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Geb.: 23. 4.1585 in Augsburg
Gest.: 10.4.1651 in Ingolstadt
Titel: Dr. theol., Prof.

Georg Stengel

Georg Stengel, der dritte von Raders Schülern neben Jacob Bidermann und Jeremias Drexel und jüngere Bruder von Carl Stengel, tritt 1601 in den Jesuitenorden in Landsberg am Lech ein, studiert Rhetorik und Philosophie in Ingolstadt, 1607-1610 ist er Lehrer der Humanoria in Pruntrut in der Schweiz sowie in München. Nach dem Studium der Theologie in Ingolstadt wird Georg Stengel 1614 Philosophielehrer in Dillingen und zum Doktor der Theologie promoviert. Von 1618 bis 1629 ist er Professor für Kasuistik und scholastische Theologie in Ingolstadt und seitdem auch als Seelsorger und Nachlassverwalter des Philologen, Historikers und Dramatikers Jacob Gretser S.J. (1562-1625) tätig. Zwischenzeitlich wieder in München, wird er Prediger an der dortigen Frauenkirche und Präfekt für die Höheren Studien. Ab 1640 ist er Rektor des Dillinger Jesuitenkollegs, alsdann leitet er eine Marianische Kongregation und kehrt nach Ingolstadt zurück, wo er als Studienpräfekt und Präses wirkt.

Neben seiner Tätigkeit als Theologe und Prediger tritt Georg Stengel vor allem als Verfasser großer Dramen (11 Schauspiele), lateinischer Lyrik, Schriften zur Polemik (Traktate gegen seinen Ordensbruder und Lutherkonvertiten Jacob Reihing, 1622-25) und theologischer und philosophischer Themen hervor. Zu seinen über 70 Werken zählen u.a.:  Carmen epicum pro Roberto Card. Bellarmino, contra ejus impugnatores (1605), Disputatio philosophica de bonis artibus in genere [...] (1616), Libellus de bono et malo syllogismo [...] (2 Bde., 1618/23, zahlreiche Aufl.), Aegyptischer Labyrinth, oder Geistlicher Irrgarten der betrieglicher Welt (1628 und 1651), Ova paschalia sacro emblemate inscripta descriptaque (1634, mehrere Aufl.), Geistliche Feuer-Flamm des Herzens [...] (1638; Unterricht von Liebe un Anbettung dess allerheiligsten Jesus-Nahmen [...], 1720), ein Nachschlagewerk für Prediger u.d.T. Exemplorum libri tres [...] (1650-58), ferner Wunderbarliche Krafft, und Würkung der Tugendreichen Exempel (1650) und Crucifix Betrachter, das ist, was einem soll, oder könde einfallen, in Anschawung eines Crucifix (ebenfalls 1650).

Stengels dramatische Hauptwerke sind Opus de Iudiciis Divinis (4 Bde., 1651, dt. u.d.T. Von den göttlichen Urtheilen und Anordnungen, welche der allmächtige Gott in dieser Welt übet, und uns Menschen zu betrachten vorstellet, 1712), Triumphus Deiparae virginis Mariae (1617) sowie sein 1621 in Ingolstadt aufgeführter Theophilus. Letzterer erscheint vor der Folie einer christlichen Deutungsart recht innovativ; auch wird die in der Jesuitendramatik übliche antireformatorische Polemik ausgelassen. Fidel Rädle schreibt dazu: „Obwohl auch [...] allegorische Personen entscheidend an der dramatischen Handlung teilhaben, fällt es (im Gegensatz zum Münchener Theophilus von 1596) nicht in die zwei Bereiche einer vordergründigen Aktions- und einer hintergründigen Bedeutungswirklichkeit auseinander. Durch den virtuosen Einsatz aller Spielarten des Komischen, durch Satire, Parodie und Ironie [...] hat der Autor die Wirklichkeitsbasis dieses Stückes erheblich verbreitert. Damit ist es nicht mehr möglich, daß die Allegorien das Geschehen des Stückes immer wieder abstrahieren und an sich ziehen.“

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Deutsches Literatur Lexikon (DLL). Biographisch-bibliographisches Handbuch. Begründet von Wilhelm Kosch, fortgeführt von Carl Ludwig Lang. 3., völlig neu bearb. Aufl. 1968ff. Ca. 33 Bde. und 6 Ergänzungsbde. Bd. 19. Bern und Zürich, S. 589-592.

Pörnbacher, Hans (1979): Literatur in Bayerisch Schwaben. Von der althochdeutschen Zeit bis zur Gegenwart (Beiträge zur Landeskunde von Schwaben, 6). Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn, S. 107.

Rädle, Fidel (1982): Georg Stengel S. J. (1585-1651) als Dramatiker. In: Theatrum Europaeum. FS für Maria Szarota. München, S. 87-107.


Externe Links:

Literatur von Georg Stengel im BVB

Literatur über Georg Stengel im BVB

Georg Stengel in der BLO

Georg Stengel in der DDB

Georg Stengel in der Deutschen Biographie

Georg Stengel im Augsburger Stadtlexikon

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