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Geb.: 1. 2.1810 in Baldingen
Gest.: 25.7.1874 in Baldingen

Johannes Kähn

Johannes Kähn wird 1810 als Sohn eines Dorfschmieds in Baldingen geboren. Er selber ist Distrikts-Tierarzt in Nördlingen, was ihm den Kontakt zur bäuerlichen Bevölkerung wahrt. Als Dichter in ries-schwäbischer Mundart geht er in die Literaturgeschichte ein. Seine Gedichte in Rieser Mundart erscheinen 1861 bei C.H. Beck in Nördlingen, 1894 in dritter Auflage.

Mit dem wohl bedeutendsten literarischen Repräsentanten des Rieses im 19. Jahrhundert, Melchior Meyr, verbindet ihn seit seiner Nördlinger Schulzeit eine enge Freundschaft. Kurz nach Abschluss der Veterinärschule erkrankt Johannes Kähn an Blattern, was ihm nahezu seine gesamte Sehkraft einbüßen lässt.

Für das Militär untauglich geworden, wird Kähn in den väterlichen Betrieb eingeführt. Gelegenheit zum Dichten bekommt er wenig, muss er doch seinem Vater in der Schmiede aushelfen. Er begnügt sich stattdessen mit der Abfassung von Versepisteln als Gelegenheitsdichtung. Sein ältestes bekanntes Gedicht stammt aus dem Jahr 1830, eine gereimte Neujahrsepistel für seine Eltern.

Während seine beiden Brüder andernorts ihre Berufung finden – der älteste findet eine Stellung als Eskadronschmied in Ansbach, der andere geht nach Augsburg und wird schließlich Brauhausbesitzer –, wartet Johannes Kähn über zwanzig Jahre lang daheim vergeblich auf eine Tierarztanstellung; erst spät wird ihm eine Stellung in Nördlingen zuteil. Seine Dichtung bringt ihm offenbar mehr ein, wofür ihn nicht zuletzt sein Freund Melchior Meyr rühmt:

In Nördlingen bei Beck sind Gedichte in Rieser Mundart erschienen, die in mehr als einer Hinsicht empfehlenswert sind. [...] Wird Grübel von Goethe ein bewußter Nürnberger Philister genannt, so darf man Kähn wohl einen bewußten Rieser Bauern nennen, ein Dorfkind, das durch erlangte Bildung nur um so offener geworden ist für das eigenartige Leben und Denken des Landvolks.

Und weiter: „Zum großen Teil erzählt er [Kähn] Geschichten, die auf einen Spaß hinauslaufen, selber erlebte Vorfälle und überlieferte Anekdoten in der Art, wie sie die Bauern selber erzählen.“ Dabei wechseln Spaß und Ernst immer wieder ab, wie Kähn weiß:

D’s Landleba ischt doch ebbes Prächtings!
Moit mancher gescheidte Städter wohl,
Und mancher Bauer muaße bsinna,
Was er do Schöas dra habe soll.

Dennoch: Über das Nördlinger Ries hinaus wird Johannes Kähn als schwäbischer Dichter nicht bekannt. Im letzten Lebensabschnitt kehrt er seiner poetischen Leidenschaft mehr und mehr den Rücken. Zur Jahresfeier des Nördlinger Arbeitervereins 1872 dichtet er zum letzten Mal ein kleines Gelegenheitsgedicht („Vom guten Fortschritt“).

Am 25. Juli 1874 stirbt Kähn nach einmonatiger Krankheit zu Hause in seiner Schmiedestube. Nach ihm sind eine Straße in Nördlingen und ein Weg in Baldingen benannt.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Pörnbacher, Hans (2002): Schwäbische Literaturgeschichte. Tausend Jahre Literatur aus Bayerisch Schwaben. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn, S. 258.

Schlagbauer, Albert (1988): Dichter und Erzähler des Rieses (Das Ries erleben, 8). Verlag F. Steinmeier, Nördlingen, S. 41-50.


Externe Links:

Literatur von Johannes Kähn im BVB

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