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Geb.: 26. 2.1913 in Stuttgart
Gest.: 12.5.1998 in München
Hermann Lenz (rechts) im Gespräch mit Alfred Andersch, Juli 1975 (Bayerische Staatsbibliothek/Timpe)
Titel: Dr. phil., Dr. h.c.

Hermann Lenz

Hermann Lenz wächst in der Keltergasse in Künzelsau auf und studiert zunächst Theologie in Tübingen. Als er sich weigert, in die Studenten-SA einzutreten, schließt ihn die Studentenverbindung Luginsland aus, und er wechselt nach Heidelberg, wo er die Fächer Kunstgeschichte, Archäologie und Germanistik belegt. 1938 führt er sein Studium in München fort. Im Historischen Seminar lernt er die Professorentochter Hanne Trautwein kennen, die ihm zeitlebens als Lebens- und Arbeitspartnerin zur Seite steht.

Als Wehrmachtssoldat überlebt Hermann Lenz den Zweiten Weltkrieg mit dem Frankreich- und Russlandfeldzug, ohne auf einen anderen Menschen geschossen zu haben, und kommt als Kriegsgefangener kurze Zeit in die USA. 1946 heiratet er Hanne Trautwein.

Hanne promoviert in Kunstgeschichte, arbeitet 20 Jahre lang als Lektorin für den Klett-Cotta-Verlag und verdient so einen Teil des Lebensunterhalts, da Hermann Lenz in den Jahren von 1949 bis 1971 als Sekretär eines Kulturvereins und später des Württembergischen Schriftstellerverbandes nur ein geringes Gehalt bekommt. Beide leben im Haus von Lenz' Eltern in Stuttgart.

Hermann Lenz trotzt allen Versuchen von Verwandten und Freunden, ihn in einen nichtkünstlerischen Beruf zu drängen und das Schreiben als Berufung aufzugeben. Bei einer Lesung der Gruppe 47 im Jahr 1951 fällt er mit einer Erzählung durch, weil sie nicht dem Geschmack und den literarischen Vorstellungen der anderen Schriftsteller entspricht. In der Folge hält er Abstand zu der Literatenvereinigung.

In seinem neunteiligen autobiografischen Romanwerk Vergangene Gegenwart (1966-97) schildert er die deutsche Geschichte seiner Lebenszeit. Der Protagonist Eugen Rapp tritt dabei als Alter ego des Schriftstellers auf, die Figur Hanni Treutlein verkörpert seine Frau Hanne Trautwein. Wichtige Personen aus dem Leben Hermann Lenz' sowie aus der deutschen Öffentlichkeit der 1930er bis 1990er finden sich darin wieder, darunter Weggefährten, Kollegen und Freunde wie Peter Handke, Paul Celan, Horst Bienek und Hubert Burda.

Peter Handke setzt sich 1973 in dem Essay Einladung, Hermann Lenz zu lesen dafür ein, die Werke Lenz' neu zu entdecken und aus der Schublade „schwäbischer Regionalschriftsteller“ herauszuholen. Die Süddeutsche Zeitung publiziert diesen Aufsatz, der in der Folge von anderen Zeitungen und Zeitschriften nachgedruckt wird. Daraufhin findet sich ein breiteres Publikum, der Suhrkamp Verlag druckt alle bisherigen Bücher nach, und Hermann Lenz erhält eine Reihe von Literaturpreisen, darunter 1978 den Büchner-Preis, 1981 den Wilhelm-Raabe-Preis und den Franz-Nabl-Preis, 1987 den Petrarca-Preis, 1991 den Jean-Paul-Preis und 1995 den Literaturpreis der Stadt München. Darüber hinaus wird Lenz Träger des Bayerischen Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst und des Bayerischen Verdienstordens. 1964 wird er Mitglied des P.E.N., 1974 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, 1975 der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Das Land Baden-Württemberg verleiht ihm zudem die Ehrendoktorwürde.

1975 müssen Hermann und Hanne Lenz auf Druck seiner Schwester und deren Familie aus dem Elternhaus in Stuttgart ausziehen. Sie übersiedeln nach München und wohnen fortan im Schwabinger Haus von Hannes Eltern in der Mannheimer Straße. Bis zuletzt schreibend, stirbt Hermann Lenz am 12. Mai 1998.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

Sekundärliteratur:

Boeck, Alice (2004): Hermann Lenz (26.2.1913 – 12.5.1998). Ein Schwabe in München. In: Schweiggert, Alfons; Macher, Hannes S. (Hg.): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Bayerland Verlag, Dachau, S. 216f.


Externe Links:

Literatur von Hermann Lenz im BVB

Literatur über Hermann Lenz im BVB

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