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Geburtsjahr: 1957
in Freisen

Simon Werle

Simon Werle studiert von 1977 bis 1983 Romanistik und Philosophie in München und Paris. Seit 1983 ist er als Übersetzer tätig, vor allem jedoch auf der Suche nach unbekannten oder seit langem nicht mehr gespielten Stücken, die er dem Theaterpublikum (wieder) zugänglich machen will. 1985 ist ihm das mit Racines Phädra eindrucksvoll gelungen: Das aus dem 17. Jahrhundert stammende Werk erlebt an den Münchner Kammerspielen einen großen Erfolg. Für seine Übersetzung des als unspielbar geltenden Stückes, die man als eine Nachdichtung bezeichnen kann, wird Werle 1985 mit dem Preis der Frankfurter Autorenstiftung, 1988 mit dem Paul-Celan-Preis des Deutschen Literaturfonds und 1992 mit dem Johann-Heinrich-Voss-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet. „Man muss eine merkwürdige Legierung herstellen, eine gewisse Patina, die nicht nachgemacht, sondern einigermaßen wie ein zweite Natur wirkt“, charakterisiert Simon Werle seine Arbeit.

Zu Werles weiteren Wiederentdeckungen gehören unbekannte Theaterstücke von Marivaux, Voltaire, Alfred de Musset, Alfred Jarry, Torquato Tasso und Ben Johnson. Doch auch den zeitgenössischen Dramatikern gilt sein Interesse, allen voran Bernard Marie Koltès, dessen Gesamtwerk er vom Französischen ins Deutsche übertragen hat.

Mitte der 1980er Jahre tritt neben dem Übersetzer und Literaturvermittler der Autor Simon Werle an die Öffentlichkeit: Er verfasst Theaterstücke, Libretti, Romane, Erzählungen und poetische Diskurse. Sein erstes Theaterstück, Der Weichselzopf (1994), hat die Liebesgeschichte zweier jugendlicher Außenseiter zum Thema und wird 2000 von den Vereinigten Bühnen Krefeld und Mönchengladbach uraufgeführt. Das Stück Hillside Avenue (1996) bringt die Vorgänge in einer kalifornischen Sekte auf die Bühne, Das Blut des Falken (1996) einen Vater-Tochter-Konflikt. Die Invasion (1996)verbindet einen historischen Stoff mit aktuellen Geschehen, genau wie Parabel Parzival (2003), das 2005 am Staatstheater Darmstadt uraufgeführt wird. Es folgen Sokrates´ Schweigen (2004), Antigones Hände (2007), Buch der Könige (nachFirdausis Shahname, 2009) und Medeas Söhne (2011).

Auch der 1986 erscheinende Erzählungsband Grundriss der Entfernung lässt Werles Affinität zu antiken Mythen deutlich werden. In den folgenden Jahren erscheinen Proxima Centauri (1988), Die Eroberung der Luft (1991), Abendregen (1999). Für seinen Roman Der Schnee der Jahre (2003), der die Geschichte von drei Generationen einer deutschen Familie im Hunsrück erzählt, erhält er 2003 den Münchner Tukan-Preis. Die Jury nennt das Werk einen Heimat- und Deutschlandroman, „eine Mentalitätsgeschichte der Weimarer wie der Bundesrepublik, eine poetische Enklave, die im Provinziellen das Allgemeine, im Anachronistischen das Geschichtliche erfasst“.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek


Externe Links:

Literatur von Simon Werle im BVB

Kommentare

Curtius, Mechthild Dr. habil am 16.08.2013 um 17:56

Lieber Kollege Simon Werle. Beim Regeln vom Autoren-Nachlass/Vorlass fand ich Ihr Buch "Abendregen" mit Widmung. Wann und wo sind wir uns begegnet? Ich lese die Erzählung noch einmal - in unseren Online-Verlag würden Sie passen. Mechthild Curtius Online finden Sie bei www.fixpoetry.com



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