Info
Geb.: 11. 8.1936 in Schreckenstein
Foto: privat
Namensvarianten: Charlie op den Draht (Pseud.)

Karl Hoche

Karl Hoche wird 1936 als Sohn eines Chemiearbeiters und einer Verkäuferin in Schreckenstein/Nordböhmen (heute: Strekov CZ) geboren. Der Vater fällt im Krieg. Die Familie wird 1945 im Zuge einer ethnischen Säuberung in die damalige Ostzone abgeschoben. Dort wird ihm die Aufnahme in eine Parteischule der SED in Aussicht gestellt. Zur selben Zeit fragt ihn ein Pfarrer, ob er nicht Priester werden wolle. Hoche entscheidet sich für die Kirche, worauf er 1949 über die Zonengrenze geschmuggelt und nach Königstein im Taunus in das kirchliche Internat „St. Albertschule“ gebracht wird. Gegen die dort herrschende Repression wehrt er sich mit harmlosen Witzen und wird daher 1952 – kurz vor der Mittleren Reife – relegiert. Er kommt nach München, wo er 1956 Abitur macht und ein Jurastudium beginnt. Vor der Zweiten Juristischen Staatsprüfung (1970) geht er für ein Jahr als Fulbright-Stipendiat in die USA. Nach dem Examen arbeitet er nur noch als Autor.

1965 ist er Mitbegründer, -texter und -spieler des Münchner Studentenkabaretts „Die Stichlinge“, das sich im Zuge der 1968er-Kulturrevolution auflöst. Der orthodoxe Marxismus jener Jahre ist für ihn keine Versuchung, da ihn die Erfahrung mit der Katholischen Kirche gegen Ideologien immunisiert hat. Stattdessen veröffentlicht er 15 Jahre später die satirische Darstellung Die Marx Brothers. Eine Geschichte des Sozialismus: 150 Jahre, die den Kapitalismus und das Zwerchfell erschütterten (1983).

Hoches Debüt in der Print-Welt ist aber vorerst das Buch Schreibmaschinentypen (1971) mit literarischen Parodien, illustriert von Paul Flora und Dieter Lange. Danach schreibt er für Pardon, Titanic, Playboy, lui, die Süddeutsche Zeitung und Die Zeit – dort tritt er 1973/74 auch als satirischer Kolumnist „Charlie op den Draht“ auf. Er textet u.a. für die Kabaretts „Kom(m)ödchen“ und „Lach- und Schießgesellschaft“. In den 1980er-Jahren versucht er sich gemeinsam mit der Zeichnerin Sylvia Kekulé an einem Münchner Kultur-Comic für die Abendzeitung. Aktuelle Satiren und Parodien sind in seinem Buch Das Hoche Lied (1976) zusammengefasst. In Ihr Kinderlein kommet nicht (1979) wird eine ironische Geschichte der Empfängnisverhütung aufgeblättert. Hoches Info-Paper (1980), in welchem er den Umgang der Linken mit den Klassikern veralbert, wird in schulischen Kreisen als Herabwürdigung Johann Wolfgang von Goethes verstanden und führt zu einer Kleinen Anfrage im Landtag von Nordrhein-Westfalen. Hoche publiziert daraufhin das Taschenbuch Ein Strauß Satiren (1983).

Die Lage war noch nie so ernst (1984) ist eine Geschichte der Bundesrepublik in ihrer Satire, präsentiert und ausgewählt von Hoche. Als Textchef fungiert er bei zwei Spiegel-Parodien (Dr. Spiegel. Die Parodie, 1985, 1990). Ein weiteres Taschenbuch Die deutsche Treue (1989) erscheint im Rahmen der „Bibliothek der deutschen Werte“. Für In diesem unserem Lande (1997) zeichnet Hoche die Geschichte der Bundesrepublik anhand von 50 von ihm ausgewählten Bildern nach, die im kollektiven Gedächtnis der Bundesdeutschen gespeichert sind.

In seiner Bibelparodie Das Evangelium nach Hoche (1998) schickt er Jesus, der die Kreuzigung überlebt hat, in eine massive Auseinandersetzung mit der aufblühenden Kirche. Er selbst setzt sich damit allerdings zwischen alle Stühle: Den allermeisten Menschen inner- und außerhalb der Kirchen ist die Bibel nicht vertraut, und das winzige Häuflein der Bibelkenner hat an einer solchen Parodie nicht die rechte Freude.

Sein aktuelles Buch bigbangliebe: das programm (2017) entlarvt er die Liebe als ein von der Evolution in das menschliche Leben eingeschleustes Schadprogramm. Nachdem die Amerikaner behaupten, im Auto der Margot Käßmann diese und damit Gott abgehört zu haben, findet der verärgerte Bundesnachrichtendienst heraus: Gott ist die Liebe und damit die Evolution, die als Programm dargestellt werden kann. Ein Team aus Computer-Experten soll das tun. Das Ergebnis ist politisch nicht opportun, man lässt es verschwinden und löst das Team auf. Der Whistleblower Karl Hoche konvertiert das Programm in einen lesbaren Text und macht es Interessierten in voller Länge zugänglich.

1976 verleiht die Abendzeitung Karl Hoche ihre „Drei Sterne der Woche“ für Das Hoche Lied. 1977 erhält er den Tukan-Preis und 1987 den Ernst-Hoferichter-Preis der Stadt München. Am 18. Oktober 1980 wird er im „Streiflicht“ der Süddeutschen Zeitung als „einer unserer besten bundesdeutschen Satiriker“ gewürdigt.

Verfasser: Monika Pemler / Bayerische Staatsbibliothek


Externe Links:

Literatur von Karl Hoche im BVB

Zur Homepage des Autors

Werke von Karl Hoche auf der Erlanger Liste

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