Lesung zum Jubiläumsauftakt des Wepsert-Kollektivs
Zum Auftakt seines bald anstehenden 10-jährigen Jubiläums veranstaltete das feministische Kollektiv Wepsert am 16. Juli 2026 zwei Leseabende im Münchner Kreativquartier. Organisiert und moderiert wurde die Veranstaltung von Sara Gómez.
*
Tür und Fenster in dem Gebäude an der Dachauer Straße 116 sind weit geöffnet, damit wenigstens ein Hauch kühler Luft durch den Flur ziehen. Im 2. Stock des Hauses im Münchner Kreativquartier ist eine temporäre Bühne aufgebaut. Die Klappstuhlreihen können nicht allen Gästen des Abends Platz bieten. Trotz der Hitze sind über dreißig Menschen gekommen, um den beiden jungen Autorinnen Alisha Gamisch und Sasha Lavrenchuk zu lauschen. Am Abend zuvor sind bereits Annegret Liepold und Rebecca Faber hier aufgetreten. Die Veranstaltung wird vom Kulturreferent München gefördert.
Wepsert sein
Die Autorin Sara Gómez, Gründungsmitglied und Vorständin von Wepsert, führt durch den Abend. Das 2017 gegründete feministische Kollektiv schreibender Frauen wählte dieses bayerische Adjektiv zum Namen. Wepsert bedeutet laut der Website des Kollektivs „unruhig, zappelig, angriffslustig, lüstern oder scharf“. All das wollen die Mitarbeitenden sein. Sie richten sich „gegen die derzeitige Machtverteilung“, haben Lust auf „Schreiben und Zeigen“, bieten „FLINTA (Frauen, Lesben, Inter, Nicht-binär, Trans und Agender)“ eine Plattform, um sich besser sichtbar zu machen. Neben dem Blog auf der Website und Essays, u.a. hier im Literaturportal Bayern, treten die Vertreterinnen der Wepsert-Crew auch als „Referent:innen zu … kulturellen und feministischen“ Themen auf und bieten Workshops in den Bereichen des kreativen Schreibens und der feministischen Selbstbehauptung an.
An diesem Abend stellt zunächst Alisha Gamisch ihren Roman Parasiti (2026) vor. Darin geht es um drei Generationen familiär verbundener Frauen, Gesagtes und ungesagt Weitergegebenes, Verbindendes wie Fesselndes zwischen Großmutter, Tante und Erzählerin. Im Gespräch berichtet die in Tegernsee geborene und mittlerweile in Berlin lebende Autorin von der Häufigkeit von Schwangerschaftsabbrüchen in der ehemaligen Sowjetunion (aus der die Familie im Roman stammt), in der Verhütungsmittel nur schwer erhältlich gewesen seien. Gesellschaftliche Akzeptanz hätten abtreibende Frauen allerdings nicht erfahren. Dies ist auch im Roman ein zentrales Motiv. Am Ende des Buches seien nur die Frauen übrig, aber die männlichen Figuren sieht die Autorin dennoch als wichtig an sowie die Frage, wo und warum die Frauen sich selbst behinderten.
Die Sprache, die bleibt
Die ukrainische Lyrikerin Sasha Lavrenchuk ist aufgrund des Kriegs in der Ukraine von Kijiw nach München geflohen. Sie trägt eine Reihe ihrer Gedichte in verschiedenen Sprachen vor. Das erste, schon ältere, schrieb sie noch in ihrer Muttersprache Russisch. Mehrere weitere sind auf Ukrainisch verfasst, eine Reihe der jüngsten auf Englisch. Lavrenchuk, die auch aus dem Englischen übersetzt, fühlt sich in beiden Sprachen gleichermaßen beheimatet. Sie schließt nicht aus, dass sie irgendwann auch auf Deutsch schreiben wird.
Ihre Gedichte vermögen es sehr eindrucksvoll, innere Zustände auf knappem Raum mit der Welt in Beziehung zu setzen. Manche sind dabei, auch aufgrund ihrer Kriegs- und Fluchterfahrung, sehr bewegend und dem erebos (altgriechisch für „Dunkelheit“) zuzuordnen. In der letzten Zeit, sagt die Autorin, tendiere sie wieder mehr zu lux (lateinisch für „Licht“), dem Leichten und Hellen. Den nur auf Englisch vorgetragenen Texten mit ihrem Witz folgt das von der Hitze spürbar ermattete Publikum nur noch zum Teil.
Von Gómez befragt, warum sie (fast) ausschließlich Lyrik verfasse, antwortet Lavrenchuk, dass sei die Sprache, in der sie mit sich selbst spreche und die bleibe, egal in welcher Sprache sie Gedichte schreibe. In der Lyrik sei sie im Gespräch mit sich selbst, an ihr wachse sie. Gamisch, die am Ende auch ein Gedicht vorträgt, betont, dass für sie die Grenze zwischen Lyrik und Prosa ohnehin fließend sei. In den Gedichten jedoch schreibe sie formbewusster.
