Info
Geburtsjahr: 1542
in Bruck (Brüx in Böhmen)
Gest.: 25.11.1626 in Augsburg
Stich von J. Baltzer, Prag, nach einer Zeichnung von J. Kleinhard, 1772
Namensvarianten: Jakob Spanmüller (eigentl. Name)

Jacobus Pontanus

Jacobus Pontanus besucht das Jesuitengymnasium in Prag und tritt 1563 in den Jesuitenorden ein. Bereits 1566 geht er nach Ingolstadt, vier Jahre darauf, 1570, ist er mit seinen Mitbrüdern in Dillingen anzutreffen, wo er bis 1579 Humanitates und Rhetorik unterrichtet. Gemeinsam mit dem Dramendichter Wolfgang Starck gründet Pontanus 1582 das Augsburger St. Salvator-Kolleg, dessen Leitung er 20 Jahre lang innehat. Daneben lehrt er Poetik und Rhetorik, im Zuge dessen seine wegen ihrer didaktischen Vorzüge auch in protestantischen Kreisen einflussreichen Lehrbücher hervorgehen.

Seine berühmtesten Werke sind die Progymnasmata latinitatis (3 Bde., 1588-94) und die Poeticae Institutiones (1594), die ‚maßgebliche Poetik der Jesuiten‘, die sich durch „präzise, übersichtliche Stoffanordnung und die Gegenüberstellung röm.-antiker Beispiele mit eigenen Musterdichtungen aus[zeichnet] (v. a. komische ‚Ludi‘ u. ‚Dialogi‘, kurze Bibeldramen, geistl. Lieder u. Epigramme)“ und zum ersten Mal das neue Stilideal der „argutia“, der scharfsinnigen Kunst, vertraute Metaphern umzudeuten, an deutschen Schulen einführt (Barbara Bauer). Pontanus gestaltet darüber hinaus die „Ratio studiorum“, die Erziehungsvorschrift seines Ordens, mit.

Nicht weniger einflussreich ist seine Gedichtsammlung Floridorum libri octo (1595), die die Brücke von der geistlichen Dichtung des Mittelalters zu späteren Zeugnissen mystischer Frömmigkeit schlägt. Als wichtiger Repräsentant des jungen Jesuitentheaters muss Jacobus Pontanus ebenfalls gesehen werden. In seinem Stück Dialogus de connubii miseriis (1580) beispielsweise plädiert er für die Unterstützung von Studenten, die ihren Gönner, den wohlhabenden Humanisten Quirinus, für dessen Großzügigkeit preisen. Als sein bestes Drama gilt nach Hans Pörnbacher seine Immolatio Isaaci (1590), die Opferung Isaaks.

Neben dem Schreiben von Marienlyrik übersetzt und ediert Pontanus zudem griechische Schriftsteller und verfasst umfangreiche Kommentare zu Vergils Symbolarum libri XVII (1600) und Ovids Metamorphosen (1618), die u.a. Synopsen der Lehrmeinungen italienischer und französischer Humanisten darstellen. Auch gilt sein Interesse den byzantinischen Schriftstellern und orthodoxen Mönchen, was sich darin niederschlägt, dass Pontanus deren Chroniken und aszetische Schriften in griechisch-lateinischen Editionen zugänglich macht.

Zahlreiche Briefe von Pontanus sind in der Bayerischen Staatsbibliothek erhalten: Epistolae (Clm 1960, 1610, 1612, 1613, 1615, 1617).

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Bauer, Barbara: Pontanus, Jacobus. In: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 615f., URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd100250769.html#ndbcontent, (14.06.2017).

Blum, Paul Richard (1993): Jacobus Pontanus SJ. In: Füssel, Stephan (Hg.): Deutsche Dichter der frühen Neuzeit. Berlin, 626-635.

Müller, Johannes (1930): Das Jesuitendrama in den Ländern deutscher Zunge vom Anfang (1555) bis zum Hochbarock (1665). Bd. 2 (Schriften zur deutschen Literatur für die Görresgesellschaft, 8). Benno Filser Verlag, Augsburg, S. 7f.

Pörnbacher, Karl (2002): Schwäbische Literaturgeschichte. Tausend Jahre Literatur aus Bayerisch Schwaben. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn, S. 137f.


Externe Links:

Literatur von Jacobus Pontanus im BVB

Literatur über Jacobus Pontanus im BVB

Jacobus Pontanus in der DDB

Jacobus Pontanus in der Deutschen Biographie

Jacobus Pontanus im Augsburger Stadtlexikon