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Odeonsplatz

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Feldherrnhalle auf dem Odeonsplatz, 1925 (c) Bayerische Staatsbibliothek / Bildarchiv

Entlang der Ludwigsstraße nähern Sie sich der nächsten Station Odeonsplatz. Ludwig I. hat den prachtvollen Boulevard mit Gebäuden der Architekten Leo von Klenze und Ludwig von Gärtner in einheitlichem Stil säumen lassen.

Herr Hessreiter war jetzt auf den Odeonsplatz gelangt. Vor ihm hob sich die Feldherrnhalle, eine Nachbildung der Florentiner Loggia dei Lanzi, errichtet den beiden größten bayerischen Feldherren, Tilly und Wrede, von denen der eine kein Bayer und der andere kein Feldherr war. Herrn Hessreiter, sooft er die Feldherrnhalle sah, gab es einen kleinen Stich. Er erinnerte sich, welche Freude er als ganz junger Mensch gehabt hatte an dem schönen Bauwerk, das der Architekt Gärtner mit sicherem Takt als Abschluß der Ludwigstraße hingesetzt hatte. Aber schon als Knabe hatte er miterleben müssen, daß man auf die Treppenwangen zwei schreitende Löwen setzte, die strenge, vertikale Wirkung des Bauwerks zerstörend. Später dann hatten die Hammel die Rückwand der Halle mit einer blöden, akademischen Aktgruppe verhunzt, dem sogenannten Armeedenkmal. (Erfolg, S. 36)

Die Feldherrnhalle ist ein wichtiger Ort im Roman. Mit dem Marsch auf die Feldherrnhalle versuchte die nationalsozialistische Bewegung um Adolf Hitler 1923, durch einen Putsch an die Macht in Bayern zu gelangen. Auf dem Odeonsplatz stellte sich die Bayerische Landespolizei den rund 2000 Aufrührern entgegen. Bei der bewaffneten Auseinandersetzung kamen durch Schüsse 16 Putschisten und vier Polizisten ums Leben.

   

Der Hitlerputsch am 9. November 1923 auf dem Odeonsplatz (c) Bayerische Staatsbibliothek / Bildarchiv

Diese Ereignisse finden in Erfolg Eingang:

Es war ein ansehnlicher Zug, bestehend freilich zumeist aus sehr jungen Leuten. Kutzner und Vesemann schritten voran [...] und indem man marschierte, siegte man. Heute eroberte man München, morgen Bayern, in einer Woche das Reich, in einem Monat die Welt. Am Straßenrand standen Leute, winkten, schrien Heil. [...] An der Ludwigsbrücke stand Polizei. Es waren schäbige zwölf Mann. Auf den Pfiff eines Offiziers warfen sich die ersten zwei Reihen der Wahrhaft Deutschen auf die Polizisten, spuckten sie an, entwaffneten sie, überwältigten sie, führten sie ab. Der alte Lechner schaute angeregt; so war das, wenn man siegte. [...] Weiter. Perusastraße, zur Residenz, zur Feldherrnhalle. [...] Um die Feldherrnhalle herum kommt Reichswehr. Gehört sie zu uns oder zu den anderen? Ein Knattern. Die schießen ja. Wer schießt? Einige fallen um. [...] Die Schießerei hatte keine zwei Minuten gedauert. Vor den ersten Kugeln der Reichswehr war der ganze Zug zerstoben. [...] Viele Verwundete lagen, achtzehn Tote auf dem Odeonsplatz. (Erfolg, S. 780)

Adolf Hitler und der Aufstieg der Nationalsozialisten wird im Roman wenig verschlüsselt in der Figur Rupert Kutzners und der Bewegung der Wahrhaft Deutschen dargestellt. Ludendorff ist in der Figur Vesemann verewigt. Kutzner ist Monteur, stellungslos, und stammt aus dem kleinbürgerlichen Umfeld des Münchner Gärtnerplatzviertels. Er zieht mit seinen harten, aber einfachen Thesen zuerst den Stammtisch im Restaurant Gaisgarten auf seine Seite und erringt schnell lokale Berühmtheit.

Mit heller, manchmal leicht hysterischer Stimme deklamierte er; mühelos von langen, blassen Lippen flossen ihm die Worte; mit eindringlichen Gesten, wie er sie predigenden Landpfarrern abgesehen hatte, unterstützte er seine Rede. Man hörte ihm gerne zu, er hatte Gesichtspunkte, unter denen sich die Dinge des Staates und des Tages bequem bereden ließen. Schuld an allem Bösen war das Zinskapital, war Juda und Rom. (Erfolg, S. 217)

 Adolf Hitler wird im Roman in der Figur des Monteurs Rupert Kutzner dargestellt. Hier auf einer Zeichnung aus dem Jahr 1926. (c) Bayerische Staatsbibliothek / Bildarchiv


 

Die nächste Station Am Platzl erreichen Sie, wenn Sie die Theatinerstraße weitergehen, den Max-Joseph-Platz mit der Bayerischen Staatsoper überqueren und links in die Maximiliansstraße abbiegen. Über den Hofgraben rechts kommt man zum Alten Hof, der ersten Residenz der Wittelsbacher in München, und dann links über die Pfisterstraße zum Platzl, wo heute Alfons Schuhbeck kocht und das berühmte Münchner Hofbräuhaus steht.

 


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Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Veronika Schöner

Externe Links:

Der Hitlerputsch im Historischen Lexikon Bayerns

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