Heimito von Doderer / Heimfahrt zur Geliebten

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Heimito von Doderer, Jahressitzung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste am 10. Juli 1964 (Bayerische Staatsbibliothek/Timpe).

Unzählige Soldaten-Transporte auf der Schiene sieht der Weidener Bahnhof seit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges. Abkommandierte und in den Fronturlaub fahrende Offiziere fahren aber auch alleine – wie der Luftwaffen-Hauptmann und österreichische Schriftsteller Heimito von Doderer (1896-1966) im Winter 1944: Heimito von Doderer, der später mit seinem Roman Die Strudlhofstiege (1951) und seiner Chronik Die Dämonen (1956) in der österreichischen Literatur einen klassischen Platz einnimmt.

Seit seiner Einberufung zur Wehrmacht in Wien 1940 führt er Tagebuch. Ab November 1944 ist der „Prüfoffizier für Offiziersbewerber der Luftwaffe“ im „Kloster-Gasthof“ des Zisterzienserstifts Waldsassen stationiert.

Mit der Eisenbahn fährt er (über Wiesau – Weiden) nach Landshut zu seiner Geliebten und späteren zweiten Ehefrau Emma Maria („Mienzi“) Thoma, der Nichte des bayerischen Schriftstellers Ludwig Thoma, bzw. in seine Heimatstadt Wien.

Die Eisenbahn gehört übrigens im Werk Doderers „zu den zentralen Bildern“. Sie ist eines der zentralen metaphorischen Substrate. Nicht zufällig ist sein Vater Wilhelm Eisenbahnbauer („Karawankenbahn“).

(Heimito von Doderer: Tangenten. Tagebuch eines Schriftstellers. 1940-1950. München 1964, S. 253ff.)


Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Baron, Bernhard M. (2011): Doderer in Waldsassen 1944/45. Zum 115. Geburtstag. In: Heimat – Landkreis Tirschenreuth 23 (Pressath), S. 5-10.



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