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Bayerische Kunstförderpreise 2013

Die diesjährigen Bayerischen Kunstförderpreisträger in der Sparte Literatur stehen fest. Die mit je 5.000 Euro dotierten Preise gehen an Dr. Martin Beyer aus Bamberg für seinen neuesten Erzählband Mörderballaden. Dreizehn Erzählungen, erschienen bei asphalt & anders 2013, an Jonas Lüscher aus München für seine 2013 bei C.H. Beck erschienene Novelle Frühling der Barbaren und an Christian Schloyer aus Nürnberg für sein lyrisches Werk spiel ur meere bei kookbooks 2007 und panik blüten bei poetenladen 2012. Kunstminister Wolfgang Heubisch: „Mit den diesjährigen Preisträgern zeichnen wir junge Autoren aus, die auf der Suche nach neuen Formaten und Formen sind und gekonnt mit literarischen Gattungen experimentieren. Darüber hinaus treten sie als Literaturvermittler und Impulsgeber in ihrem jeweiligen städtischen und regionalen Umfeld in Erscheinung. Auf diese Weise prägen und bereichern unsere Preisträger das literarische Leben in Bayern auf vielfältige Weise.“

Dr. Martin Beyer, geboren 1976 in Frankfurt am Main, arbeitet als freier Schriftsteller, Lektor, Redakteur, Dozent und Literaturvermittler in Bamberg. 2001 erschien sein Roman Sterzik beim Eskapis-Verlag. 2009 veröffentlichte der Klett-Cotta Verlag seinen Trakl-Roman Alle Wasser laufen ins Meer. Seit 2011 kuratiert Beyer das Literaturfestival „Bamberg liest“. 2009 erhielt er den Walter-Kempowski-Literaturpreis. Er erhielt etliche weitere regional oder städtisch verankerte Auszeichnungen, zum Beispiel den Kultur-Förderpreis der Stadt Bamberg 2011. Seine Mörderballaden, 13 balladeske Kurzgeschichten über Morde und Suizide, arbeiten teils mit historischem, teils mit mythologischem Material, anderes ist erfunden und spielt mit literarischen Topoi. Manche Texte, so die Jury, sprechen mit leiser Stimme und lassen die kriminelle Handlung nur erahnen, andere Szenarien werden wie mit Bühnenscheinwerfern grell ausgeleuchtet. Der Autor verfüge über eine erstaunliche handwerkliche Breite des Erzählens: „Man kann viel von ihm erwarten und ist gespannt auf die kommenden Veröffentlichungen.“

Jonas Lüscher, geboren 1976, wuchs in Bern auf und lebt heute in München.  Nachdem er nach einer Lehrerausbildung in Bern eine Zeit lang in der Filmwirtschaft gearbeitet hatte, studierte er an der Hochschule für Philosophie München. Seit 2011 promoviert er an der ETH Zürich über „Narration des Komplexen. Prozessuale Beschreibungen komplexer, sozialer Probleme“. Mit der Novelle Frühling der Barbaren debütierte Lüscher 2013 als Schriftsteller. Im Juni dieses Jahres wurde er mit dem Berner Literaturpreis ausgezeichnet. In der Bewertung der Kunstförderpreis-Jury heißt es: „Jonas Lüscher nimmt es in seinem Debüt mit der Gattungstradition der Novelle auf. Auf leichte und besonders spielerische Art und Weise macht er diese für eine Ästhetik der Gegenwart fruchtbar. So ist das eigentlich unerhörte Ereignis die Ereignislosigkeit, unter der die Figuren leiden und die die Grenzen zwischen Wahn und Realität fließend werden lässt. Der Text zeichnet ein brisantes und hochaktuelles Bild der gegenwärtigen Gesellschaft.“

Christian Schloyer, geboren 1976 in Erlangen, lebt heute in Nürnberg. Nach dem Abschluss seines Studiums an der Universtität Erlangen-Nürnberg machte er sich als Lyriker, Lektor, Texter und Literaturveranstalter einen Namen. Er gründete die Autorengruppe Wortwerk in Erlangen und Nürnberg. Zudem ist Schloyer Redaktionsmitglied der Literaturzeitschrift BLUMENFRESSER und Mitbegründer von LiteraturDing e.V. (Förderverein für Gegenwartsliteratur). 2003 erhielt er den Förderpreis der Nürnberger Kulturläden und belegte 2004 den ersten Platz beim open mike in Berlin. Er wurde 2007 mit dem Leonce-und-Lena-Preis, 2009 mit dem Förderpreis Literatur der Kulturstiftung Erlangen ausgezeichnet. 2007 erschien sein Debütband spiel ur meere (KOOKbooks), 2012 bei poetenladen sein zweiter Gedichtband panik blüten. Die Jury beschreibt Schloyers Lyrik so: „Die philosophisch grundierten Gedichte Christian Schloyers entwachsen einer doppelten Verunsicherung: durch die reflexive Zersetzung und mediale Entfremdung des Subjekts und durch die zivilisationsbedingte Verheerung unserer Welt; als formvirtuose Beschwörungen suchen und schaffen sie Momente authentischer Bezugnahme: auf ein Du in der Liebe, auf Natur oder Umwelt in einer Empathie mit ihrer Zerstörung und auf die Leser durch die Prägung von Sprachformen, die uns diese Erfahrungen bewältigen helfen.“



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