Montmartre – Maxvorstadt

Kabarett verbreitet sich um die Jahrhundertwende auch im deutschsprachigen Raum. Inspiriert wird es vom „cabaret“ im Pariser Künstlerviertel Montmartre mit dem ersten offiziellen „cabaret artistique“ namens Le Chat Noir, eröffnet 1881.

In Berlin wird Ernst von Wolzogen inspiriert von Otto Julius Bierbaums Kulturszene-Schlüsselroman Stilpe aus dem Jahr 1897 und gründet das Überbrettl. Felix Salten eröffnet in Wien die Bühne Zum lieben Augustin. „Deutschlands künstlerisches Zentrum war jedoch zur Jahrhundertwende München. Hier im malerischen Schwabing, nahe dem Englischen Garten, sammelten sich die Musensöhne: Musiker, Maler, Weltverbesserer, Sektierer und Originale der verschiedensten Couleur in den zahlreichen Cafés. Zur gleichen Zeit bot dieses Bohemeviertel, das von ferne an Montmartre erinnerte, auch recht verschiedenen Heimatlosen Zuflucht – von Thomas Mann bis Lenin“, so Lisa Appignanesi in ihrem Buch Das Kabarett. Sie bezieht sich nicht zuletzt auf die hier entstehenden Kabarettbühnen in der Maxvorstadt, Elf Scharfrichter im Hinterraum der Münchner Kneipe Zum goldenen Hirschen, seit 1901, und Simplicissimus, gegründet 1903.

Joachim Ringelnatz hat 1909 ein für den damaligen Bohemegeist beider Bühnen exemplarisches Simplicissimus-Lied geschrieben, das so beginnt:

Mitternacht ist's. Längst im Bette
Liegt der Spießer steif und tot,

Ja, dann winkt das traulich nette
Simpl-Gasglüh-Morgenrot.

Und mich zieht's mit Geisterhänden,
Ob ich will oder nicht, ich muss
Nach den bildgeschmückten Wänden
in den Simplicissimus.

(Quelle: Diehl, Walther [2008]: Die Künstlerkneipe Simplicissimus. Geschichte eines Münchner Kabaretts. München.)

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Thomas Steierer

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