1921 zieht Georg Britting von Regensburg nach München und – so bemerkt es der Literaturwissenschaftler Walter Schmitz – „lebt von jetzt an als freier Schriftsteller mit schmalen Einkünften“. Britting etabliert sich allerdings in der Münchener Schriftsteller-Szene, wird Autor des LangenMüller Verlages sowie später des Nymphenburger Verlages. Münchener Lokalprominenz wie Paul Alverdes, Eugen Roth, Ernst Penzoldt, Hanns Braun, Hans Carossa und viele andere zählen zu seinen Freunden. Wenige Jahre nach der Veröffentlichung seines Gedichtbandes Der irdische Tag, welcher ihm nicht nur den Münchener Literaturpreis, sondern auch den Titel des Begründers der Naturmagischen Schule einbringt, lernt Britting 1938 seine zukünftige Frau Ingeborg Fröhlich kennen. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg muss er schreiben, um sich sein Brot zu verdienen, und oft genug bleibt während der Kriegsjahre seine Wohnung kalt und der Magen leer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist Britting von den Entnazifizierungsmaßnahmen nicht betroffen, sein Briefwechsel mit Alex Wetzlar berichtet aber von seiner entbehrungsreichen, von Hunger und Krankheit geprägten Zeit während des Krieges: „Noch ein paar Jahre Krieg, nicht die einfachsten Freuden des Lebens, keine Zigarette mehr und kein Glas Wein [...]. Das ist dann ein Leben gewesen. Und nicht nur das eines Außenseiters, sondern von uns allen. Ich bemühe mich, forsch es zu tragen. Es gelingt mir nicht immer“. Gerade die Währungsreform nach Kriegsende bedeutet für Britting einen erheblichen finanziellen Verlust. Häufig äußert er in dieser Zeit die Sorge, es werde nie wieder so wie vor dem Krieg werden. Bald nach Kriegsende erscheint der Gedichtband Die Begegnung, eine Sammlung von Todessonetten, eindringlichen Gedichten von Natur und reifer Perspektive auf Themen wie Leben und Tod.

Die Anerkennung kommt für Georg Britting erst spät im Leben. Zu seinem sechzigsten Geburtstag bekommt er von der Stadt München Ehrungen und in der Altstadt eine Wohnung. Sein Gedichtband Unter hohen Bäumen erscheint, und er wird Mentor für junge Lyriker in München. Britting wird nun auch Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und erhält das Große Bundesverdienstkreuz sowie den Bayerischen Verdienstorden.

Zu dem Werk Die deutschen Lande – Ein Bildwerk aller deutschen Landschaften in Einzelbänden (Bd. Bayern II „Bayern – Donaulande / München bis Oberpfalz“) schreibt Britting das Vorwort „Das Alles ist Bayern...“. Über München ist darin zu lesen: „Es ist eine wunderbare Stadt, mit den Kupferhauben der Frauentürme; und die München lieben, sagen gern von ihm, es sei ein großes Dorf geblieben, und sagen: Gottseidank!“ Er spricht von München als einer Stadt, die „eine Stadt der Künste ist“ und sich dennoch ihr „Bäuerliches behalten [hat] in Sitte und Sprache und im Ungestüm ihrer Natur“. Curt Hohoff beschreibt Britting als einen Stadtmenschen, verstanden „als Charakteristik eines Mannes, der fast immer in Städten gewohnt hat und die Annehmlichkeiten urbanen Lebens zu schätzten wusste.“ Die Stadt München und die bayerische Natur haben überhaupt oft Eingang in Brittings Werk gefunden.

Abend in der Stadt

In der braunen Nacht
Schwimmen rote Lampione:
Späte Radfahrer, die ohne
Laterne heimkehrn, haben sie entfacht.

In feuerroten Dünsten
Drehn sich die Kugeln überall,
Aus Glut und Feuersbrünsten
Steigt grell der große Mondenball.

Die trunknen Fahrer schwirren
Insektengroß zum roten Mond
Und surren schrill auf ihren
Rädern rotbelampiont.

 

(Länge des Spaziergangs: 8,8 Kilometer, reine Laufzeit: etwa eindreiviertel Stunden)

 

Sekundärliteratur:

http://www.britting.de/gedichte/4-245.html, (13.02.2014).

Bode, Dietrich (1962): Georg Britting – Geschichte seines Werkes. Metzler Verlag, Stuttgart.

Gajek, Bernhard; Schmitz, Walter (Hg.) (1991): Georg Britting (1891-1964). Vorträge des Regensburger Kolloquiums (Regensburger Beiträge zur deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft, Reihe B/Untersuchungen, Bd. 52). Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main.

Hettche, Walter (2012): Stadtbilder im Werk Georg Brittings. In: Georg Britting und Gottfried Kölwel – neue Facetten zu ihrem schriftstellerischen Werk. Morsbach Verlag, Regensburg.

Hohoff, Curt (1982): Unter den Fischen. Erinnerungen an Männer, Mädchen und Bücher. Limes-Verlag, Wiesbaden und München.

Schmitz, Walter (Hg.) (1987): Georg Britting 1891 bis 1964. Zum Erscheinen einer neuen fünfbändigen Werkausgabe. Süddeutscher Verlag, München.

Schuldt-Britting, Ingeborg (2010): Sankt-Anna-Platz 10. Erinnerungen an Georg Britting und seinen Münchner Freundeskreis. Georg Britting Stiftung, München (1999).

Dies. (Hg.) (2004): Aus goldenem Becher. Briefe von Georg Britting an Alex Wetzlar. Lang Verlag, Frankfurt am Main.

 

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Anna Keil

Externe Links:

Kommentar schreiben
Verwandte Inhalte
Nachlässe
Nachlässe
Städteporträts
Städteporträts