Joditz: Jean-Paul-Museum

Jean Paul nennt Joditz einst seinen „geistigen Geburtsort“. In dem ehemaligen Familienhaus ist heute ein Museum dem Schriftsteller gewidmet.

Im Jahr 1765 zieht der Lehrer Johann Christian Christoph Richter mit seiner Frau Sophia Rosina und dem zweijährigen Sohn Johann Paul Friedrich nach Joditz, um eine Stelle als Pastor des Dorfes anzutreten. Die Familie lebt dort zehn Jahre, bis der Vater nach Schwarzenbach an der Saale wechselt. Der Sohn wird die Joditzer Zeit rückblickend zwar als ärmlich und beengt, aber als glücklichste Phase seines Lebens begreifen: Jean Paul, wie sich Johann Paul Friedrich Richter als Schriftsteller nennt, spricht von Joditz als seinem „Erziehdörfchen“ und „geistigen Geburtsort“. In seiner Autobiografie Selberlebensbeschreibung heißt es über Joditz und Jean Paul (der hier als „Professor“ der eigenen Biografie auftritt):

Sie finden jetzo den Professor der Selbergeschichte im Pfarrdorfe Joditz, wo er in einer Weiberhaube und einem Mädchenröckchen mit seinen Eltern eingezogen; die Saale, gleich mir am Fichtelgebirge entsprungen, war mir bis dahin nachgelaufen, so wie sie, als ich später in Hof wohnte, vorher vor dieser Stadt unterwegs vorbeiging. Der Fluß ist das Schönste, wenigstens das Längste von Joditz, und läuft um dasselbe an einer Berghöhe vorüber, das Örtchen selber aber durchschneidet ein kleiner Bach mit seinem Stege kreuzweise. Ein gewöhnliches Schloß und Pfarrhaus möchten das Bedeutendste von Gebäuden da sein. Die Umgegend ist nicht über zweimal größer als das Dörfchen, wenn man nicht steigt. – Und doch ist das Dorf für einen Professor der eignen Geschichte noch wichtiger als die Stadt der Geburt, weil er in ihm das Wichtigste, nämlich die Knabenolympiaden verlebte.

Im Gartenhäuschen des Joditzer Pfarrgartens – von Jean Paul als „Lusthäuschen“ bezeichnet – memoriert der Vater seine Sonntagspredigten und machen die Kinder ihre Schulaufgaben. An der Stelle dieses Gartenhauses wird 1893 ein Weberhäuschen errichtet.  Dort zieht 1988, anlässlich des 235. Geburtstags des Dichters, das Jean-Paul-Museum ein.

In den Räumen des privaten Museums werden Personen, Leben und Werk des Dichters dokumentiert: im unteren Trakt und in der Scheune die Kindheitsjahre des Dichters im Pfarrhof mit Landwirtschaft, im Obergeschoß das Leben des erfolgreichen Autors mit all seinen Schrullen und seiner Liebe zum Bier. Ausgestellt sind nahezu alle Erstausgaben des Dichters und viele seiner Zeitgenossen. Die Handbibliothek enthält über 700 Titel mit weit über 1000 Bänden. Das Museum publiziert ebenfalls eine Schriftenreihe zu Jean Paul.