Info
Geb.: 17. 6.1946 in Ingolstadt
Gest.: 4. 9.2023 in München
© Carl-Ludwig Reichert

Carl-Ludwig Reichert

Carl-Ludwig Reichert (1946-2023) „war eine wichtige Stimme der Gegenkultur“ (taz). Neben seinem musikalischen Wirken verfasst Reichert Bücher zu unterschiedlichen Themen, die Themen seiner Publikationen sind so mannigfaltig wie seine Person selbst. 

Werdegang

Carl-Ludwig Reichert wird in Ingolstadt geboren. Bereits in seiner Schulzeit verfasst er Lieder und Texte in Mundart und widmet sich Rock-, Blues- und Folk-Projekten. In München studiert er Altphilologie und Germanistik. Parallel verfasst Reichert – zunächst unter Pseudonym – weiter Gedichte und eigene Texte. Er arbeitet ab Anfang der 1970er-Jahre beim BR und wirkt zunächst bei der erfolgreichen Sendung Pop Sunday mit, dann beim Club 16 und schließlich beim Zündfunk. Es folgen weitere Sendungen und experimentelle Hörspiele. In den folgenden Jahren ist Reichert auch für verschiedene Fernsehproduktionen tätig und stellt damit einmal mehr seine Vielseitigkeit unter Beweis. Zusammen mit Norbert Stockheim begründet er den arte-povera-Wanderzirkus hundertfleck, der einfache circensische Elemente mit antipsychiatrischer Kritik und Praxis verbindet.

Zusammen mit Till Obermaier und Jan Dosch ist Carl-Ludwig Reichert 1972 Mitbegründer der Band Sparifankal, die sich in Obermaiers Worten ganz der „Rübelmusik“ verschrieben hat. Mit ihrem ganz offenen Stil – Blues-Elemente vermischen sich mit Folk und anderen Richtungen – erlangt die Band Kultstatus in Bayern. Nach deren Auflösung gründet Reichert schließlich 2002 das Trio Wuide Wachl. Inzwischen wird auch Sparifankal wiederbelebt und tritt in veränderter Formation unter dem Namen Sparifankal 2 auf. Carl-Ludwig Reichert arbeitet neben seiner Bandtätigkeit für das Gaudiblatt und lebt in München. Hier verstirbt er am 04. September 2023. 

Carl-Ludwig Reichert und die Band Sparifankal © Carl-Ludwig Reichert

Wichtige Werke (Auswahl)

Unter seinem Opus versammeln sich Biografien, etwa über Marie-Luise Fleißer oder Max Mohr, und Sachbücher, vor allem zu Rock, Blues und Folk. Aber auch als Übersetzer ist er tätig: So sind u.a. Übersetzungen von Jim Morrison und Bob Marley aus dem Amerikanischen ins Deutsche sowie Übersetzungen von drei Asterix-Bänden ins Bayerische entstanden. Ob historische Abhandlungen, etwa zur Münchner Räterepublik oder mundartliche Gedichte – die Themen seiner Publikationen sind so mannigfaltig wie Reichert selbst: zusammen mit Michael Fruth entstehen beispielsweise die Mundart-Lyrikbände warum nacha ned und Friß wos i sog, im Friedl Brehm Verlag und bei Piper. Anfang der 1970er-Jahre schreibt er mit an der Satire Die Ducks. Einige seiner Texte, wie neue und alte kinderspiele für brave und böse Kinder erscheinen in Buchform und als Abdruck in der Zeitschrift pardon. Mit der „projektgruppe provopoli“ realisiert er für den Spieleclub von pardon ein berühmt-berüchtigtes Anti-Monopoly-Gesellschaftsspiel. Mit Monika Dimpfl gibt er eine Reihe von anti-autoritären Kinderbüchern heraus.

Verfasst von: Bayerische Staatsbibliothek / Sabrina Hennig

Sekundärliteratur:

Grommes, Wieland (2004): Carl-Ludwig Reichert. In: Schweiggert, Alfons; Macher, Hannes S. (Hg.): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Verlagsanstalt „Bayerland“ Dachau, Dachau, S. 359-361.

Nachruf auf Carl-Ludwig Reichert in der taz, (08.09.2023).


Externe Links:

Literatur von Carl-Ludwig Reichert im BVB

Carl-Ludwig Reichert in der Wikipedia