Info
Geburtsjahr: 1581
Todesjahr: 1627 in Augsburg
Liedanfang "Ein Gespräch des armen Sünders mit Gott" aus David Spaiser: Vier vnd zwaintzig Geystliche Lieder, Sambt jhren aignen Welsch- vnd Teutschen Melodeyen, [1stg. Gesänge], [Augsburg], 1609 [BSB, Sign.: Liturg. 1379 b]

David Spaiser

Der vor 1581 geborene David Spaiser ist Bader und Mitglied der Meistersingerzunft. Von 1581 bis 1627 betreibt er das Rappenbad in Augsburg. 1609 erscheinen von ihm Vier vnd zwaintzig Geystliche Lieder, Sambt jhren aignen Welsch- vnd Teutschen Melodeyen, 1621 folgen Vierzig schöne Geistliche Lieder aus der Druckerei Johann Ulrich Schönigk. Spaiser stirbt nach 1627 in Augsburg.

Von den 10 italienischen Melodien stammen neun aus Giovanni Giacomo Gastoldis fünf- und dreistimmigen Balletti (1591 und 1594), drei weitere sind auch in anderen Quellen überliefert. So zum Beispiel die englische Singspielmelodie von Roland und seiner Braut Margaret („O Nachbar Roland, mein Herz ist voller Pein“) in Spaisers Lied „Ein Gespräch des armen Sünders mit Gott“, in dem der Sünder Gott seine Not klagt und von ihm getröstet wird. Spaiser nimmt die Dialogform der englischen Ballade auf und liefert damit zugleich eine Kontrafaktur des populären Liedes. Weitere Melodien haben Tanzcharakter nach der Allemande, die Einstimmigkeit ist jedoch die des Kirchenliedes. Der anonyme Schluss „Von dem Music Feinde“ geht „‚meistersingerlich‘ über das in einem geistlichen Gesangbuch Übliche hinaus“.

Damit bietet Spaiser ein Pendant zu den schulmusikalischen Weihnachtsgesängen des Gothaer Kantors Johannes Lindemann von 1598, der von den 19 Gastoldi-Balletten von 1591 acht fünftstimmig mit neuen deutschen geistlichen Texten veröffentlicht hatte. Vier dieser Vorlagen finden sich auch bei Spaiser [...]. Natürlich nennt der Augsburger keine Stimmenzahlen. Es geht ihm allein um die Oberstimmen seiner Vorlagen (und um deren Texte nur insoweit, als sie die Form und den Affekt seiner Nachdichtungen bestimmen). (Werner Braun)

Dagegen kann man einwenden, dass Spaiser im Gegensatz zu Lindemanns „Ausdruckstyp“ eine „bloße ‚Bereimung‘ gibt, ohne dass sich ein thematischer oder auch nur affekthafter Bezug auf das Modell finden ließe“ (Lukas Richter):

Gastoldi 1591 (übers.)

Der Verliebte
Zu frohem Leben
lädt Liebe uns ein
Falala:
Wer sich zu freuen wünscht,
wenn er von Herzen liebt,
wird das Herz geben
einem solchen Herrn.
Falala:

 

Lindemann 1595

(ohne austextierte Wiederholung)
In dir ist Freude
In allem Leide
O du süßer Jesu Christ (:)
Hilfest vor Schanden,
Rettest von Banden,
Wer dir vertraut,
Hat wohl gebaut,
Wird ewig bleiben,
Halleluja (:)

 

Spaiser 1609

Von Mehrung des Glaubens
O Gott, mein Herre,
mein Glauben mehre
Durch dein' reine gute Lehre.
Wann ich muß scheiden,
Wollest mein Leiden
Abkürzen schone
In deinem Throne
Durch deinen aller-
liebsten Sohn.

Neben Narziss Rauner, Johann Philipp Apffelfelder, Josua Wegelin, Johann Hoffmann, Bernhard Heupold, Georg Albrecht und Johann Christoph Heckel hat sich Spaiser besonders um die Pflege des geistlichen Lieds innerhalb der protestantischen Gemeinde Augsburgs verdient gemacht (Karl Pörnbacher).

In der von Albert Fischer 1904 herausgegebenen Sammlung Das deutsche evangelische Kirchenlied sind sieben Lieder von ihm abgedruckt.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Braun, Werner (2004): Thöne und Melodeyen, Arien und Canzonetten. Zur Musik des deutschen Barockliedes (Frühe Neuzeit, 100). Max Niemeyer Verlag, Tübingen, S. 122ff.

Classen, Albrecht; Richter, Lukas (2010): Lied und Liederbuch in der Frühen Neuzeit (Volksliedstudien, 10). Waxmann Verlag, Münster u.a., S. 84f.

Fischer, Albert (1904): Das deutsche evangelische Kirchenlied des siebzehnten Jahrhunderts. Nach dessen Tode vollendet und hg. von W[ilhelm] Tümpel. 6 Bde. Bd. 1. Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh, S. 161.

Pörnbacher, Karl (2002): Schwäbische Literaturgeschichte. Tausend Jahre Literatur aus Bayerisch Schwaben. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn, S. 133.


Externe Links:

Literatur von David Spaiser im BVB

Lieder von David Spaiser bei Hymnoglypt

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