„Wiegenlied“. Ein Duett im Rahmen der Lyrik-Kooperationen
Ein Höhepunkt im literarischen Kalender der Lyrikszene sind die alljährlichen, von Tristan Marquardt initiierten Lyrik-Kooperationen. In ihrem elften Veranstaltungsjahr haben die Autorin Carmen Achter und der Lyriker Wolfgang Berends dem Literaturportal ihr eigens für diesen Abend entstandenes lyrisches Duett zur Erstveröffentlichung zur Verfügung gestellt. Viel Freude beim Lesen!
*
„Childhood is the Kingdom Where Nobody Dies“
Edna St. Vincent Millay
G E S C H I C H T S U M S C H R E I B U N G
wie elendig: ewig eilend!
ledig weine, in ewig edel!
geile winde – weine glied!
liegend wie igel weiden?
wende eilig: geld wie nie!
ewig leiden, weil geneid.
windeliege. weg die lein‘!
gelinde wie wind elegie:
W I E G E N L I E D ? // W I E G E N L I E D !
Welch Einklang im Instrument
ewiger Wiederkehr auf 6/8-getaktetem Weg
hinter die Gitterstäbe, verlässlich, bereitet,
und niemals abzuwenden nährender Liebe,
einzusammeln neuen Vorrat fürs tägliche Scheitern.
taktwechsel – tag zu nacht:
dieser text macht sich selbst probleme.
ich kann nicht schlafen.
ich komme nicht auf die andere seite.
die stäbe verschieben sich nicht.
kalt meine beine.
ich rufe die spinnen / zu hilfe:
webt mir ein deckchen!
sie sehn mich an aus den ecken,
machen ein feuer für sich.
Du sitzt in einer Pfütze und träumst
vom großen Meer, kommst aus der Wiege
der Menschheit, und auf den letzten Drücker
ins letzte Boot – Boot werd‘ nicht überschwer
in der Schleuse Kindheit!
schichtwechsel – nacht zu tag:
wer kann das machen:
die mutter. – ich? kann nicht schlafen.
ich komme nicht auf die andere seite.
wer singt mir ein wiegenlied?
seit jahr und stund: trocken mein mund.
ich rufe die fische / zu hilfe:
gebt mir zu trinken!
sie sehn mich an aus den wassern.
verschlingt sie ein wal. (ausgespien: ich.)
ich liege allein neben andern.
rufe die körper zu hilfe:
aus fleisch, idee oder schatten,
wer wiegt mich? wer zieht mich mit, hinaus auf die meere?
sie ankern woanders, schon lang.
fern alle lieder.
ich rufe die toten zu hilfe:
sagt mir wahre geschichten!
ihr schweigen bleibt vage wie ihre gesichter.
leicht tanzen sie weiter. leichter als ich.
wortwechsel – tag zu nacht:
was solln wir da machen?
die kann’s nicht, das schlafen,
kommt nicht auf die andere seite.
nacht: die nutzt nur sich ab, nicht uns.
rot meine augen im spiegel.
zum knistern der blister
intoniere ich beipackzettel,
verzichte auf farbechte träume:
lass alles zurück.
Dieses Schaukeln, Schwingen, Klingen –
Lied einer sonnigen Wiege aus Wasser und Licht,
gleich einem Regenbogen löst du dich auf,
und der Himmel muß ein weiter sein,
hinter den geschlossenen Augen.
„Wiegenlied“. Ein Duett im Rahmen der Lyrik-Kooperationen>
Ein Höhepunkt im literarischen Kalender der Lyrikszene sind die alljährlichen, von Tristan Marquardt initiierten Lyrik-Kooperationen. In ihrem elften Veranstaltungsjahr haben die Autorin Carmen Achter und der Lyriker Wolfgang Berends dem Literaturportal ihr eigens für diesen Abend entstandenes lyrisches Duett zur Erstveröffentlichung zur Verfügung gestellt. Viel Freude beim Lesen!
*
„Childhood is the Kingdom Where Nobody Dies“
Edna St. Vincent Millay
G E S C H I C H T S U M S C H R E I B U N G
wie elendig: ewig eilend!
ledig weine, in ewig edel!
geile winde – weine glied!
liegend wie igel weiden?
wende eilig: geld wie nie!
ewig leiden, weil geneid.
windeliege. weg die lein‘!
gelinde wie wind elegie:
W I E G E N L I E D ? // W I E G E N L I E D !
Welch Einklang im Instrument
ewiger Wiederkehr auf 6/8-getaktetem Weg
hinter die Gitterstäbe, verlässlich, bereitet,
und niemals abzuwenden nährender Liebe,
einzusammeln neuen Vorrat fürs tägliche Scheitern.
taktwechsel – tag zu nacht:
dieser text macht sich selbst probleme.
ich kann nicht schlafen.
ich komme nicht auf die andere seite.
die stäbe verschieben sich nicht.
kalt meine beine.
ich rufe die spinnen / zu hilfe:
webt mir ein deckchen!
sie sehn mich an aus den ecken,
machen ein feuer für sich.
Du sitzt in einer Pfütze und träumst
vom großen Meer, kommst aus der Wiege
der Menschheit, und auf den letzten Drücker
ins letzte Boot – Boot werd‘ nicht überschwer
in der Schleuse Kindheit!
schichtwechsel – nacht zu tag:
wer kann das machen:
die mutter. – ich? kann nicht schlafen.
ich komme nicht auf die andere seite.
wer singt mir ein wiegenlied?
seit jahr und stund: trocken mein mund.
ich rufe die fische / zu hilfe:
gebt mir zu trinken!
sie sehn mich an aus den wassern.
verschlingt sie ein wal. (ausgespien: ich.)
ich liege allein neben andern.
rufe die körper zu hilfe:
aus fleisch, idee oder schatten,
wer wiegt mich? wer zieht mich mit, hinaus auf die meere?
sie ankern woanders, schon lang.
fern alle lieder.
ich rufe die toten zu hilfe:
sagt mir wahre geschichten!
ihr schweigen bleibt vage wie ihre gesichter.
leicht tanzen sie weiter. leichter als ich.
wortwechsel – tag zu nacht:
was solln wir da machen?
die kann’s nicht, das schlafen,
kommt nicht auf die andere seite.
nacht: die nutzt nur sich ab, nicht uns.
rot meine augen im spiegel.
zum knistern der blister
intoniere ich beipackzettel,
verzichte auf farbechte träume:
lass alles zurück.
Dieses Schaukeln, Schwingen, Klingen –
Lied einer sonnigen Wiege aus Wasser und Licht,
gleich einem Regenbogen löst du dich auf,
und der Himmel muß ein weiter sein,
hinter den geschlossenen Augen.
