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Geb.: 27. 3.1975 in Erbendorf
© Pendo Verlag (Piper)

Hülya Kandemir

Als sechstes von zehn Kindern wird Hülya Kandemir in Erbendorf geboren. Ihre Mutter Sahide Kandemir arbeitet in der Porzellanindustrie in Windischeschenbach/Lkr. Neustadt a.d. Waldnaab. Nach einem Hauskauf betreibt die gesamte Familie in Heimarbeit eine Gürtelfertigung. Hülya Kandemir besucht zuerst das Elly-Heuss-Gymnasium für Mädchen in Weiden, später das Stiftland-Gymnasium in Tirschenreuth. Hülya spielt Gitarre mit Vorliebe für Texte von Eric Clapton und Joan Baez. 1994/95 wohnt sie in Weiden.

Hülya Kandemir hat mit 16 Jahren ihren ersten Musikauftritt („the voice & the guitar“) in einer oberpfälzischen Blueskneipe. Als Sängerin tritt sie mit einer Band in Deutschland und Österreich auf. Kurz vor ihrem großen Durchbruch beschließt sie ihre Karriere an den Nagel zu hängen und entscheidet sich, ihr weiteres Leben ganz nach dem Islam auszurichten, der für sie die Religion der Liebe und der Toleranz ist. Zuvor ist sie noch für die Organisation der Friedensdemonstration auf dem Münchener Marienplatz mit dem Preis Münchner Lichtblicke 2004 ausgezeichnet worden.

Himmelstochter. Mein Weg vom Popstar zu Allah (Zürich 2005) lautet die romanhafte Biographie einer eigenwilligen Autorin türkischer Herkunft. Und es sind deutlich mehr junge deutsche TürkInnen als früher, die diesen „Weg“ gehen.

2009 führt Hülya ihre Suche nach sich selbst zum Sufi-Mystiker Mavlana Dschal-ud-din Rumi; sie fängt an, die Kunst in einer anderen Dimension zu verstehen, nämlich als die bester Ausdrucksform ihrer eigenen Seelensprache. Hülya heiratet einen strenggläubigen moslemischen Studenten aus Kasachstan und bekommt von ihm einen Sohn. Als Musiklehrerin und Studiomusikerin bleibt sie Alleinverdienerin, die Ehe scheitert. Hülya beginnt wieder aufzutreten, für die islamische Welt nicht gläubig genug, für den Westen zu gläubig. Diese Konfrontation lässt sie zweifeln, ob der Weg, den sie eingeschlagen hat, für sie der richtige ist. Nach der „kleinen Pilgerreise nach Mekka" beschließt Hülya das Kopftuch wieder abzulegen. Seitdem lebt sie ihren persönlichen Glauben und startet eine weitere Musikkarriere mit eigenen Texten: „Ich will frei sein. Ich will meinem eigenen Herzen folgen.“

Im Mai 2013 stellt „die einzige deutsche Singer-Songwriterin mit internationalem Format“ (FAZ) ihr Album EGO, das sie mit dem Produzenten Christian Lohr erarbeitet hat, im Münchner Volkstheater vor.

Mit ihrem neuen Lebensgefährten, einem griechischen Kampfsportlehrer, und ihrem Sohn lebt Hülya Kandemir heute in München.

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Baron, Bernhard M. (20074): Weiden in der Literaturgeographie. Eine Literaturgeschichte (Weidner Heimatkundliche Arbeiten Nr. 21). Weiden i.d. OPf., S. 108-110.

Morgenthaler, Andrea (2015): Hülya – Die Freiheit in mir (Reportage). In: Lebenslinien, Bayerisches Fernsehen, 22. Juni 2015, 21 Uhr. (45 Min.)

Petzold, Dominik (2010): Allahs Prophetin. Hülya Kandemir gab ihren Popstar-Traum auf, um streng islamisch zu leben – jetzt singt sie wieder, um die Kulturen zu versöhnen. In: Süddeutsche Zeitung, Bayern-Kultur, 15. März 2010.

„rg“ [= Ralph Gammanick] (2013): Hülya Kandemir zurück mit Ego. In: Der neue Tag (Weiden i.d. OPf.), Lokales (Weiden), 30. April 2013.

Supp, Barbara (2006): Die Integrierten. In: Der Spiegel Nr. 27 vom 3. Juli 2006, S. 58-63.


Externe Links:

Literatur von Hülya Kandemir im BVB

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