Info
Geb.: 14. 1.1906 in Düsseldorf
Gest.: 1. 4.1997 in München
Karl Ude mit seiner Frau Renée bei der Jahressitzung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Juli 1961 (Bayerische Staatsbibliothek/Timpe)

Karl Ude

Kultur-Chronist

Der Journalist, Autor und Publizist Karl Ude wird 1906 in Düsseldorf geboren, die Familie Ude gehört zum bürgerlichen Milieu. In Marbach und Bonn studiert er zunächst Philosophie und Theologie, bevor er 1926 nach München kommt. Für Ude gewinnen die künstlerischen Fächer an Bedeutung, und er beginnt Literatur- und Theaterwissenschaften, Kunst- und Musikgeschichte zu studieren. Darüber hinaus führt ihn der bekannte „Theater-Professor“ Artur Kutscher in seine Kreise ein. 1927 liest Thomas Mann im Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität aus seinem noch unvollendeten Josephsroman, bei dieser Gelegenheit lernt Ude die Schweizer Studentin Renée Madeleine, geb. Guggisberg kennen. Am 21. September 1938 heiratet das Paar in Düsseldorf und wird 59 Jahre miteinander verbringen, unzertrennlich wie „Philemon und Baucis“, laut Aussagen von Freundinnen und Freunden.

Im Sommer 1930 sendet Karl Ude ein erstes Manuskript an Eugen Roth, den Leiter der Lokalredaktion bei den Münchner Neuesten Nachrichten. 1932 bringt Rudolf Schmitt-Sulzthal Udes erste Novelle Das Ringen um die Franciscus-Legende im Tukan Verlag heraus. Seit 1933 schreibt Karl Ude für das Feuilleton, seit 1946 ist er auch für den Kulturteil der Süddeutschen Zeitung tätig. Eine weitere Novelle, Die Pferde auf Elsenhöhe, wird 1942 ausgezeichnet. Politisch hat sich der Autor in dieser Zeit nicht positioniert, wenngleich er die Kunst in seiner Erzählung deutlich über den Militarismus stellt. Christian Ude schreibt über den Vater, dass der sich in den „Elfenbeinturm der Kunst“ zurückgezogen hat.

Als Soldat ist Karl Ude zunächst bei der Truppenbetreuung und später bei der Brandwache eingeteilt. Mit seiner Frau und der Tochter Karin lebt er in der Bauerstraße. 1944 wird die Wohnung ausgebombt und die Familie in Garmisch-Partenkirchen untergebracht, ehe sie in das gegenüberliegende Haus in der Bauerstraße zieht. Seit 1946 publiziert Ude die Schriftenreihe Geistiges München, im gleichen Jahr wird er Mitherausgeber und Chefredakteur der Literarischen Monatsschrift Welt und Wort. 1947 kommt Sohn Christian auf die Welt, ein Gedicht zu dessen Geburt zeigt die intensive Auseinandersetzung des Vaters. Karl Ude besucht Kulturveranstaltungen, Ausstellungseröffnungen und Theaterpremieren, schreibt an Autoren und Herausgeber, um sie für die Zeitschrift zu gewinnen, diskutiert und spricht im Bekanntenkreis und der Familie über Literatur, verfasst Nachrufe und Verse zu Jubiläen und Jahrestagen. Er ist kein scharfer Kritiker, vielmehr begleitet er das kulturelle Leben der Stadt.

Ude redigiert in den 1960er-Jahren auch Artur Kutschers Wedekind-Biographie. 1966 gibt er mit Hermann Proebst den Band Denk ich an München. Ein Buch der Erinnerungen heraus. Unter anderem beteiligen sich Eugen Roth und Konstantin von Bayern mit Beiträgen, Wilhelm Emanuel Süskind berichtet von seinen Erinnerungen an das Haus von Thomas Mann. Karl und Renée Ude sind gern gesehene Gäste, gehören dem Seerosen- und Tukan-Kreis an. Als sich der befreundete Dichter Peter Paul Althaus zum Bürgermeister der „Traumstadt“ Schwabing ernennt, erhält Ude den Titel des „Ober-Ehrenbibliothecardinals“. Als „Kulturbummler“ streift er für seine Kolumne im Stadtanzeiger bis 1994 mehrere hundert Male durch München. Er gehört dem pädagogischen Beirat des Goethe-Instituts an und ist ebenfalls Mitglied im Ständigen Präsidium des Internationalen Kongresses deutschsprachiger Schriftsteller. Noch mit 91 Jahren schreibt er für die Zeitung und gilt als Deutschlands dienstältester Feuilletonist. Sein letzter Artikel trägt den programmatischen Titel Es lebe die Schwabinger Kunst!.

Am 1. April 1997 stirbt Karl Ude in München.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Simone Egger M.A.

Sekundärliteratur:

Ude, Christian (2002): Vorwort. In: Ude, Karl: Schwabing von innen. Kulturelle Essays. Mit einem Vorwort von Christian Ude. München, S. 9-15.

Karl Ude: Denk ich an München. Ein Buch der Erinnerungen. München 1966.


Externe Links:

Literatur von Karl Ude im BVB

Literatur über Karl Ude im BVB

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