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Georg Britting im Juni 1952 (Bayerische Staatsbibliothek/Timpe)

Frauenplatz 9, Bratwurstglöckl am Dom

Britting liebt die Altmünchener Wirtshauskultur, weshalb bei ihm abends außer Haus gegessen wird. Auch später, zusammen mit seiner Frau, wird allabendlich außer Haus gegessen: „Wo gehen wir heute Abend hin?“ ist eine der „im Laufe eines Vierteljahrhunderts wohl am öftesten von mir gestellte Frage an Britting“, so Ingeborg Britting. Ein Freund nennt diesen einen geselligen Menschen, der vor allem die Geselligkeit in den Kneipen liebt: „Das ist unverbindlich [...], in der Kneipe kann ich mich mit jedermann zusammenfinden. Ich trinke und esse, was mir schmeckt, bin auf keine missratenen Gerichte der Hausfrauen angewiesen und brauche mich nicht zu revanchieren“. Britting bevorzugt vor allem Hausmannskost, so seine Ehefrau. Diese Vorliebe für vor allem kostengünstige Gerichte macht es möglich, dass sich beide das allabendliche Ausgehen auch in den wirtschaftlich schwierigen Nachkriegsjahren leisten können.

Die allabendlichen Ausgänge verbinden sich oft mit dem großen Freundes- und Bekanntenkreis Brittings, woraus sich unzählige Stammtische in unterschiedlichen Lokalen ergeben. Einige von Brittings Freunden verstehen diese Neigung nicht, sie haben Haus und Familie. Aber Britting und seine Frau, als ein Paar, das sein Leben der Kunst gewidmet und kaum etwas von dieser Bürgerlichkeit an sich hat, stehen jeden Abend wieder vor der Wahl zwischen bürgerlichen Lokalen, Stammtischen, Vorstadt-Kneipen, Biergärten oder Weinstuben.

Das renommierte Bratwurstglöckl an der Frauenkirche, Frauenplatz 9, ist eines davon. Britting mag das Bier, das dort ausgeschenkt wird und obwohl es meistens vollbesetzt ist, verbringt das Ehepaar dort die ruhigeren Abende, an denen nicht viele Freunde zum Stammtisch vorbei kommen. Brittings Witwe beschreibt die Atmosphäre im Bratwurstglöckl als gemütlich, trotz der verrauchten Luft und des großen Andrangs. Doch mit der Zeit tauchen auch hier immer mehr Freunde Brittings auf. Da das Lokal abends gut besucht ist, muss man sich dem strengen Diktat der altgedienten Kellnerinnen unterwerfen, die einen auf jeden noch freien Platz dazusetzen, was bei Britting und seiner Frau zu neuen Kontakten und Bekannten führt. „Wenn ich nur mit Dichtern, Professoren und Schauspielern verkehren wollte, stürbe ich vor Langeweile“, sagt Britting dazu einmal. Einen dieser neuen Bekannten nennt er in Anlehnung an Goethes Bühnenmeister ‚Mieding‘, einen um 60 Jahre alten Herren. In seinen etwas abgetragenen Anzügen sitzt er meist vor sparsamem Essen und Trinken und beobachtet die Gäste. Als Britting und seine Frau ihm eines Tages am Tisch gegenübersitzen, entwickelt sich auch hier zwischen Britting und Mieding eine Art von Wirtshausfreundschaft. Britting zahlt ihm Laufe der Zeit nun oft seine Rechnung im Bratwurstglöckl. Aber trotz der bescheidenen Verhältnisse Miedings lässt dieser es sich von nun an nicht nehmen, Britting an seinen Geburtstagen eine Flasche Himbeergeist zu überreichen.

In der Schenke

Wenn der fliederblaue Himmel
Einstürzt und die Pflastersteine
Rot sich spiegeln in dem Scheine
Früher Radfahrerlaternen,

Würzt der Wein
Den Abend. Der die Stunden kürzt,
Der Rausch, tritt schwankend und bekränzt zu uns herein,
Der die tollen und die vollen Köpfe und die hohlen Flaschen stürzt.

 


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Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Anna Keil

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