Info
Geb.: 7. 7.1739 in Botnang
Gest.: 24.11.1792 in Ansbach
Kupferstich von Wilhelm Ludwig Wekhrlin, 1780
Namensvarianten: Wilhelm Friedrich Ludwig Wekhrlin, auch Weckherlin; Anselmus Rabiosus, Misowlax

Wilhelm Ludwig Wekhrlin

Wilhelm Ludwig Wekhrlin stammt aus einer alten Württemberger Familie. Der Sohn eines Landpfarrers wird von seinem Onkel, ab 1749 von seinem Stiefvater, dem Ludwigsburger Amtsschreiber Johann Martin Heuglin, erzogen und besucht das Gymnasium in Stuttgart. Entgegen seiner Behauptung, als Hauslehrer in Frankreich und Privatsekretär Voltaires zu wirken, arbeitet er danach als Schreiber in Ludwigsburg. Von 1766 bis 1776 lebt er in Wien, wo er sich an handgeschriebenen, geheimen Zeitungen versucht, bis er Probleme mit der österreichischen Zensur bekommt und ausgewiesen wird.

Nach kurzem Aufenthalt in Regensburg kehrt er nach Wien zurück und tritt in den Dienst der französischen Botschaft. Eine Spionageaffäre wird Wekhrlin jedoch zum Verhängnis; er wird endgültig ausgewiesen und übersiedelt 1776 nach Augsburg, ab 1777 nach Nördlingen, wo seine erste satirische Reisebeschreibung Denkwürdigkeiten von Wien erscheint. Gleich darauf publiziert er seine zweite Schrift Anselmus Rabiosus' Reise durch Oberdeutschland (1778), die ihn wegen ihres ironischen Tons schlagartig berühmt macht.

Erneut aus einer Stadt verjagt und wegen privater Streitigkeiten mit seinem Verleger kann Wekhrlin seine Lokalzeitung Das Felleisen nicht weiterführen. Er geht ins benachbarte Baldingen und lässt seine Zeitschrift Die Chronologen (12 Bde., 1779-83) in Nürnberg verlegen. Von Erfolg geprägt ist diese wie die nachfolgende zweite Zeitschrift Das Graue Ungeheuer (12 Bde., 1784-87), bei der Schriftsteller wie Georg Christoph Lichtenberg und Gottfried August Bürger mitarbeiten.

Aus Wut über seine Ausweisung verfasst Wekhrlin Spottschriften gegen den Nördlinger Bürgermeister (Das Bürgermeisteramt des Harlekins, eine Fastnachtfrazze mit Tänzen, Die affentheuerliche Historia des lächerlichen Pritschmeisters und Erzgauklers Pips von Hasenfuß), was ihm allerdings nur den Zorn des Stadtrats und eine Festnahme durch den Fürsten von Oettingen-Wallerstein einbringt: Am 4. Mai 1787 wird Wekhrlin verhaftet und auf Burg Hochhaus gebracht, wo er bis 1792 ohne rechtlichen Entscheid unter Arrest bleibt. Nichtsdestotrotz gelingt es ihm, seine Tätigkeit als Publizist fortzuführen, wenn auch mit minderem Erfolg (Die Hyperboreischen Briefe, 1788-90; Die Paragrafen, 1790/91).

Nach seiner Freilassung gibt Wekhrlin im preußisch gewordenen Ansbach die zweimal wöchentlich erscheinende Zeitung Ansbachische Blätter heraus. Bei den Bürgern der Stadt erregt ihr freimütiger Ton bei aller Parteinahme für Preußen indes Unmut, weshalb die Zeitung nach drei Monaten verboten wird, Wekhrlin als verkappter Jakobiner der Volkswut ausgesetzt ist. Unter Hausarrest gestellt und nervlich zerrüttet, stirbt er am 24. November 1792.

Als einer der couragiertesten politischen Autoren der Aufklärungszeit und ersten freiberuflichen Publizisten in Deutschland geht Wilhelm Ludwig Wekhrlin in die Geschichte ein. Seine Berühmtheit erlangt er u.a. durch sein Engagement im Prozess des aus politischen Gründen hingerichteten Johann Heinrich Waser und der in Glarus enthaupteten angeblichen Hexe Anna Gödlin, aber auch durch sein Eintreten für die Freiheit der Presse. Neben Christian Friedrich Daniel Schubart zählt er zu den bedeutungsvollsten Vertretern des süddeutschen Journalismus gegen Ende des 18. Jahrhunderts.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Knoblauch zu Hatzbach, von: Wekhrlin, Wilhelm Ludwig. In: Allgemeine Deutsche Biographie 41 (1896), S. 645-653, http://www.deutsche-biographie.de/pnd118806580.html?anchor=adb, (29.02.2012).

Müller, Karla (1989): Wilhelm Ludwig Wekhrlin 1739-1792. Leben – Werk – Wirkung. Eine dokumentierende Bibliographie 1777-1984 (Bibliographische Mitteilungen der Universitätsbibliothek Jena, 47). Universitätsbibliothek, Jena.


Externe Links:

Literatur von Wilhelm Ludwig Wekhrlin im BVB

Literatur über Wilhelm Ludwig Wekhrlin im BVB

Monolog einer Milbe im siebenten Stock eines Edamerkäses

Patriotische Phantasie

Werke bei gutenberg.spiegel.de

Werke und Sekundärliteratur in Wikisource

Wilhelm Wekhrlin – eine Botnanger Spurensuche

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