Info
Geb.: 25. 3.1858 in Raubach bei Neuwied
Gest.: 9. 1.1912 in München
Ika Freudenberg. Aus: Ika Freudenberg. Ein Gedenkblatt. Separatabdruck aus der Monatsschrift "Die Frau", H. 5., 19. Jg. (1912). Foto: Ingvild Richardsen

Ika Freudenberg

Geboren wird die spätere Politikerin und Schriftstellerin 1858 als fünftes Kind des Hüttenbesitzers Johann Philipp Freudenberg (1803-1890) und seiner aus einer Pfarrersfamilie stammenden Frau Caroline (1817-1893) in Wiesbaden. In ihrer Jugend erfährt sie eine Ausbildung zur Pianistin. Diesen Beruf übt sie jedoch nie aus. Bis 1894 wohnt sie in ihrem Elternhaus in Wiesbaden und lebt wie so viele andere bürgerliche Frauen ihrer Zeit im 19. Jahrhundert das typische Leben einer Tochter aus guter Familie.

Als 1892 die Generalversammlung des Frauenvereins „Reform“ in Wiesbaden stattfindet, kommt sie erstmals in Berührung mit der modernen Frauenbewegung und lernt hier wohl auch Anita Augspurg und Sophia Goudstikker kennen, die damals in München leben und als selbstständige Geschäftsfrauen den Typus der emanzipierten Frau verkörpern. Nach dem Tod der Mutter zieht Ika Freudenberg 1894 mit 36 Jahren ebenfalls nach München. Da sie finanziell unabhängig und durch keinerlei Familienpflichten gebunden ist, entscheidet sie sich für ein Engagement in der bürgerlichen Frauenbewegung Bayerns. 1896 wird sie Präsidentin des auf Anregung von Anita Augspurg und Sophia Goudstikker 1894 in München gegründeten Vereins für Geistige Interessen der Frau, der 1899 in Verein für Fraueninteressen umbenannt wird. Durch ihn, der sich für die Bildung, Erwerbstätigkeit und finanzielle Unabhängigkeit der bürgerlichen Frauen einsetzt, fasst die moderne Frauenbewegung in Bayern Fuß. Mehrere Jahre wohnt Freudenberg zuerst in der Kaulbachstrasse 56, 1899 zieht sie dann mit Sophia Goudstikker, die zu ihrer Lebenspartnerin geworden ist, in ein Jugendstilhaus in der Königinstrasse 3a. Seit 1898 wird Ika Freudenberg Vorstandsmitglied zahlreicher Vereine: des Bundes Deutscher Frauenvereine, des Hauptverbands Bayerischer Frauenvereine, des Vereins Münchner Kellnerinnen, des Vereins für Landkrankenpflege in Bayern, des Zweivereins der Internationalen Föderation, des Vereins für Verbesserung der Arbeiterwohnungen und des Nationalsozialen Vereins.

Ika Freudenberg schreibt zahlreiche Aufsätze zu aktuellen Frauenfragen in den Organen der Frauenbewegung wie Die Frau, Centralblatt des Bundes Deutscher Frauenvereine  und auch im Fortschritt (der Liberalen). Bald verfasst sie auch bedeutende kulturpolitische und emanzipatorische Schriften, 1903 Ein Wort an die weibliche Jugend, 1905 Weshalb wendet sich die Frauenbewegung an die Jugend, 1908 Die Frau im öffentlichen Leben, 1910 Was die Frauenbewegung erreicht hat. 1911 veröffentlicht sie ihr letztes großes und zusammenfassendes Werk: Die Frau und die Kultur des öffentlichen Lebens.

Das Buch soll die wachsende Zahl von Frauen ansprechen, die durch ihre Lebensverhältnisse, ihren Beruf und ihre soziale Arbeit im 20. Jahrhundert in neue Bahnen gedrängt werden. Ika Freudenberg lenkt hier den Blick aus dem engen Kreis der Familie hinaus auf die gesamte Frauenwelt, ihre Rechte, ihre Stellung und ihre Aufgaben. Ihr Buch führt mitten in die Frauenbewegung hinein. Sie schildert die Entstehung des Gedankens des Frauenrechts und die verschiedenen Formen, die dieser Gedanke im Lager der bürgerlichen Frauen und im Lager der Arbeiterinnen angenommen hat. Sie liefert Tatsachenmaterial über die Leistungen der Frau in den verschiedenen Berufsarten, in Landwirtschaft, Industrie, Handwerk, Geschäftsleben, Kunst, Wissenschaft und Hausarbeit. Aus den Verdiensten der Frau in all diesen Berufszweigen leitet sie nicht nur das Recht der Frau auf Mitbetätigung am öffentlichen Leben ab, sondern auch die Notwendigkeit ihrer Mithilfe bei Beratungen und Bestimmungen  über die Angelegenheiten des öffentlichen Lebens. Und so verlangt sie denn auch gleiche Ausbildungsmöglichkeiten. Sie verkennt aber auch nicht die Schwierigkeiten, die eine Vereinigung von Erwerbstätigkeit und Hausfrauenberuf mit sich bringt. Sie macht auch keinen Versuch, eine allgemein gültige Lösung des Problems zu bieten, sondern ist der Meinung, dass die Lösung nur durch die Praxis gefunden werden kann, durch die, die bereit sind, alte Ideale  zugunsten neuer Ideale zu opfern, weshalb jede für sich erproben müsse, wo der größere Wert für sie liege.

