Jacques Tüverlin

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Lion Feuchtwanger 1909 in München

Als Johanna Krain am Tag nach der Verurteilung ihres Freundes durch die Isarauen geht, wird sie von vier jungen Burschen belästigt. Zu Hilfe kommt ihr „ein magerer Herr in einem guten, hellen Anzug mit einem scharfen, rotblonden Kopf“, dem der Autor autobiografische Züge verliehen hat. Er stellt die Männer zur Rede und geht sofort zum tätlichen Angriff über.

Der Herr scheint Jiu-Jitsu gelernt zu haben, doch nicht genügend. Jedenfalls liegt er sogleich am Boden, die vier hauen und puffen auf ihn ein. „Was geht Sie das überhaupt an?“ schreien sie. Und „Sie sind wohl der Lude von der Dame?“ schreit einer.

(Lion Feuchtwanger: Erfolg, a.a.O, S. 134)

Weil er sich nicht mehr rührt, lassen die Schläger von ihm ab und verschwinden. Nun nähern sich einige Passanten, die sich vorher in sicherer Entfernung gehalten haben, weil sie mit einer Rauferei nichts zu tun haben wollten. Der mutige Retter richtet sich auf mit der Frage: „Habe ich das nicht geschickt gedreht?“ und erklärt Johanna Krain seine Taktik:

„Nachdem der erste Griff zu tief war, konnte ich doch nichts mehr machen“. [...] „Natürlich war es dann das Klügste, die Augen zuzuhalten und den toten Käfer zu spielen.“ Er humpelte noch stark. „Hätten Sie es für mutiger gehalten, wenn ich mich noch mehr hätte verprügeln lassen?“

(Ebda., S. 136ff.)

Gern würde er wissen, worum es bei ihrem Streit mit den Männern ging, denn er sei „von Natur neugierig.“ Doch Johanna Krain schweigt, während sie ihn zu seinem Auto bringt. Ihr Angebot, ihn nach Hause zu begleiten, lehnt der distinguierte Herr ab, nutzt den Abschied jedoch dazu, sich vorzustellen:

„Ich heiße Jacques Tüverlin. [...] Wenn es Ihnen Spaß macht, können Sie sich nach meinem Befinden erkundigen. Ich stehe im Telefonverzeichnis.“

(Ebda., S. 137)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Gunna Wendt

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