte er sich im Wirtshaus „Auf der Specke“ in Eyrichshof bei Ebern 1812 unglücklich in die Wirtstochter Maria Elisabeth Geuß. Ihr widmete er den Gedichtkranz Amaryllis, ein Sommer auf dem Lande. Der Titel ist ein Wortspiel: Aus ihrem Spitznamen Marilies wird Amaryllis, die zugleich an amara, bitter, erinnert - eine Anspielung auf die unerwiderte Liebe. Der Sonettenkranz enthalte, so schrieb es Rückert an seinen Freund Christian Stockmar, drei Bestandteile: „petrarkischer Sentimentalismus - idyllische Idealität - und schroffaufgegriffene Wirklichkeit“. Der Zyklus umfasste zunächst 64 Sonette, erschien 1825 in Frankfurt im Druck und brachte dem jungen Dichter einiges Lob ein:

Weil ich nichts anders kann als nur dich lieben,
Will ich dich lieben denn soviel ich kann.
Zu hassen dich hatt’ ich mir vorgeschrieben,
Mit Hasse sah das Herz die Vorschrift an.
Dich zu vergessen hatt’ ich mich getrieben;
Vergessen war es, eh ich mich besann.
Da so der Haß ward von sich selbst zerrieben,
So das Vergessen in sich selbst zerrann;
So laß mich lieben denn, soviel ich kann, dich
   lieben,
Weil ich nichts anders als dich lieben kann.

In Ebern begann Rückert nach der Rückkehr von seiner Romreise 1817/1818 mit intensiven orientalischen Sprachstudien. Hier entstanden die ersten Gedichte in der Form des Ghasels. Rudolf Kreutner verweist darauf, dass die erste Beschäftigung Rückerts mit Syrisch, Hebräisch und Persisch bereits während des Studiums in Würzburg erfolgte. Man wisse allerdings bis heute nicht, was Rückerts ebenso frühe wie entscheidende Hinwendung zum orientalischen Sprach- und Kulturraum letzlich bewirkt hat (Ausstellungskatalog Der Weltpoet, S. 21).

Sekundärliteratur:

Friedrich Rückerts Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Schweinfurter Edition. Begründet von Hans Wollschläger und Rudolf Kreutner. Hg. von Rudolf Kreutner, Claudia Wiener und Hartmut Bobzin. Göttingen 1998 ff.

Kreutner, Rudolf (Hg.) (2016): Der Weltpoet. Friedrich Rückert 1788-1866. Dichter Orientalist Zeitkritiker. Ausstellungskatalog. Göttingen.

Weyers, Wolfgang: Der große Zauberer. Leben und Lieder von Friedrich Rückert. Freiburg, Berlin, Wien 2013.


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