Lesung zum Jubiläumsauftakt des Wepsert-Kollektivs>
Zum Auftakt seines bald anstehenden 10-jährigen Jubiläums veranstaltete das feministische Kollektiv Wepsert am 16. Juli 2026 zwei Leseabende im Münchner Kreativquartier. Organisiert und moderiert wurde die Veranstaltung von Sara Gómez.
*
Tür und Fenster in dem Gebäude an der Dachauer Straße 116 sind weit geöffnet, damit wenigstens ein Hauch kühler Luft durch den Flur ziehen. Im 2. Stock des Hauses im Münchner Kreativquartier ist eine temporäre Bühne aufgebaut. Die Klappstuhlreihen können nicht allen Gästen des Abends Platz bieten. Trotz der Hitze sind über dreißig Menschen gekommen, um den beiden jungen Autorinnen Alisha Gamisch und Sasha Lavrenchuk zu lauschen. Am Abend zuvor sind bereits Annegret Liepold und Rebecca Faber hier aufgetreten. Die Veranstaltung wird vom Kulturreferent München gefördert.
Wepsert sein
Die Autorin Sara Gómez, Gründungsmitglied und Vorständin von Wepsert, führt durch den Abend. Das 2017 gegründete feministische Kollektiv schreibender Frauen wählte dieses bayerische Adjektiv zum Namen. Wepsert bedeutet laut der Website des Kollektivs „unruhig, zappelig, angriffslustig, lüstern oder scharf“. All das wollen die Mitarbeitenden sein. Sie richten sich „gegen die derzeitige Machtverteilung“, haben Lust auf „Schreiben und Zeigen“, bieten „FLINTA (Frauen, Lesben, Inter, Nicht-binär, Trans und Agender)“ eine Plattform, um sich besser sichtbar zu machen. Neben dem Blog auf der Website und Essays, u.a. hier im Literaturportal Bayern, treten die Vertreterinnen der Wepsert-Crew auch als „Referent:innen zu … kulturellen und feministischen“ Themen auf und bieten Workshops in den Bereichen des kreativen Schreibens und der feministischen Selbstbehauptung an.
An diesem Abend stellt zunächst Alisha Gamisch ihren Roman Parasiti (2026) vor. Darin geht es um drei Generationen familiär verbundener Frauen, Gesagtes und ungesagt Weitergegebenes, Verbindendes wie Fesselndes zwischen Großmutter, Tante und Erzählerin. Im Gespräch berichtet die in Tegernsee geborene und mittlerweile in Berlin lebende Autorin von der Häufigkeit von Schwangerschaftsabbrüchen in der ehemaligen Sowjetunion (aus der die Familie im Roman stammt), in der Verhütungsmittel nur schwer erhältlich gewesen seien. Gesellschaftliche Akzeptanz hätten abtreibende Frauen allerdings nicht erfahren. Dies ist auch im Roman ein zentrales Motiv. Am Ende des Buches seien nur die Frauen übrig, aber die männlichen Figuren sieht die Autorin dennoch als wichtig an sowie die Frage, wo und warum die Frauen sich selbst behinderten.
Die Sprache, die bleibt
Die ukrainische Lyrikerin Sasha Lavrenchuk ist aufgrund des Kriegs in der Ukraine von Kijiw nach München geflohen. Sie trägt eine Reihe ihrer Gedichte in verschiedenen Sprachen vor. Das erste, schon ältere, schrieb sie noch in ihrer Muttersprache Russisch. Mehrere weitere sind auf Ukrainisch verfasst, eine Reihe der jüngsten auf Englisch. Lavrenchuk, die auch aus dem Englischen übersetzt, fühlt sich in beiden Sprachen gleichermaßen beheimatet. Sie schließt nicht aus, dass sie irgendwann auch auf Deutsch schreiben wird.
Ihre Gedichte vermögen es sehr eindrucksvoll, innere Zustände auf knappem Raum mit der Welt in Beziehung zu setzen. Manche sind dabei, auch aufgrund ihrer Kriegs- und Fluchterfahrung, sehr bewegend und dem erebos (altgriechisch für „Dunkelheit“) zuzuordnen. In der letzten Zeit, sagt die Autorin, tendiere sie wieder mehr zu lux (lateinisch für „Licht“), dem Leichten und Hellen. Den nur auf Englisch vorgetragenen Texten mit ihrem Witz folgt das von der Hitze spürbar ermattete Publikum nur noch zum Teil.
Von Gómez befragt, warum sie (fast) ausschließlich Lyrik verfasse, antwortet Lavrenchuk, dass sei die Sprache, in der sie mit sich selbst spreche und die bleibe, egal in welcher Sprache sie Gedichte schreibe. In der Lyrik sei sie im Gespräch mit sich selbst, an ihr wachse sie. Gamisch, die am Ende auch ein Gedicht vorträgt, betont, dass für sie die Grenze zwischen Lyrik und Prosa ohnehin fließend sei. In den Gedichten jedoch schreibe sie formbewusster.
