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Die Alte Post im Jahr 1901 (noch ohne Zwerchgiebel)

Ponholz, Die Alte Post: Station für Dichter-Reisende

Ponholz, früher Bon(n)holz – ein Bannwald – liegt an der alten Verbindungsstraße und Postroute zwischen Amberg, Schwandorf und Regensburg und ist seit 1978 ein Ortsteil von Maxhütte-Haidhof. Die Poststation der Thurn und Taxis geht zurück auf das Jahr 1766. Bereits 1740 beantragt der Tafernwirt Johann Hartmann beim kaiserlichen Reichsgeneralpostmeister, dem Fürsten Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis, die Errichtung einer Poststation zu Pirkensee, da sich zwischen der freien Reichsstadt Regensburg und der kurfürstlichen Regierungsstadt Amberg keine Poststation befindet. 1742 werden daraufhin für Schwandorf und Pirkensee zwei Poststationen genehmigt. Wolfgang Wilhem Laßleben, der Hartmanns Witwe geheiratet hat, beantragt schließlich 1764 die Verlegung der Station von Pirkensee nach Ponholz, das, wie er betont, genau vier Stunden von Schwandorf und Regensburg entfernt liege, und verspricht, durch Reparatur der Straße für eine bequemere Streckenführung zu sorgen. Er hat bereits ein Bauerngut in Ponholz erworben, das nach Genehmigung der Verlegung 1765 zu einer „Gastgeberey“ und einem Posthaus umgebaut wird.

Der Schlussstein über dem Eingang zum Posthaus mit der Jahreszahl 1766 muss eher als Datum des Baubeginns gelten, da sich die Fertigstellung des neuen Posthauses bis zum Frühjahr 1768 hinzieht. Im Jahr 1769 erhält Johann Hartmann (Sohn) die Genehmigung, die Poststation, die er seinem Stiefvater abgekauft hat, zu übernehmen.

Am frühen Morgen des 4. September 1786 macht Goethe auf der Reise nach Italien Halt an Hartmanns Poststation. Seine Tagebuchnotiz lautet: „Ich war halb neun in Weyda, Nachts 1 Uhr in Wernberg, halb dreie Schwarzenfeld, halb fünfe Schwandorf, halb achte Bahnholz, um zehen in Regenspurg.“ Das Ausgabenbuch, das er während der Reise akribisch führt, enthält keinen Verköstigungsnachweis für Bahnholz.

 Links: Verschiedene Ansichten von Gut Ponholz, 1901. Rechts: Belegschaft der Alten Post Ponholz um 1930.

Johann Hartmann verkauft Ende 1804 sein mittlerweile um eine Schmiede erweitertes Besitztum an seinen Sohn Franz Xaver und bittet, die Posthalterei an diesen abtreten zu dürfen.

Aber schon 1810 meldet das Königlich-Baierische Regierungsblatt, dass die Poststation von Bonholz nach der Stadt Burglengenfeld versetzt wird. Damit geht die Zeit der Hartmanns als Posthalter zu Ende, doch kommen sie als Landwirte und Brauer offensichtlich zu einigem Reichtum und Ansehen. Im Jahr 1819 wird Franz Xaver Hartmann als Gutsbesitzer zum Deputierten der „obern Pfalz“ in die Ständeversammlung in München gewählt. In seiner Beurteilung als Parlamentarier heißt es 1839: „Im Besitz ‚blühender Güter‘; dem Thron treu ergeben und allen politischen Umtrieben fremd“.

Seine Söhne Alois und Karl aus der Ehe mit Johanna Sausgruber, einer Tochter des wohlhabenden Stadtamhofer Tabakwarenhändlers Jakob Sausgruber, besuchen die Lateinschule in Regensburg. Nach dem Tod seines Vaters im Juni 1850 beantragt Alois vorzeitig die Großjährigkeit und heiratet 1851 die achtzehnjährige Elisabeth Lecker aus Kronwinkl bei Landshut, die begabte Tochter eines reichen Privatiers und vormaligen Wirtes.

