Militärdienst

Kaum in Deutschland angelangt, musste ich zum Militär einrücken. Ich wurde nicht schlecht behandelt. Aber es war grauenvoll, den Befehlen anderer unterworfen, sinnlose Dinge zu tun, die meiste Zeit zwecklos auf dem Kasernenhof herumzustehen, aus schmutzigen Häfen Zeug zu essen, das mir nicht bekam.

(Lion Feuchtwanger: Centum Opuscula, a.a.O., S. 368)

Lion Feuchtwanger widmet seiner Einberufung als kaiserlicher Rekrut nur einen kurzen Absatz in seinem Text Selbstdarstellung. Marta Feuchtwanger schildert die Militärzeit ihres Mannes ausführlich in ihren Erinnerungen.

Lion war sehr kurzsichtig. Bei dem kalten, regnerischen Wetter lief die Brille oft an; so grüßte er alle und jeden, der eine Uniform trug, auch die Briefträger und Bankboten. [...] Die Rekruten marschierten mit ihren Gewehren schlitternd und rutschend, und der Vordermann schlug dem Hintermann sein Gewehr um die Ohren. Einmal fiel Lion dabei die Mütze vom Kopf. Er wusste nicht, ob er sie aufheben sollte. Einerseits musste das königliche Gut erhalten bleiben, doch andererseits fiel er aus der Formation. Er wählte das letztere.

Weil er missmutig hinter den anderen herlief und sehr verloren wirkte, erweckte er das Mitleid zweier alter Frauen. Sie schenkten ihm zum Trost eine Brezn. Zufällig wurde Feuchtwangers Missgeschick von Erich Mühsam beobachtet, der sich das Lachen nicht verkneifen konnte. Selbst vom Militärdienst befreit, erlebte er nun den gefürchteten Kritiker Feuchtwanger in dieser peinlichen Situation.

Mühsam hatte in der Torggelstube von diesem Erlebnis erzählt. Er war, obwohl er spontan gelacht hatte, wie alle andern unwillig über die Art, mit der Lion behandelt wurde.

(Marta Feuchtwanger: Nur eine Frau, a.a.O., S. 92ff.)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Gunna Wendt

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