Info
Geb.: 18. 3.1832 in Geroldshausen i.d.Hallertau
Gest.: 18.4.1917 in Steinach
Druck nach einer Fotografie 3.1.1898. Aus: Niederbayern in Land, Geschichte und Volk (Bayerische Staatsbibliothek München/Porträtsammlung)

Joseph Schlicht

Joseph Schlicht wird als Sohn einer armen kleinbäuerlichen Familie in Geroldshausen bei Wolnzach geboren. Im Alter von fünf Jahren verliert er seine Mutter und muss sich als Schusterlehrling sein Brot verdienen. Doch der Pfarrer von Geroldshausen meint es anders mit ihm, indem er Schlicht einen Freiplatz im Seminar der Benediktinerabtei Metten verschafft. Ab 1844 besucht er das dortige Gymnasium, studiert daraufhin in Regensburg Theologie und Philosophie und wird 1856 zum Priester geweiht. Wanderjahre als Kooperator durch Niederbayern schließen sich an, zunächst in Ergoldsbach, dann in Landshut, Oberschneiding und Tunding. Schließlich wird Joseph Schlicht Benefiziumsverweser in Stadtamhof bei Regensburg, ab 1871/72 ist er im Schlossbenefizium zu Steinach angestellt, wo er den Rest seines Lebens verbringt.

Die ersten Schreibversuche unternimmt Schlicht bereits während seiner Zeit als Kooperator. Er wird Mitarbeiter des Straubinger Tagblattes, seine erste Veröffentlichung (1868) ist eine genaue Darstellung der Erntearbeiten im niederbayerischen Gäuboden. Es folgen zahlreiche weitere Artikel in Zeitungen, Zeitschriften sowie für den Volkskalender.

Schlichts Interesse gilt der Schilderung der ländlichen Volkskultur, was ihn bald zum Klassiker der altbayerischen Volkskunde macht (Bayerisch Land und Bayerisch Volk, 1875; Altbayernland und Altbayernvolk, 1886; Niederbayern in Land, Geschichte und Volk, 1898). Doch nicht nur Land- und Bauernleben bilden den Ziel- und Angelpunkt seines Schaffens, sondern auch historische Schriften sowie dichterische Werke.

Als Folge der Auseinandersetzung mit seinem Schlossherrn über die Benefiziumsbestimmungen beschäftigt sich Schlicht mit der Historie des Schlosses Steinach und des Schlossbenefiziums, zusammengefasst in dem Buch Die Geschichte von Steinach (1908). Seine Begabung als Erzähler spiegelt sich in den vielen aneinandergereihten Geschichten und Anekdoten wider, die den Kern von Schlichts Büchern oftmals ausmachen. Darüber hinaus existieren schriftdeutsche und mundartliche Gedichte aus der Jugendzeit, aber auch Bühnenstücke, meist in Mundart verfasst. 19 davon erscheinen 1894 unter dem Titel Dorftheaterspiele, es folgen neben Einzeleditionen zwei weitere Sammelbände 7 heitere Volksspiele (1904) und 10 heitere Volksspiele für die Vereinstheater (1912).

Anerkennung für sein schriftstellerisches Werk bekommt Joseph Schlicht bereits zu Lebzeiten: 1906 durch die Verleihung der Ehrenmünze des Ludwigsordens und 1914 durch den Michaelorden IV. Klasse. Sein Wirken als Priester wird zudem durch die für einen Benefiziaten eher seltene Ernennung zum bischöflichen Geistlichen Rat gewürdigt.

Eine bronzene Gedenktafel im Kirchenraum von Steinach sowie die Verleihung der Joseph-Schlicht-Medaille erinnern heute noch an den Dichter, Volkskundler und Pfarrer.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Weichslgartner, Alois J. (2004): Joseph Schlicht (18.3.1832 – 18.4.1917). Klassiker der altbayerischen Volkskunde. In: Schweiggert, Alfons; Macher, Hannes S. (Hg.): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Bayerland Verlag, Dachau, S. 18f.

Weichslgartner, Alois J. (2001): Schreiber und Poeten. Schriftsteller aus Altbayern und Schwaben im 19. Jahrhundert. Bayerland Druckerei und Verlagsanstalt, Dachau.


Externe Links:

Literatur von Joseph Schlicht im BVB

Literatur über Joseph Schlicht im BVB

Joseph Schlicht in der BLO

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Joseph-Schlicht-Medaille

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