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Augsburg, Kennedyplatz

Man tut Bertolt Brecht nicht Unrecht, wenn man seinen Blick für schöne Frauen lobt. Als im Herbst 1919 Marianne Zoff nach Augsburg kommt, da das Stadttheater sie als „Spezialsängerin“ verpflichtet, dauert es jedenfalls nicht lange, bis Brecht den Kontakt zu ihr sucht. Da Zoff zwar begabt ist, aber kein außergewöhnliches Talent besitzt – ihr Engagement endet nach weniger als zwei Jahren –, muss wohl ihr gutes Aussehen das Interesse des frischgebackenen Vaters erklären. Die entsprechende Legende gibt es auch: Zoff habe sich, wird behauptet, über eine Kritik von Brecht beschwert, in der mehr von ihren Beinen als ihrem Gesang die Rede gewesen sei – woraufhin er sie eingeladen habe. Das passt zwar zu der überaus bösen Zunge, die Brecht als Theaterkritiker hat. Tatsächlich aber sucht er einfach eines Tages die Garderobe von Zoff auf, um sie kennen zu lernen; derselbe direkte Weg wie schon bei Paula Banholzer.

Genau wie Brecht mit seiner Bi, so ist auch Marianne Zoff liiert, mit dem deutlich älteren Oskar Camillus Recht. Und genauso wenig wie Brecht wegen Zoff seine Beziehung zu Paula Banholzer löst, trennt sich Zoff von ihrem Verlobten. Auf ihrer Seite ist der Grund dafür womöglich profaner als auf seiner: Brecht fehlen schlichtweg die finanziellen Mittel, um einer Frau wie Marianne Zoff gerecht zu werden; Oskar Camillus Recht aber verfügt darüber. Während Zoff die polygamen Beziehungen mit relativer Offenheit behandelt, verschweigt Brecht das Verhältnis gegenüber Paula Banholzer. Zeitweise kümmert sich Zoff sogar um Banholzers und Brechts kleinen Sohn Frank.

Im März 1921 ist Marianne Zoff erstmals schwanger von Brecht, verliert das Baby jedoch. Mitte 1922 wird sie erneut schwanger und behält das Kind. Ihr Lebensgefährte Oskar Camillus Recht setzt daraufhin Paula Banholzer von der Beziehung in Kenntnis. Es kommt zur Aussprache, Brecht verspricht, Paula zu heiraten, heiratet im November 1922 jedoch Marianne Zoff in München (was wohl auch der Intervention von Marta Feuchtwanger geschuldet ist). Das Versprechen an Bi, dass er sich schnell wieder scheiden lasse, hält er nicht. Auch die Ehe mit Zoff währt nicht lange, schon 1923 geht sie in dir Brüche (die Scheidung erfolgt erst 1927). Zu diesem Zeitpunkt bewegt sich bereits die nächste Ehefrau auf der Bildfläche: Stefan, der Sohn von Bertolt Brecht und Helene Weigel, wird im November 1924 geboren.

Wie buchstäblich die Frauengeschichten zu literarischen Frauen-Geschichten werden, ist eine Frage, die Brecht-Forscher seit jeher beschäftigt. Bekannt ist, dass spätestens seit Helene Weigel auch ein künstlerischer Einfluss stattfindet. So lange Brecht jedoch in Augsburg lebt, sind die Verhältnisse wohl mit der vierten Strophe seines GedichtsVom armen B.B. trefflich beschrieben:

In meine leeren Schaukelstühle vormittags
Setze ich mir mitunter ein paar Frauen
Und ich betrachte sie sorglos und sage ihnen:
In mir habt ihr einen, auf den ihr nicht bauen könnt

 


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Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek

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