Info
Geb.: 25. 6.1884 in Bad Höhenstadt
Gest.: 13.9.1957 in München
Wilhelm Diess, Haus der Kunst 1953 (Bayerische Staatsbibliothek München/Timpe)
Titel: Dr. jur.
Namensvarianten: Wilhelm Dieß

Wilhelm Diess

Wilhelm Diess wird im alten Schulhaus von Höhenstadt geboren; der Vater Johann Nepomuk Diess ist Lehrer und Schulleiter des Dorfes und versieht den Gemeindeschreiber- und Kirchendienst, die Mutter betreibt im Schulhaus einen kleinen Laden. Zusammen mit seinen zwei älteren Schwestern verbringt Wilhelm Diess im Dorf die frühen Kinderjahre. 1890 wird der Vater nach Pocking versetzt, wo Wilhelm bis 1894 die Volksschule besucht und vom Vater zusätzlich in Gesang, Klavier und Geige unterrichtet wird. Nach einem Jahr auf dem Passauer Gymnasium kommt Wilhelm Diess nach Landshut auf das Kgl. Humanistische Gymnasium, wo er 1904 das Abitur macht. Danach schreibt er sich an der Universität München für Rechtswissenschaften ein, hört aber auch Vorlesungen über altorientalische und altnordische Sprachen. Sein Studium finanziert er über Nachhilfestunden, Geige- und Orgelspiel, Singen in Kirchenchören und im Opern-Aushilfschor.

Nach abgeschlossenem Examen erhält Diess 1908 ein Promotionsstipendium, 1909 wird er zum Dr. jur. approbiert, im selben Jahr liegt auch seine erste dichterische Veröffentlichung vor (Das Lied vom Plöckenstein. Text und Musik von Willi Dieß). Diess macht das Staatsexamen, die Einberufung zur Staatsanwaltschaft des Landgerichtes Traunstein lehnt er indes ab, da er nicht Beamter sein will, sondern freier Rechtsanwalt beim Schriftsteller und Juristen Dr. Max Bernstein in München. Im Ersten Weltkrieg ist er dann vorwiegend an der Westfront eingesetzt, 1918 folgt die Entlassung aus der Armee als Oberleutnant.

Diess heiratet und eröffnet 1919 in München seine eigene Anwaltskanzlei. Mit urheber-, verlags-, theater- und standesrechtlichen Fragen vertraut, vertritt er im Prozess um die Novelle Etienne und Luise gegen den nationalistisch verbrämten Turnlehrer Loch den Schriftsteller Ernst Penzoldt, was die lebenslange Freundschaft zwischen den beiden Dichtern begründet. Für die Bayerische Staats- und die Reichsregierung nimmt Diess als Vertreter der Anwaltschaft auf Juristentagungen im Ausland teil; von parteipolitischem Engagement hält er sich jedoch fern, was sich noch darin äußert, dass Wilhelm Diess eine Einladung seines Regimentskameraden Adolf Hitler zum Besuch einer seiner Parteiveranstaltungen ablehnt.

1925 kauft Diess einen kleinen Bauernhof auf der Eck in Gmund am Tegernsee, auf den er sich zurückzieht und als Bauer tätig ist. Dort sind auch viele Bekannte aus der Gelehrten- und Künstlerwelt Münchens zu Gast: der Volksliedsammler Kiem Pauli, die Schriftsteller Ernst Penzoldt, Richard Billinger, Josef Hofmiller, Eduard Stemplinger, Elsa Bernstein, der Maler Thomas Baumgartner, der Verleger Ernst Heimeran, der Journalist Wugg Retzer. Die Geschichten, die Diess an lauen Sommerabenden zum Besten gibt, gehen später in sein erstes Buch Stegreif-Geschichten (1936) ein.

1933 wird er nicht mehr als Vertreter der Anwaltschaft bei Juristentagungen zugelassen und verliert sein Amt im Vorstand der Münchner Anwaltskammer, da seine Frau halbjüdischer Herkunft ist und Diess selbst der Freimaurerloge angehört. Als Anwalt kann er jedoch weiterarbeiten und Fachaufsätze veröffentlichen, in denen er seine Meinung gegen die NS-Ideologie kundtut. Zwar wird Diess noch zur Organisation Todt einberufen, er begibt sich aber mit Frau und Tochter auf den Michlbauernhof auf der Eck, wo er das Ende des Krieges abwartet. Im Herbst 1945 tritt Diess im Rang eines Ministerialrats ins Bayerische Justizministerium ein, wo er die Reorganisation der bayerischen Anwaltschaft und des Notariatswesens übernimmt. Vom Kultusministerium zur Generaldirektion der Bayerischen Staatstheater versetzt, kümmert er sich schließlich um den Wiederaufbau der Bühnenhäuser sowie des gesamten Theaterbetriebes. Am 31.8.1952, also erst mit über 68 Jahren, tritt er in den Ruhestand.

Diess lehrt an der Universität München Urheber- und Erfinderrecht, seit 1950 als Honorarprofessor. Seine Vorlesungen sind gut besucht, auch von Nicht-Juristen, in seinen Seminaren spricht neben Ernst Penzoldt auch einer der bedeutendsten spanischen Prosaschriftsteller des 20. Jahrhunderts, der Philosoph, Essayist und Soziologe José Ortega y Gasset.

Seit 1948 ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und gewählter Direktor der Abteilung Schrifttum, wird Diess im selben Jahr zum 1. Vorsitzenden des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege mit der Landesstelle für Volkskunde berufen, ein Amt, das er bis 1956 innehat. Von Theodor Heuss bekommt er 1956 außerdem das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Ein Jahr später stirbt Wilhelm Diess und wird auf dem alten Friedhof der St.-Georgs-Kirche in München begraben.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Göttler, Hans (2004): Wilhelm Diess (25.6.1884 – 13.9.1957). Ein eigener Mensch und Dichter. In: Schweiggert, Alfons; Macher, Hannes S. (Hg.): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Bayerland Verlag, Dachau, S. 118-120.


Externe Links:

Literatur von Wilhelm Diess im BVB

Literatur über Wilhelm Diess im BVB

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