Info
Geb.: 13. 1.1897 in Trier
Gest.: 10.10.1997 in München
Gerty Spies: Studio-Porträt, München 1976 @ Leo Baeck Institute, LBI Photos: F 001 AR 6903. Handschriftliche Notiz auf der Rückseite: "Der lieben Ailsa herzliche Grüße von ihrer Gerty". Beiträger: Otto Haas.
Namensvarianten: Gertrud Gumprich (Mädchenname)

Gerty Spies

Gerty Spies (1897-1997) ist eine in Trier geborene deutsch-jüdische Schriftstellerin. 1942 wird sie aus ihrer Wohnung in München in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Dort beginnt sie, wider aller Umstände, mit dem Schreiben von Gedichten. Sie überlebt das Lager und geht zurück nach München, wo sie 1997 stirbt. 

Werdegang

Gerty Spies wächst in einer jüdisch-deutschen, assimilierten und nicht-religiösen Familie auf. Ihr Vater ist ein Kaufmann und Mundartautor. Die Familie fühlt sich ihrer deutschen Heimat verbunden. Nach einer Ausbildung zur Erzieherin in Frankfurt am Main kehrt sie 1918, nach dem Tod ihres Bruders im Ersten Weltkrieg, in ihr Elternhaus zurück. Zwei Jahre später heiratet sie einen deutschen Chemiker und zieht mit ihm nach Freiburg im Breisgau, wo ihre beiden Kinder geboren werden. Die Ehe zerbricht 1927.

Kurz darauf lässt sich Gerty Spies in München-Schwabing nieder und beginnt dort mit dem Schreiben kleinerer Zeitungsbeiträge. Nach 1933 ist ihr Leben zunehmend von der Ausgrenzung durch das NS-Regime geprägt. Aufgrund ihres „Privilegierten-Status“ als Resultat einer Ehe mit einem Deutschen entgeht sie den Ghettoisierungen und ersten Deportationswellen. 1939 wird sie in einem Münchner Verlag zwangsverpflichtet. 1942 erfolgt die Deportation ins Konzentrationslager Theresienstadt. Dort beginnt sie gegen Leid, Hunger, Angst und schwerste Arbeit anzuschreiben, verfasst Gedichte in ihrem Gedächtnis und in Einzelfällen auf gestohlenem Packpapier. Unterstützt wird sie von der Autorin Elsa Bernstein, die ebenfalls im Lager interniert ist.

Gerty Spies entgeht als eine von wenigen Münchner Jüdinnen dem Weitertransport und überlebt das Konzentrationslager. Nach Ende des Krieges kehrt sie nach München zurück, wo sie sich ihre Wohnung zurückerkämpft. Bis zu ihrem Tod lebt sie dort und engagiert sich im Bayerischen Hilfswerk für Menschen, die unter den Nürnberger Gesetzen gelitten haben.

Wichtige Werke (Auswahl)

1947 erscheint Gerty Spies‘ Gedichtband Theresienstadt im Freitag-Verlag in München. Für ihre übrigen Texte findet sie lange keinen Verlag, erst in den 1980er- und 1990er-Jahren werden ihre in Lyrik und Prosa verarbeiteten Erfahrungen und Erinnerungen veröffentlicht. Darunter befinden sich Drei Jahre Theresienstadt (1984), Im Staube gefunden (1987), Das schwarze Kleid. Eine Erzählung (1992) sowie der Roman Bittere Jugend (1997), der noch kurz vor ihrem Tod erscheint.

Stil / Rezeption

Zwar hat Gerty Spies Unterstützer, die ihre Gedichte und Veröffentlichungen begrüßen, unter ihnen auch Hermann Hesse, allerdings erzählt ihre Suche nach einem Verleger bis in die 1980er-Jahre hinein eine andere Geschichte. Auch bei der Verleihung des Schwabinger Kunstpreises finden sich Stimmen in der Jury, die ihre schriftstellerischen Fähigkeiten in Frage stellen: „Nur, weil sie in Theresienstadt war, muss sie doch noch lange keinen Literaturpreis bekommen!“ So gibt es Rachel Salamander in ihrem Beitrag für das Magazin der Monacensia wider. Gerty Spies und ihre Texte sind wichtige Zeitzeugen der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung im Nationalsozialismus. Wie auch andere ihrer Zeit- und Leidensgenossen thematisiert sie in ihren Texten das Überleben in seiner Ambivalenz aus Last und Geschenk.    

Sie ist Namensgeberin für einen Buchpreis: Die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz vergibt seit 1996 den sog. Gerty-Spies-Literaturpreis für literarische Werke zu gesellschaftspolitischen Themen. Als eine von 140 Frauen vom Mittelalter bis zum 21. Jahrhundert wird ihr im Rahmen des Projekts „FrauenOrte in Bayern“ in München ein FrauenOrt gewidmet. In Trier und München ist jeweils eine Straße nach ihr benannt.

Preise & Auszeichnungen

1986 erhält Gerty Spies den Schwabinger Kunstpreis für Literatur und im Folgejahr wird ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen. 

Mitgliedschaften

Sie wird 1984 Ehrenvorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit München.

Verfasst von: Bayerische Staatsbibliothek / Anne-Kathrin Willeke

Sekundärliteratur:

Salamander, Rachel (2021): Gerty Spies in Theresienstadt – Schreiben als Überleben | #femaleheritage. In: MonMag. Blog der Monacensia, URL: https://mon-mag.de/gerty-spies-in-theresienstadt-schreiben-als-ueberleben-femaleheritage/, (15.07.2026). 

Vollhardt, Ulla-Britta (2025): Gerty Spies. In: nsdoku.lexikon, hg. vom NS-Dokumentationszentrum München, URL: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/spies-gerty-789, (15.07.2026). 


Externe Links:

Literatur von Gerty Spies im BVB

Literatur über Gerty Spies im BVB

Gerty Spies in der Wikipedia