Info
Geb.: 8. 2.1825 in Mindelheim
Gest.: 29.7.1880 in Ettringen
Namensvarianten: Jörg von Spitzispui

Johann Georg Scheifele

Johann Georg Scheifele wird als Sohn des Webermeisters Severin Scheifele und der Schuhmacherstochter Maria-Anna-Theresia Braunegger in dem späteren Rasso Böck'schen Bäckereigebäude in Mindelheim geboren. Nach der Werktagsschule besucht er das St. Stephan-Gymnasium Augsburg und das Lyzeum Dillingen.

1850 wird Scheifele zum Priester geweiht und arbeitet danach als Seelsorger, zunächst in Rain am Lech (Stadtkaplan 1850-56), anschließend in Niederschönenfeld (Pfarrkuratus 1856-69). Als Pfarrer wirkt er seit 1869 in Krugzell bei Kempten und zuletzt (1878-80) in Ettringen bei Türkheim, wo er aufgrund einer Lungenentzündung auch stirbt.

Schon als Augsburger Gymnasiast schreibt Scheifele Mundartgedichte, die öffentlich bei Gesellschaftsabenden Beachtung finden. Angeregt durch den oberschwäbischen Mundartdichter Carl Borromäus Weitzmann bedient sich Scheifele einer kraftvollen Sprache und unmittelbaren Beobachtungsgabe, „die nach ihm keiner mehr so leicht erreichen wird“, so August Holder in seiner Geschichte der schwäbischen Dialektdichtung (1896). Das gilt vor allem für seine Gedichte und Beschreibungen wie „Die Menschenalter“, „Die Bauernhochzeit“ oder „Die Fahrt auf das Volksfest“, wobei auch der Dialog als formales Mittel zum Einsatz kommt (z.B. in „Erschaffung der Eva“ und „'S earscht Hausweasa“). Längere Versschöpfungen humorvollen Inhalts stellen Scheifeles Versuch dar, die Melancholie zu vertreiben, was ihn nicht zuletzt im Kreise seiner geistlichen Mitbrüder seine Gedichte immer wieder rezitieren lässt.

Seiner ersten Sammlung von Mundartdichtungen Quodlibet curiosum, ebensowenig zum Aergerniß als zur Erbauung (1847, 2. Aufl. u.d.T. Gedichte in schwäbischer Mundart) folgt 1869 der Band Gedichte (2. Aufl. u.d.T. Neue Gedichte), der darüber hinaus eine Abteilung „reindeutscher“ Poesien enthält. Eine Gesamtausgabe beider Sammlungen erscheint 1883, Mucka und Wefzga. Komische Gedichte in schwäbischer Mundart bereits 1874.

Adolf Layer ordnet den Autor literaturgeschichtlich so ein: „Zweifellos zählte Johann Georg Scheifele neben Hyazinth Wäckerle zu den besten schwäbischen Mundartdichtern des neunzehnten Jahrhunderts. Geistige Nachfahren im geistlichen Gewande fand er in Max[imilian von] Lingg und Franz Keller.“

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Brümmer, Franz: Scheifele, Johann Georg. In: Allgemeine Deutsche Biographie 53 (1907), S. 740, http://www.deutsche-biographie.de/ppn133122964.html?anchor=adb, (01.04.2015).

Layer, Adolf (1977): Biera ond Zelta. Schwäbische Mundartgedichte aus zwei Jahrhunderten. Mit einem Geleitwort von Arthur Maximilian Miller (Beiträge zur Landeskunde von Schwaben, 4). Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn, S. 438 u.ö.


Externe Links:

Literatur von Johann Georg Scheifele im BVB

Digitale Sammlungen zu Johann Georg Scheifele

Johann Georg Scheifele in Wikisource

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