Am 9. Januar 1912 stirbt Ika Freudenberg nach längerer Krankheit. Die Trauerfeier findet am 11. Januar auf dem Alten Nördlichen Friedhof in München statt. Die Ansprache, die Gertrud Bäumer, die Vorsitzende des Bundes Deutscher Frauenvereine hält, zeugt von Ika Freudenbergs bedeutender Rolle in der bürgerlichen Frauenbewegung und ihrer charismatischen Persönlichkeit. Kranzniederlegungen und Nachrufe widmen außer dem Verein selbst und seinen einzelnen Abteilungen vierzig Frauenvereine und -verbände die liberalen Parteien und der Chefredakteur der Münchner Neuesten Nachrichten. Ika Freudenberg wird in der Familiengruft in Wiesbaden beigesetzt. Am 31. Januar 1912 findet eine Gedenkfeier im Münchner Künstlerhaus statt. Anlässlich dessen trägt die Malerin Marie Haushofer, die 1899 das Festspiel für den Ersten Bayerischen Frauentag geschrieben hat, die vielgelobten Verse „Die Führerin“ vor.

Die Wirkung Ika Freudenbergs auf andere Menschen und ihre Bedeutung für die Frauenbewegung hat auch Martha Haushofer, die eine wichtige Rolle im Verein für Fraueninteressen einnimmt, im gleichen Jahr in einem Aufsatz beschrieben: Bezeichnend dafür, wie sie gleich von allen, die mit ihr in Berührung kamen, als etwas Höheres erkannt wurde, ist die Tatsache, daß sie die „Zugereiste, Fremde“ sofort als erste Vorsitzende der jungen Gesellschaft auftrat. Sie selbst und ihr Werk sind dann gewachsen. Sie konnte sich allmählich mit den durchaus nicht einfachen politischen und sozialen Verhältnissen ihres neuen Wirkungskreises  vertraut machen. Bald brachte sie Dinge fertig, die kein Mensch vorher für möglich gehalten hatte; sie gewann der Bewegung durch ihr gemäßigtes, sicheres  und doch leises Auftreten Anhänger in Kreisen, die vorher durchaus als ablehnend galten: der echt weiblichen Anmut und Vornehmheit ihres Wesens gegenüber verstummten Tadel und Spott, die sich sonst so gern und nicht immer ungerechtfertigt an die „Frauenrechtlerinnen“ hefteten. Nach wenigen Jahren war ihr Name Programm geworden, dem nicht nur Frauen, sondern auch Männer und nicht die schlechtesten, zustimmten; und nach weiteren Jahren war er, der eine stets wachsende  Schar von Gleichgesinnten vertrat, ein Faktor im öffentlichen Leben, mit dem man sowohl im Rathaus, wie im Landtag zu rechnen begann.

Verfasser: Monacensia im Hildebrandhaus / Dr. Ingvild Richardsen

Sekundärliteratur:

Bäumer, Gertrud (1912): Ika Freudenberg. Ein Gedenkblatt. Separatabdruck aus der Monatsschrift Die Frau, H. 5., 19. Jg., Berlin, W. Moeser.

Haushofer, Marie (1912): Der Führerin. In: Frauenstreben. 9. Jg., Nr. 4, 17. Februar, S. 23.

Haushofer, Martha (1912): Ika Freudenberg. In: Centralblatt des Bundes Deutscher Frauenvereine XIII. Jg., Nr. 21, S. 163.

Lindemann, Renate (1994): 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, S. 3 u. S. 97.

Verein für Fraueninteressen (Hg.) (1913): 18. /19. Jahresbericht 1913, S. 2.


Externe Links:

Literatur von Ika Freudenberg im BVB

Literatur über Ika Freudenberg im BVB

Ika Freudenberg in der Deutschen Biographie

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