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Geb.: 3. 1.1933 in Rokittnitz (Oberschlesien)
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Titel: Dr. phil.

Ernst Josef Krzywon

„Wo der Ostwind rauschend / über die Wälder der Rokita fährt, / bin ich daheim gewesen.“ So beginnt das Thema-Gedicht Auskunft (2011) des seit 1965 in Neubiberg bei München lebenden Lyrikers, Erzählers und Essayisten Ernst Josef Krzywon, das den versierten Leser ostwärts in die Bachweiden-Landschaft (sorbisch „Rokita“) seines oberschlesischen Geburtsortes Rokittnitz führt: „Ostländisch bin ich, / verdunkelt und einsam. / Im Erbe des Blutes / trag ich die Stimmen / polnisch-deutscher Ahnen [...].“ Ernst Josef Krzywon, dessen Poesie ganz im christlichen Geiste seiner schlesischen „Landsmänner“ Eichendorff, Heinz Piontek, Ernst Günther Bleisch oder Jochen Lobe steht, promoviert 1969 an der Universität München bei Prof. Dr. Walter Müller-Seidel literarisch brückenschlagend über Heinrich Heine und Polen (Diss.-Druck 1971). Mit 25 Jahren übersiedelt der Autor von der Volksrepublik Polen in die Bundesrepublik Deutschland, davor hat er in Oberschlesien und Ostpreußen das Studium der Philosophie und der Theologie begonnen. In München belegt er schließlich die Fächer Germanistik und Geschichte.

Von 1965-1977 ist Ernst Josef Krzywon als Redakteur, Verlagslektor und Gymnasiallehrer in der Schweiz und in Bayern, von 1977-1998 als Dozent an der Universität Augsburg und als Lehrbeauftragter an der Universität München tätig. Für die (ostdeutsche) Künstlergilde war er Fachleiter der „Fachgruppe Literatur“ im Landesverband Bayern sowie Juror bei der Vergabe des Eichendorff-Literaturpreises des Wangener Kreises.

Der produktive feinsinnige Autor veröffentlicht seit 1982 zahlreiche eigene Gedichtbände (Die Amsel blieb aus, 1990; Landnahme. Heimatgedichte, 1988; Widerklänge. Widmungsgedichte, 1986). Zuletzt erscheint zweisprachig (deutsch-polnisch) Zwiesprache mit Eichendorff. Vorletzte Gedichte / Rozmowa z Eichendorffem. Wiersze przedostatnie (2012) – sein wohl persönlichster Versband. Ernst Josef Krzywon macht sich aber auch einen Namen als Herausgeber von Lyrikanthologien (Paarweise. Frauenlyrik – Männerlyrik, 1993; Zeitansagen, 1989; Grenzübergänge, 1988). Transparente Geistesstimmen seiner Zeit sind seine Prosaarbeiten (Übergänge, Erzählung 2001; Das Erbe, Erzählung 1988).

Vielschichtig ist die Liste seiner Essays, deren Themen von der bündischen Dichtung, über Horst Bienek, den deutsch-polnischen Dualismus, Religion und Theologie in Goethes Schriften, Kafka und Büchner, der Polnischen Lyrik der Gegenwart bis zur Christlichen Lyrik von heute reichen. Ebenso fleißig zeigt sich Krzywon als Literatur-Rezensent für diverse Lexika, Almanache und internationale Literaturzeitschriften. Aber wir sehen ihn auch als Übersetzer aus dem Polnischen (Breslauer Sommer von Tadeusz Zelenay, 1997) und als Hörfunkautor mit Arbeiten für den Süddeutschen und den Westdeutschen Rundfunk.

Für das Schaffen des katholischen Sprachkünstlers Ernst Josef Krzywons zählt – wie für Luise Rinser – das Johannes-Evangelium: „Im Anfang war das WORT.“ Vereint mit persönlichem, glaubwürdigem Humanismus hallt Krzywons geschriebenes Wort nach in naturgegebener Religiosität.