Am 25. Oktober 1855 wird deren Tochter Elise geboren, die spätere niederbayerische Dialektdichterin Elise Beck. Bereits  als Zweijährige verliert sie im Januar 1858 ihren Vater. Im Mai 1860 wird das Gut von dem mit Hartmann bekannten jüdischen Produktenhändler Moritz Buchmann (1826-1894) aus Regensburg gekauft. Die Witwe Alois Hartmanns, die in der Zwischenzeit den Ponholzer Fragner (Händler) Joseph Kölz (1825-1878) geheiratet hat, muss mit ihren drei Kindern aus der ersten Ehe das Gut verlassen. Damit ist die Ära der Hartmanns in Ponholz nach drei Generationen zu Ende.

Graphisch bearbeiteter Ausschnitt aus dem handschriftlichen Lebenslauf von Elise Beck im Nachlass Franz Brümmer, Staatsbibliothek zu Berlin.

Das Gut ist zu Lebzeiten Elise Hartmanns ein stattlicher Vierseithof mit ausgedehnten Ländereien. Im Jahr 1912 wird es von dem Weidener Brauer August Wittich grundlegend renoviert und umgebaut. Erst bei dieser Gelegenheit erhält es den westseitigen Zwerchgiebel. In den späten 1970er-Jahren werden die umfangreichen Nebengebäude und Stallungen (u.a. mit einem böhmischen Gewölbe) einschließlich der kleinen Brauerei wegen Baufälligkeit nach und nach abgerissen.

 

Die Alte Post im Jahr 2014. Wappen der Alten Post, Hofbibliothek Fürst Thurn und Taxis, Regensburg. Luftbild der Alten Post (c) Robert Gerstl

Im November 2012 vollendet der heutige Besitzer, Robert Gerstl, die aufwändige Sanierung des denkmalgeschützten Hauptgebäudes. Durch eine erneute gastronomische Bewirtschaftung der „Einkehr zur alten Post“ gelingt es ihm, die traditionsreiche Thurn-und-Taxis-Poststation zu neuem Leben zu erwecken.

Verfasser: Harald Beck / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Dallmeier, Martin (2002): Die kaiserlichen Reichspoststationen Pirkensee und Ponholz (1740-1808). In: Festschrift / Bayerischer Nordgautag, S. 57-67.

Kernl, Hubert (1994): Erfassung der Kunstdenkmäler im Landkreis Schwandorf. In: Jahresband zur Kultur und Geschichte im Landkreis Schwandorf 5, S. 30-38.

Stadlbauer, Sepp (2000): Ponholz und seine „Alte Post“. In: Festschrift zum 125-jährigen Gründungsfest mit Fahnenweihe der Freiwilligen Feuerwehr Ponholz. Ponholz, S. 153-159.


Externe Links:

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Kommentare

Bernhard M. Baron am 28.01.2016 um 14:54

Neben Goethe haben zweifelsohne zahlreiche prominente Reisende im Laufe der Zeit Poststation und Ort Ponholz gestreift, so auch der fränkische Historiker, Versepiker und Lyriker der Nachromantik August Graf von Platen (1796-1835). Der Franke Platen benutzte auf seiner Venedigreise im Herbst 1824 die historische Route Amberg - Regensburg: „Als ich aber gestern morgens, von Burglengenfeld aus, dem Postwagen voranging, sah ich zu beiden Seiten wieder gemeinen Kalkstein, der jedoch mit einer Kieselmasse zusammengewachsen war, die breccienartig zuweilen in Chalcedon überzugehen schien. Späterhin, in der Nähe von Regensburg, erschien bloßer Kiesel. Vor Regenstauf fuhren wir über den Regen...“ (vgl. dazu: Platen, Tagebücher, hg. von G. von Laubmann und L. v. Scheffleer, Bd. 2, Stuttgart: Cotta 1900, S. 649f.)



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