Info
Geb.: 30. 6.1893 in Wachwitz bei Dresden
Gest.: 20.4.1983 in München, abweich. Datum: 19.4.1983
Horst Wolfram Geißler (r.) im Gespräch, Tukankreis. 65. Geburtstag von H. W. Geißler, Juli 1958 (Bayerische Staatsbibliothek/Timpe)
Titel: Dr. phil.
Namensvarianten: Kauz (Pseud.)

Horst Wolfram Geißler

Der Sohn des Schriftstellers Max Geißler (1868-1945) besucht das Gymnasium in Weimar und studiert im Anschluss Germanistik in Kiel und München: „1912 kam ich als Student nach München, mit der Absicht, vier Monate in der bayerischen Hauptstadt zu bleiben – aus den vier Monaten ist jetzt mehr als ein Vierteljahrhundert geworden, und ich bin immer noch in München. Wer die Stadt kennt, wird das verstehen.“ 1915 promoviert Horst Wolfram Geißler zum Dr. phil., danach wird er freier Schriftsteller.

Bei Zeitungen und Zeitschriften wie Velhagen und Klasings Monatsheften ist er Mitarbeiter. Bis zum Zweiten Weltkrieg arbeitet Geißler als Feuilletonist unter dem Pseudonym „Kauz“. 1916 erscheint sein erster Roman Der letzte Biedermeier, 1921 sein wohl bedeutendster, Der liebe Augustin. Die Geschichte eines leichten Lebens. Rund 40 Romane und Erzählungen erscheinen im Laufe seines Lebens. Ab 1947 lebt er im oberbayerischen Hechendorf am Pilsensee.

Geißler gilt als Verfasser humorvoller Unterhaltungsromane, Erzählungen und Novellen, die vor einem teils (kultur-)historischen Hintergrund spielen. Durch zahlreiche Übersetzungen wird sein Werk auch im Ausland bekannt; es existieren mehrere Millionen verkaufter Buchexemplare. Aber auch ein Lustspiel (Der Sprung über den Schatten, 1935), Tage- und Sachbücher stammen aus seiner Feder (z.B. Mein fliegender Teppich, 1978; Der ewige Tempel. Studien zur Geschichte, zur Entwicklung und zu den Grundgedanken der Astrologie, 1949, Neuaufl. 1982).

Als Herausgeber beschäftigt sich Horst Wolfram Geißler intensiv mit dem Faust-Stoff in der Literatur (Die Gestaltungen des Faust, 1927), was sich nicht zuletzt in seinem eigenen Roman Der unheilige Florian (1939) über einen faustisch veranlagten Münchner Vierzigjährigen niederschlägt. 1966 veröffentlicht er eine Prosaübertragung des mittelhochdeutschen Nibelungenlieds.

Zu seinen weiteren Romanen zählen u.a. der Vormärz-Roman Der ewige Hochzeiter (1917) über den Maler Carl Spitzweg (1805-1885); der Gesellschaftsroman Die sieben Sonderbaren (1926); Der Puppenspieler (1929); Die Dame mit dem Samtvisier (1931), ein Münchner Roman aus dem 18. Jahrhundert; Die Glasharmonika (1936); Das Wunschhütlein (1939); Menuett im Park (1940); der Rokoko-Roman Nymphenburg (1947); Grillenkonzert (1949); der Seefahrer- und Abenteuerroman Das Schiff Mahayana (1950, später u.d.T. Die Frau, die man liebt); der Kriminalroman Lady Margarets Haus (1959); Das Lächeln des Leonardo (1960); sowie Wo schläft Kleopatra? (1965), „ein Will-Fox-Kriminalroman“.

Überragend und unmittelbar mit dem Namen Geißler verbunden bleibt jedoch sein international renommierter, verfilmter Roman Der liebe Augustin. Vor dem Hintergrund der allmählich heraufkommenden Napoleonischen Zeit bzw. der Gattung des Schelmenromans entwirft der Autor hier die Gestalt eines Lebenskünstlers, der durch die „glückliche Veranlagung, fatale Dinge auf die leichte Schulter zu nehmen“, Enttäuschungen und Schicksalsschläge bewältigt und sich selbst dabei treu bleibt:

Nach dem Tod der Eltern zieht der Held Augustin Sumser aus Mittenwald zu seinem Onkel an den Bodensee, um Geistlicher zu werden. In Lindau lässt er sich schließlich als Spieldosenmacher nieder. Eine tiefe, unglückliche Liebe ergreift ihn zur jungen Fürstäbtissin Friederike. Augustin lernt den durch seine Lehre vom animalischen Magnetismus bekannten Arzt Franz Anton Mesmer (1734-1815), den bayerischen Staatsreformer und Minister Graf Montgelas (1759-1838) sowie den Kaiser der Franzosen Napoleon (1769-1821) kennen. Er verbringt einige glückliche Jahre mit seiner Frau Susanne, muss aber deren Tod verwinden und wird in Lindau zur geschätzten Persönlichkeit. Bei einer Rettungsaktion zieht er sich eine tödliche Verwundung zu und stirbt in den Armen Friederikes. „Das kulturhistorische Wissen des Autors verbindet sich mit einer im Kolorit sehr genauen, frischen Sprache, die in der Darstellung der Bodenseelandschaft und in der subtilen Charakteristik der Personen durch Eigenheiten des Dialekts ihre Glanzpunkte hat.“ (Richard Mellein)

Horst Wolfram Geißler stirbt am 19./20. April 1983 in München. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof der Sankt-Georgs-Kirche in Wasserburg am Bodensee. Im dortigen Museum im Malhaus ist ihm, dem Ehrenbürger der Stadt Wasserburg, eine Gedächtnisecke gewidmet. Bis auf die Originalbibliothek wird sein Nachlass in der Monacensia aufbewahrt.

Verfasser: Literaturarchiv und Bibliothek Monacensia / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

http://www.lesekost.de/deutsch/geissler/HHL85.htm, (06.10.2017).

Mellein, Richard (2009): Horst Wolfram Geißler – Der liebe Augustin. In: Kindlers Literatur Lexikon. 3., völlig neu bearb. Aufl. Hg. von Heinz Ludwig Arnold. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar. Zit. nach: Kindlers Literatur Lexikon Online – Aktualisierungsdatenbank, URL: www.kll-online.de, (6.10.2017).


Externe Links:

Literatur von Horst Wolfram Geißler im BVB

Literatur über Horst Wolfram Geißler im BVB

Horst Wolfram Geißler in der Deutschen Biographie

Horst Wolfram Geißler in der DDB

Horst Wolfram Geißler im Museum im Malhaus

Horst Wolfram Geißler in der Wikipedia

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