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

www.lyrikwelt.de/autoren/krzywon.htm, (02.04.2013).

Heiduk, Franz (1993): Oberschlesisches Literatur-Lexikon. Teil 2. Berlin, S. 78f.

Hess, Anke (19983): Deutsches Literatur-Lexikon. Ergänzungsband V. Hg. von Hubert Herkommer und Carl Ludwig Lang. Bern und München, S. 552.

Joachimsthaler, Jürgen (2011): Text-Ränder. Die kulturelle Vielfalt in Mitteleuropa als Darstellungsproblem deutscher Literatur. 3 Bde. Universitätsverlag Winter, Heidelberg. Bd. II: (Post-)Koloniale Textur, S. 385. Bd. III: Dritte Räume, S. 65f., 257 und 317.

Jochemcyk, Angelika (2016): „Ich bereue nichts und stehe zu allem.“ Ernst Josef Krzywon im Gespräch mit Angelika Jochemcyk [Interview und Gedichtzyklus Eine Heimkehr]. In: Silesia Nova. Vierteljahresschrift für Kultur und Geschichte 4, S. 61-72.

Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 2001. Bd. II, S. 1753.

Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 1998, Jg. 61 (1999). Bd. I. Redaktion: Andreas Klimt. München und Leipzig, S. 671f.

Literatur in Bayern, Nr. 105/106 (2011/12). Hg. von Dr. Carolin Raffelsbauer und Dr. Gerd Holzheimer. München, S. 63.

Weber, Albrecht (2010): Lyrik vernetzt. Texte – Themen – Thesen. Würzburg.


Externe Links:

Literatur von Ernst Josef Krzywon im BVB

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Kommentare

Uli Vogel am 12.07.2017 um 12:10

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie stellen den Autor Ernst Josef Krzywon vor, nicht zuletzt mit diesen Zeilen aus seinem Gedicht "Auskunft":

Wo der Ostwind rauschend
über die Wälder der Rokita fährt,
bin ich daheim gewesen.

Ostländisch bin ich,
verdunkelt und einsam.
Im Erbe des Blutes
trag ich die Stimmen
polnisch-deutscher Ahnen [...].

Es lohnt sich, in diesem Zusammenhang einmal auf das folgende Gedicht von Friedrich Bischoff zu schauen:

Wo der Ostwind rauschend
über die Wälder der Oder fährt,
bin ich daheim.
Ich habe meinen Namen geschnitzt
in Stamm und Rinde,
so weiß ich, er wächst in sie hinein
und nie werde ich ganz vergessen sein
in der Fremde.

Ostländisch bin ich, das heißt
verdunkelt und einsam sein,
im Erbe des Blutes
tragen die Stimme der Ebene

und ruhelosen Wolkenzug.
Hier, wo der Vorfahr zur Rodung
die erste Saat hintrug,
hier nur bin ich geborgen.

Zwischen den weiten Wiesen
am Traumlich der Schlehen vorüber
traurig die Schiffe hinabrinnen sehn,
funkelnd stehn im Abendschein tief im Strom
die läutenden Türme der alten Stadt
und der dunkelnde Dom
in den ruhlosen Wassern ...

Freundliche Grüße,
Uli Vogel



Ernst Krzywon am 11.09.2017 um 13:31

Leider hat die Redaktion der Zeitschrift "Literatur in Bayern" (Nr. 105/106, S. 63) den erklärenden Untertitel meines Gedichtes "Auskunft" nicht abgedruckt bei der Erstveröffentlichung, so das Uli Vogel nicht wissen konnte, dass es sich bei meinem Gedicht "Auskunft" um eine ganz bewusste Kontrafaktur bzw. um eine sehr bewusste Variation handelt. Deshalb übersende ich im Anhang die eingereichte, aber nicht vollständig abgedrucke Fassung meines Gedichts, mit der Bitte um angemessene Kenntnisnahme.



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