Info
Geburtsjahr: 1990
in Tegernsee
© Suzanne de Carrasco

Alisha Gamisch

Alisha Gamisch, geboren 1990 in Tegernsee, ist eine in Berlin lebende Schriftstellerin. In ihren Texten verarbeitet sie die Geschichte ihrer russlanddeutschen Familie und schreibt eindringlich über transgenerationale Traumata.

Werdegang

Alisha Gamisch studiert in München und London Germanistik und Anglistik. Anschließend arbeitet sie als Lehrerin in Berlin und schreibt für Literaturzeitschriften wie PS-Politisch Schreiben und das Mosaik-Magazin. Außerdem ist sie bei Lesereihen wie books without covers in Berlin und beim Großen Tag der jungen Münchner Literatur am Literaturhaus München zu Gast. 2025 gründet sie zusammen mit Paula Fürstenberg und Raphaëlle Red die literarische Girlband „No Scribes“, um neue Wege der Kollaboration zu ergründen und aus dem klassischen Lesungsformat auszubrechen.

Wichtige Werke (Auswahl)

2020 erscheint ihr erster Gedichtband Lustdorf im Verlagshaus Berlin. 2026 veröffentlicht der Berliner Verlag Voland & Quist ihren Debütroman Parasiti, der die Lebenswege dreier russlanddeutscher Frauen zwischen dem Nowobirsk der Sechzigerjahre und dem Fürstenfeldbruck der nahen Gegenwart nachzeichnet.

Stil / Rezeption

Bereits in ihrem Lyrikdebüt Lustdorf setzt sich Alisha Gamisch mit ihren Wurzeln auseinander und fragt: „was vererben wir und was / behalten wir lieber uns?“ Der Gedichtband ist ein fiktiver Dialog mit ihrer Großmutter („eine oma“) über Putin, Borschtsch und Sex und verhandelt die Themen Lust und Traumata vor dem Hintergrund einer russlanddeutschen Geschichte.

Auch für ihren Debütroman schöpft Gamisch aus ihrer Biografie und sucht den Dialog: Es sei „nicht viel erfunden“, verrät die Autorin im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Stattdessen habe sie Interviews geführt und Geschichten gesammelt, aus denen dann die Figuren Rina, Tante Valli und Großmutter Lydia erwachsen seien. Über die Geschichte der Russlanddeutschen, die von Vertreibung und Ausgrenzung geprägt ist, wird wenig erzählt – Gamisch „schreibt mit ihrem Debütroman gegen dieses Schweigen an“ und „zeigt eindringlich ein eigentümlich intensives Familienleben“ (Corinne Orlowski, Deutschlandfunk Kultur). Da ist es nur passend, dass Schweigen auch den Ausgangspunkt des Romans bildet, an dessen Anfang das Verstummen von Lydia steht: „Die Tante lässt es geschehen und schweigt. (…) In ihrem kleinen, alten Gesicht auf dem Kopfkissen sind die Augen geschlossen, sie atmet tief und träumt Dinge, zu denen Valli gerne Zugang hätte.“

Es sind die generationsübergreifenden Traumata, die „Widersprüche und Reibungen“ (Gamisch) zwischen den Generationen und Sprachen, die der Roman erfahrbar macht.

Preise & Auszeichnungen

2016 wird Alisha Gamisch für den Lyrikpreis München nominiert. 2020 wird ihr Gedichtband Lustdorf vom Haus für Poesie zu einem der besten Lyrikdebüts des Jahres gekürt. Außerdem wird der Band für den Ulla-Hahn-Preis nominiert. Für ihr Romanprojekt Parasiti erhält sie 2022 das Recherchestipendium und das Arbeitsstipendium des Berliner Senats. Im selben Jahr wird Gamisch mit dem Nora-Pfeffer-Literaturpreis für Lyrik des Bayerischen Kulturzentrums der Deutschen aus Russland ausgezeichnet. 2023 ist sie Stipendiatin der Romanwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin. 2025 erhält sie das Internationale Residenzstipendium im Bereich Literatur des Künstlerhauses Lauenburg sowie das Residenzstipendium der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen.

Tätigkeiten im literarischen Betrieb

Die Autorin ist Gründungsmitglied des gemeinnützigen Vereins Wepsert e.V., der ein nicht-kommerzielles Onlinemagazin betreibt. Für Wepsert organisiert Gamisch Lesungen und schreibt über Feminismus und Literatur. Gemeinsam mit der Schriftstellerin Ani Menua kuratiert und moderiert sie die Lesungs- und Diskussionsreihe „PostOst-Café“ des Zentrums für Antislawismusforschung im Maxim Gorki Theater Berlin, die der kulturellen Vielfalt im postsowjetischen Raum Rechnung tragen soll.

Verfasst von: Bayerische Staatsbibliothek / Sophia Lindsey


Externe Links:

Literatur von Alisha Gamisch im BVB

Alisha Gamisch bei Voland & Quist