Info
Geburtsjahr: 1961
in Schönberg im Bayerischen Wald
Namensvarianten: Franz Xaver Karl

FX Karl

Franz Xaver (kurz: FX) Karl studiert in München Philosophie und Literaturwissenschaften. Danach arbeitet er als Journalist für Zeitschriften, Fernsehen und Rundfunk (u.a. Capriccio, ttt – titel thesen temperamente). Neben dieser Tätigkeit verfasst er auch erzählende Werke.

Sein Debütroman Memomat (2002) ist erster Titel im Programm des Münchner Blumenbar-Verlags. Das Buch spielt ebenfalls in der Blumenstraße, in seinem Schreibbüro hält der namenlose Ich-Erzähler seine Beobachtungen über die Welt fest. Erzählt wird die Geschichte vom Untergang einer großen Liebe, zugleich ist es ein Roman über die 80er- und 90er-Jahre in Deutschland – „zwischen verdammt hart und sehr, sehr lustig“ (Georg M. Oswald). Formal ist Memomat, ein Neogolismus aus „Memoria“ und „Automat“, eine assoziative Abfolge zufälliger Anlässe und durch sie an die Oberfläche treibender Erinnerungen. Elemente von Reportage und Kolportage werden ebenso kombiniert wie von Tagebuch und Erzählung, von Dokumentation und Phantasma.

Mit Starschnitt (2004) legt FX Karl seinen zweiten Roman vor. Es ist die Geschichte des Prominenten-Reporters Gregor Strasser, eine Mischung aus Kolportage und Tagebuch. Für das Magazin Princess stellt Strasser den Reichen und Schönen nach, bemerkt aber viel zu spät, dass sein Leben komplett aus der Bahn geworfen ist: Von einer After-Show-Party zur nächsten säuft und kokst er, betrügt seine Freundin, anstatt ihr zu sagen, dass er sie eigentlich liebt. „Ich wollte beschreiben, was mit einem Menschen passiert, der sich diesem Star-Rummel ausliefert“ (SZ vom 26.04.2004), fasst FX Karl den Inhalt seines Buches zusammen. Der Roman birst geradezu vor Namen und Anekdoten aus der Münchner Promi-Szene.

Sein dritter Roman Fünf Tage im Juli (2007) spielt Ende der 90er-Jahre und erzählt fünf entscheidende Tage aus dem Leben einer Familie aus den fünf Perspektiven der Familienmitglieder. Vater Theo liegt im Sterben – seine Frau Martha und die Kinder sind konfrontiert mit ihren eigenen Hoffnungen und Verletzungen, Prägungen und Erinnerungen. Schonungslos und mit eiskalter Genauigkeit beschreibt Karl, wie sich die Vertreter verschiedener Generationen in ihrer Verlorenheit und Absonderlichkeit, in ihrer Bösartigkeit und tiefen Verunsicherung zeigen, während der Vater versucht dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Dabei wird spürbar, wie fremd die Beteiligten eigentlich einander sind.

2005 erhält Karl für Fünf Tage im Juli (damals eingereicht unter dem vorläufigen Titel Schweigen) das Literaturstipendium der Landeshauptstadt München. In der Begründung der Jury heißt es: „Mit Souveränität und feinem psychologischem Gespür beschreibt FX Karl die Kräfteverhältnisse in dieser Familie und deren Auswüchse und unaufhaltsame Verschiebungen angesichts des nahenden Todes des Oberhauptes. Die Mechanismen der Selbstlüge legt er ohne überflüssige Erklärung bloß, die Zufluchten jedes Einzelnen werden mit Empathie, wenn nicht Sympathie aufgedeckt.“

Der Autor lebt in München.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

Sekundärliteratur:

Berendonk, Nina (2004): Relevanz der Pervertierung. In: Süddeutsche Zeitung vom 26.04.2004, S. 40.

Hagn, Julia (2002): Die Nebenherschreibmethode. In: Süddeutsche Zeitung vom 07.10.2002, S. 44.

Marz, Eva (2003): Das Mädchen im goldenen Trikot. In: Süddeutsche Zeitung vom 05.02.2003, S. 14.

Weissmüller, Laura (2008): Das Nichts ist nur für Menschen da. In: Süddeutsche Zeitung vom 06.03.2008, S. 14.


Externe Links:

Literatur von FX Karl im BVB

Blumenbar Verlag

Kommentar schreiben