https://www.literaturportal-bayern.de/images/lpbplaces/2016/klein/Rueckert_Steckbrief_164.jpg
Friedrich Rückert auf einer Zeichnung seines Freundes Carl Barth, 1818

Erlangen, Goethestraße 5-7

https://www.literaturportal-bayern.de/images/lpbplaces/2016/klein/Goethestrae_500.jpg
Goethestraße 5-7 in Erlangen, die zweite Wohnung der Familie Rückert (c) Literaturportal Bayern

Am 21. Oktober 1826 wurde Dr. Friedrich Rückert auf den Lehrstuhl für orientalische Sprachen an der Königlichen Universität Erlangen berufen. Im November 1826 folgte der Umzug der Familie Rückert von Coburg nach Erlangen, der Heimat von Luise Rückerts Mutter. Die erste Wohnung lag in der Dreikönigstraße 1-3. Nach dem elterlichen Haus in Coburg und vor allem dem Gut in Neuses fand Luise die Wohnverhältnisse für die große Familie mit vier Söhnen zu eng. Immerhin gab es vier Zimmer nach vorne, zur Straße zu. Aber Rückert, der zu Hause arbeitete und dort auch seine Studenten unterrichtete, brauchte mehr Platz.

Schon im Oktober 1827 nützte Luise die Abwesenheit ihre Mannes, der bei seinen Eltern in Schweinfurt die Weinlese mitmachte, für einen Umzug. Die neue Wohnung lag gleichsam auf der anderen Seite des Hofes. Rückerts hatten die Wohnung im 1. Stock gemietet. Der Hausbesitzer, Joh. Adam Pauli, wohnte im selben Haus, was sich auf Dauer als nicht sehr günstig erwies. Immerhin gab es einen Hof und nette Nachbarn. In diesem Haus wurde am 4.1.1829 der fünfte Sohn geboren, Ernst Wilhelm Moritz, und am 25.6.1830 die erste Tochter, Emilie Luise Therese. Für die große Familie wurde das Quartier zu eng, außerdem gab es Reibereien mit dem Hauswirt. So war Luise erleichtert, als ihnen eine größere Wohnung angeboten wurde, die Südliche Stadtmauerstraße 28, zu der der Spaziergang noch führen wird.

Luise Rückert als Braut, gemalt von Carl Barth 1821 (c) Literaturportal Bayern

Rückerts Berufung an die Universität war für ihn eine zwiespältige Angelegenheit. Eigentlich wollte er immer lieber "lernen, nicht lehren" und der Spagat zwischen seinen Begabungen als Dichter und Wissenschaftler schien für ihn kräftezehrend zu sein:

Auf dem Lehnstul der Poesie
Und dem Lehrstul der Philologie
Wollt' ich sitzen zugleich;
Ich habe mich, das seh' ich jetzt,
Zwischen zwei Stühle niedergesetzt,
Und sitze da nicht weich.

Allerdings waren die Erlanger Jahre äußerst produktiv, hier entstand ein Großteil der zu Lebzeiten publizierten Werke, von "Schi-King", den "Brahmanischen Erzählungen" bis zu den sechs Bänden "Weisheit des Brahmanen". Hier lehrte Rückert außerdem Sanskrit, Tamulisch, Armenisch und lernte weitere 8 orientalische Sprachen, hier publizierte er wissenschaftlich und veröffentlichte Poetisches in Almanachen und Zeitschriften, vor allem erschien die erste große Gedichtsammlung in 6 Bänden. Das lag auch an den positiven Wechselwirkungen zwischen Kunst und Wissenschaft: "Wie Poesie und Philologie einander zu fördern und zu ergänzen vermag, hat mein Hariri gezeigt. (...) Was philologisch verfehlt ist, vergibst du poetischer Freiheit, und die poetische Schuld schenkst du der Philologie."


Zur Station 3 von 6 Stationen


 

 

Verfasser: Erlanger Rückert-Kreis / Literaturportal Bayern

Verwandte Inhalte